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Immer weniger brauchen mehr Sprit

Prof. Jürgen Besold von der Energieagentur des Landkreises Bautzen übergibt der Beigeordneten Birgit Weber den Energie- und Treibhausgasbericht.
Prof. Jürgen Besold von der Energieagentur des Landkreises Bautzen übergibt der Beigeordneten Birgit Weber den Energie- und Treibhausgasbericht. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Der Landkreis Bautzen hat zum zweiten Mal einen Energiebericht herausgegeben. Dieser benennt erfreuliche, aber auch besorgniserregende Entwicklungen. Uwe Menschner / ume1

Im Landkreis Bautzen ist die Jahresmitteltemperatur zwischen den Jahren 1990 und 2010 von 8,7 auf 9,3 Grad Celsius gestiegen. Das geht aus dem "Energie- und Treibhausgasbericht für den Landkreis Bautzen" hervor, der jetzt zum zweiten Mal erschienen ist. Die Anzahl der Sommertage (Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 25 Grad Celsius) ist demnach um 21 gestiegen, Starkregen tritt immer häufiger auf. "Dies zeigt, dass die Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen dringender ist denn je", erklärte die für Kreisentwicklung zuständige Beigeordnete des Bautzener Landrates, Birgit Weber, am Dienstag bei der Vorstellung des Berichtes.

Hauptverursacher der Emissionen von Treibhausgas (vor allem Kohlendioxid) im Landkreis Bautzen ist die Stromerzeugung mit 31 Prozent des Gesamtausstoßes, gefolgt von der Wärmeerzeugung (25 Prozent). Dabei liegt der Stromverbrauch pro Einwohner im Kreis mit etwa 6100 Kilowattstunden pro Jahr deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt (7300 kWh; darin sind auch die industriellen Emissionen enthalten.) "Erfreulich hoch ist mit etwa einem Drittel der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen", so Birgit Weber. Daran haben vor allem Fotovoltaik (61 Prozent), Wind (33 Prozent) und Biomasse (4,5 Prozent) Anteil.

Das Sorgenkind der Kreisverwaltung bildet hinsichtlich der Emissionsreduzierung der Verkehr. "Diese Emissionen haben seit 1990 systematisch zugenommen, und das trotz sinkender Einwohnerzahlen", konstatiert die Beigeordnete. Die Anzahl der Fahrzeuge blieb bei steigender Fahrleistung nahezu konstant, weil ein großer Anteil der Landkreisbewohner weite Arbeitswege zurücklegen muss. Abhilfe könnte der Umstieg auf alternative Antriebe schaffen, doch der steckt im Landkreis Bautzen - ebenso wie in ganz Deutschland - noch in den Kinderschuhen: Ganze 45 Elektro-Kraftfahrzeuge sind hier derzeit registriert. "Der Fuhrpark des Landratsamtes umfasst ein solches Fahrzeug, ein weiteres ist in Planung", so Birgit Weber, die folgende Forderung aufmacht: "Wir brauchen ein funktionierendes Netz von Tankstellen, und das nicht irgendwo auf dem Feld, sondern mitten in den Städten." Schließlich dauere der Ladevorgang wesentlich länger als das "klassische" Tanken, und in der Zwischenzeit soll der Fahrzeugbesitzer "shoppen" gehen können. Hoffnungen setzt sie in die Zusammenarbeit mit der Deutschen Accumotive GmbH in Kamenz, welche den Daimler-Konzern mit Batterien ausstattet.

Große Anstrengungen unternimmt der Landkreis, um seine kreiseigenen Liegenschaften energieeffizienter zu gestalten, und verzeichnet dabei auch durchaus Erfolge: "Allein von 2012 bis 2014 wurden die entsprechenden Emissionen um 7,4 Prozent gesenkt", so Professor Jürgen Besold, Leiter der Energieagentur des Landkreises Bautzen, die diesen im Themenfeld Energieeffizienz berät. Dazu tragen verschiedene Maßnahmen bei: von der energetischen Gebäudesanierung über effizientere Heizsysteme bis hin zu Veränderungen im Strommix der Energieversorger. "Allerdings gibt es dabei auch Grenzen", sagt Birgit Weber unter Verweis auf das Hauptgebäude des Landratsamtes mit seinen hohen Räumen und riesigen Fenstern.