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| 16:53 Uhr

Hospiz
Ein Stück Herrnhut in Bischofswerda

So fing alles an: Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (2.v.r) und die Vertreter der Herrnhuter sowie der Bautzener Diakonie machten sich 2017 ein erstes Bild von den Verhältnissen vor Ort.
So fing alles an: Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (2.v.r) und die Vertreter der Herrnhuter sowie der Bautzener Diakonie machten sich 2017 ein erstes Bild von den Verhältnissen vor Ort. FOTO: Uwe Menschner
Bischofswerda. Der Neubau des Hospizes in Bischofswerda nimmt konkrete Formen an. Der Betreiber setzt auch ganz spezielle bauliche Akzente. Von Uwe Menschner

Der Neubau des stationären Hospizes in der Bischofswerdaer Fronfeste nimmt konkrete Züge an. „In den vergangenen Tagen ist auch die letzte benötigte Genehmigung – die für den Abbruch von Teilen des Gebäudes – bei uns eingegangen“, freut sich der mit der Planung beauftragte Architekt Daniel Neuer. In Verbindung mit der bereits ein paar Wochen zuvor erteilten Baugenehmigung steht dem Baubeginn Anfang nächsten Jahres – eine erfolgreiche Ausschreibung der Leistungen vorausgesetzt – nichts mehr im Wege.

„Im Januar wollen wir mit den Abrissarbeiten beginnen“, konkretisiert Daniel Neuer den Baustart nun erstmals monatsgenau. Parallel dazu werden noch verwendbare historische Bauelemente – insbesondere Türen und Granitplatten – geborgen und zwischengelagert. Diese will und muss die Christliche Hospiz Ostsachsen gGmbH als Betreiberin der Einrichtung in den neuen Baukörper integrieren – eine Forderung der Denkmalschutzbehörde. Diese hat bei dem Vorhaben ein gewichtiges Wort mitzureden, handelt es sich doch bei der Fronfeste um das älteste noch erhaltene Haus der Stadt Bischofswerda. Entsprechend behutsam will der Bauherr das auf den ersten Blick rundum marode Ensemble anfassen: „Der Turm und die Fassade an der Straßenseite Am Hof bleiben erhalten“, wie Daniel Neuer versichert.

Doch dies ist erst der dritte Schritt. Nach Abbruch und Sicherung stehen nämlich zunächst umfangreiche Tiefbauarbeiten auf dem Plan. „Hoher Wasserstand und Lehmboden sorgen für einen alles andere als optimalen Baugrund“, weiß der Architekt. Mit bis zu 1,20 Meter tief reichenden Bohrpfählen wollen die Bauleute tragfähigen Baugrund „unter die Füße“ bekommen. Erst wenn dies gelungen ist, kann der Hochbau beginnen.
Die Entwürfe zeigen, dass der in Herrnhut beheimatete Träger und der dort ansässige Architekt bei der Fassadengestaltung ihre Herkunft nicht verleugnen können und wollen – und warum sollten sie auch? Man könnte sagen, dass mitten in Bischofswerda ein kleines Stück Herrnhut entsteht. Den Höhepunkt bildet freilich – im eigentlichen wie im übertragenen Sinne – der Fronfeste-Turm, der in Kubatur und Anmutung erhalten bleibt und eine wichtige Rolle für das Raumkonzept spielt. Sollen doch hier – über dem unverändert zu erhaltenden Gefängniskeller – das Schwesternzimmer und darüber der Raum der Stille entstehen.

Für die Christliche Hospiz Ostsachsen gGmbH ist Bischofswerda nach Herrnhut der zweite stationäre Standort. Zwischenzeitlich hat auch die Diakonieanstalt Emmaus in Niesky mit dem Bau eines stationären Hospizes begonnen. „Wir zielen insbesondere auf die Region östlich von Dresden, aber auch der Bereich Kamenz-Hoyerswerda gehört zu unserem Einzugsgebiet“, erklärt Geschäftsführer Stephan Wilinski.

Der Bedarf in der ostsächsischen Region reicht seiner Ansicht nach allemal für drei Einrichtungen aus, von denen jede zwölf Plätze für todkranke Hospizgäste – so die offizielle Bezeichnung – bereithält. In Niesky sind zwei davon für Kinder und Jugendliche reserviert.