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| 18:14 Uhr

140 neue Arbeitsplätze
Aicher plant 100-Millionen-Euro-Investition in Bischofswerda

Bischofswerda. Die schon seit 25 Jahren in der Stadt ansässige Unternehmensgruppe will neues Werk errichten und Zahl ihrer Arbeitsplätze verdreifachen. Von Uwe Menschner

Die Max-Aicher-Unternehmensgruppe plant eine Großinvestition in Bischofswerda: Sie will im Industriegebiet Nord auf 15 Hektar ein Werk für die Fertigung von Graphitelektroden errichten.

Nach Angaben von Projektleiter Klaus Krüger beträgt die Investitionssumme etwa 100 Millionen Euro. 140 neue Arbeitsplätze sollen bereits in der ersten Ausbaustufe entstehen. „Wir haben das ehrgeizige Ziel, das Werk Ende 2018 zu eröffnen. Die Arbeitskräfte suchen wir in der Region – aktuell zehn Ingenieure zur Planung und zum Aufbau der Produktionsstätte“, so Krüger.

Dass die Standortentscheidung pro Bischofswerda fällt, sei trotz der bereits seit mehr als 25 Jahren bestehenden Präsenz nicht selbstverständlich gewesen: „Bischofswerda konnte sich dabei gegen Mitbewerber aus Ungarn und Deutschland durchsetzen.“

Bislang hat Max Aicher die für die eigene Stahlproduktion – die Kernkompetenz der Unternehmensgruppe – benötigten Graphitelektroden aus China bezogen. „Mit der Eigenproduktion wollen wir Unabhängigkeit von den marktbeherrschenden und damit preistreibenden chinesischen Elektrodenherstellern erreichen“, erläutert Klaus Krüger die Gründe für die Investitionsentscheidung. Die für die Produktion benötigten Maschinen erwarb der Investor von einem Graphit-Elektrodenwerk aus Griesheim bei Frankfurt.

Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) sieht in dem jetzt angekündigten Werksneubau einen Erfolg der eigenen Standortpolitik, die die Wirtschaftsförderung zur Chefsache erhoben habe. Einen Schwerpunkt bilde dabei die Flächen- und Leerstandsvermarktung: „Gewerbeflächen und -immobilien der Stadt Bischofswerda werden im Internet, in Magazinen, Exposés, auf Messen und Wirtschaftstreffen und bei direkten Unternehmerkontakten beworben. Die gemeinsame Vermarktung der Industrie- und Gewerbeflächen ist in Bischofswerda ein Erfolgsmodell der öffentlich-privaten Partnerschaften“, so Holm Große. Die Aicher-Entscheidung für Bischofswerda beweise die zunehmende Attraktivität der Stadt für Unternehmen.

Die Max-Aicher-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im bayerischen Freilassing beschäftigt 4000 Mitarbeiter in 18 Ländern und erwirtschaftete in den zurückliegenden Jahren im Schnitt jeweils etwa eine Milliarde Euro Umsatz. Den Hauptgeschäftszweig bildet die Stahlproduktion in den eigenen Werken in Bayern und Ungarn. Darüber hinaus engagiert sich Max Aicher auf den Geschäftsfeldern Umwelt und Recycling, Bau und Projektentwicklung sowie Freizeit und Tourismus.

Die 1991 gegründete Max Aicher Bischofswerda GmbH & Co. KG ist mit etwa 70 Beschäftigten vor allem in den Bereichen Schweißkonstruktion, Umwelttechnik, mobiler Hochwasserschutz und Gaserzeugungsanlagen tätig. Aicher hat das Gelände des früheren Landmaschinenkombinates Fortschritt zu einem Gewerbepark mit einem vielfältigen Branchenmix entwickelt.

Das neue Elektrodenwerk soll allerdings nicht hier, sondern im Industriegebiet Nord entstehen. Dieses befindet sich am Ortseingang aus Richtung Bautzen und umfasst im wesentlichen das Areal der früheren Russenkaserne. Deren Baulichkeiten wurden mit Ausnahme des denkmalgeschützten Casinogebäudes „Goldener Löwe“ abgerissen. Für Schlagzeilen sorgte in der Vergangenheit vor allem die Ansiedlung des Solarzellenherstellers Arise im Jahre 2008, der bereits drei Jahre später wieder schließen musste.