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Senfmanufaktur
In Bautzen ist sogar die Torte aus Senf

Einen der wichtigsten Geschmacksträger der Torte, die Manfred Lüdtke hier anschneidet, bildet der Senf.
Einen der wichtigsten Geschmacksträger der Torte, die Manfred Lüdtke hier anschneidet, bildet der Senf. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. 78 000 Besucher haben sich allein im vergangenen Jahr im Senfladen über die Würzpastete, deren Geschichte und Zukunft informiert. Die Ideen für das Produkt können noch immer überraschen. Von Uwe Menschner

Senf und Bautzen – das sind zwei Dinge, die untrennbar zusammengehören. Nicht nur, weil alljährlich Tausende Lkw mit der aromatisch-scharfen Würzpaste das Develey-Werk im Stadtteil Kleinwelka verlassen. Nein, auch mitten in der Stadt kann man sich auf die Spur des Senfes begeben: Seit zehn Jahren betreiben die Bautzener Falk Lorenz und Manfred Lüdtke am Fleischmarkt den Bautz'ner Senfladen mit Manufaktur und Museum. Die Besucher erfahren dort auch etwas über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Senfs. „Im vergangenen Jahr hatten wir 78 000 Besucher. Für ein kleines, privat betriebenes Museum wie unseres ist das schon ein starkes Stück“, freut sich Manfred Lüdtke. Gute Gründe also, um das zehnjährige Bestehen angemessen zu feiern.

Und so folgten mehr als hundert Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft jüngst der Einladung zu einem kleinen Empfang. Unter ihnen befand sich auch Kristina Vonrath, die Marketingleiterin der Develey Senf & Feinkost GmbH, unter deren Dach die Marke Bautz'ner nach der politischen Wende ein Zuhause erhielt. Sie fand viele lobende Worte für den kleinen „Ableger“ im Bautzener Stadtzentrum: „Der Senfladen gibt unserer erfolgreichen Marke Bautz'ner eine Heimat. Hier kann man sie anfassen und schmecken. Bautz'ner steht für Heimat und Regionalverbundenheit. Diese Werte macht der Laden erlebbar.“

Von den Betreibern des Senfladens erhalte die Unternehmensgruppe Develey wertvolle Hinweise, welche Geschmacksrichtungen gerade besonders angesagt sind und wo es Nachbesserungsbedarf gibt. Viele Ideen seien bereits in die Produktentwicklung des Kleinwelkaer Werkes eingeflossen.

Natürlich soll nicht nur die große von der kleinen Schwester profitieren, sondern ebenso umgekehrt: „Auch wir geben unser Know-how und unsere Marktkenntnisse gern an den Senfladen weiter“, berichtet Kristina Vonrath. Man stelle auch Produkte „nach Wunsch“ her, beispielsweise den Trüffelsenf, der sich in diesen Tagen als „Jubiläumssenf“ zum Renner entwickelt.

Auch der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) befand sich unter den Festgästen. In seine Richtung konnte sich Manfred Lüdtke eine kleine Spitze hinsichtlich des in die Diskussion geratenen Stadtmarketings nicht verkneifen: „Uns ist egal, was dort gerade passiert, wir machen unser Ding.“ Woraufhin der OB erwiderte: „Keine Sorge, wir geben unseren Senf dazu.“ Später würdigte Ahrens in seinem Grußwort den Ideenreichtum und die Initiative der Senfladen-Betreiber: „Genau das ist es, was wir in Bautzen brauchen.“ Als Stadt unterstütze man gern „umsetzbare Ideen“.

Als umsetzbare – wenn auch ungewöhnliche – Idee erwies sich die Geburtstagstorte: Ihren hauptsächlichen Geschmacksträger bildete nämlich – wie sollte es anders sein – der Senf. Damit reihte sie sich ein in eine ganze Folge von auf den ersten Blick „schrägen“ Kreationen, mit denen Bautzener Gewerbetreibende schon ihre Verbundenheit zum Senf ausdrückten: Vom Senfeis reicht die Palette über das Senf-Honig-Bier bis hin zum Senfcocktail. Und dass die Ideen nicht ausgehen, dafür dürften schon die Bautzener Senfwochen sorgen, die in diesem Jahr vom 14. August bis 9. September bereits zum 13. Mal stattfinden.