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| 10:16 Uhr

Spendenbereitschaft sinkt
Die sieben Badewannenvoller Blut reichen nicht

Deutsche Spendedienste suchen mehr Lebensretter: Immer weniger Hoyerswerdaer geben Blut ab. Von Anja Hummel

Die Spenderzahlen gehen zurück, der Bedarf wird dafür immer größer: Im Jahr 2018 wurden beim Haema-Blutspendedienst in Hoyerswerda insgesamt rund 2200 Blutspenden geleistet. „Das sind knapp 100 weniger als 2017“, sagt Marion Junghans. Die Sprecherin hat noch mehr Zahlen parat: 1100 Liter Blut sind von insgesamt 1000 Spendern abgezapft worden. Zum Vergleich: Mit der Menge könnte man gut sieben Badewannen füllen. „Das heißt, ein Spender leistet pro Jahr im Schnitt 2,2 Blutspenden“, so Junghans. Vor fünf Jahren sei es noch geringfügig mehr gewesen. Hier kam man durchschnittlich auf 2,3 Spenden pro Spender im Jahr.

Die Situation in Hoyerswerda ist keine Ausnahme. Deutschlandweit und über alle Blutspendedienste hinweg ist ein Rückgang an Spendern und Spenden in den vergangenen Jahren zu beobachten. „Gründe dafür sind zum einen der demografische Wandel und gleichzeitig eine Zunahme von Spenderausschlusskriterien zugunsten der Spender- und Empfängersicherheit“, erklärt Marion Junghans. Parallel dazu nimmt der Bedarf an Blut, aber vor allem an Plasma, in der Medizin stetig zu. Gründe hierfür sind ebenfalls im demografische Wandel – steigende Lebenserwartung und zunehmender Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung – zu suchen.  Was der Haema-Blutspendedienst außerdem beobachtet: Im Jahresverlauf kommt es regelmäßig zu saisonalen Schwankungen. „Wir müssen leider jedes Jahr bei Grippewellen, in den warmen Sommermonaten und den Ferien, aber auch bei extremer Kälte im Winter mit Engpässen rechnen. Das sind Zeiten, in denen Blutspender verreisen oder aufgrund von Krankheit oder des Wetters nicht zur Blutspende kommen“, sagt Pressesprecherin Marion Junghans. Auch Feiertage, wie Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten, zählen zu den spendeschwachen Zeiten. Da Blut nur eine begrenzte Haltbarkeit von bis zu 49 Tagen hat, können keine besonders großen Vorräte angelegt werden. Bei Blutspende-Engpässen seien Notfälle abgesichert. Längerfristig geplante Operationen müssten im Zweifelsfall aber auch mal verschoben werden.

Dass bei der Anzahl an Spenden noch „Luft nach oben“ ist, zeigen diese Zahlen: Bei Befragungen sagen über 90 Prozent der Personen, dass Sie Blutspenden als sehr wichtig erachten. Eine Studie des Bundesverbandes der Ersatzkassen spricht von 60 Prozent der deutschen Bevölkerung, die überhaupt spenden könnte. „Allerdings spenden jedoch lediglich fünf Prozent der Bevölkerung auch regelmäßig Blut“, weiß Junghans. In Deutschland dürfen Frauen vier Mal pro Jahr Blut spenden, Männer sechs Mal. Die Verteilung von Männern und Frauen ist etwa gleich, wobei es einen kleinen Anteil mehr Männer gibt. Dies ist jedoch biologisch begründet: Bei Schwangerschaft und Stillzeit ist keine Spende möglich. Und: Man muss  mindestens 50 Kilogramm auf die Waage bringen – darunter darf man nicht spenden.

Grundsätzlich aber darf in Deutschland jeder spenden, der gesund ist, mindestens 18 Jahre alt, einen gültigen Personalausweis vorlegen kann und , wie eben beschrieben, mindestens 50 Kilogramm wiegt. Außerdem sollte vor der Spende reichlich getrunken und fettarm gegessen werden. So wird die Spende gut vertragen.

Besonders hoher Bedarf an Spenden besteht bei den Blutgruppen 0 oder A. Generell gilt: Seltene Blutgruppen werden auch entsprechend seltener benötigt, da es entsprechend wenig Menschen und damit auch Kranke und Verletzte dieser Blutgruppe gibt. Marion Junghans: „Eine Besonderheit bilden Spender mit der Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ.“ Da ihr Blut sich mit allen Blutgruppen „verträgt“, kann es universell für jeden Menschen und bei Notfällen eingesetzt werden. Weil in Mitteleuropa nur sieben Prozent der Menschen diese Blutgruppe besitzen, kommt es häufig zu einem Mangel an Blut dieser Blutgruppe.