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Immer mehr Seeadler

Der Bestand des Seeadlers in der Region hat sich erfreulich entwickelt.
Der Bestand des Seeadlers in der Region hat sich erfreulich entwickelt. FOTO: Winfried Nachtigall
Neschwitz/Bautzen. Die Zahl der Tiere steigt in der Oberlausitz seit vielen Jahren kontinuierlich. Aber das Maximum ist in der Region bald erreicht. Uwe Menschner / ume1

Der Bestand des Seeadlers in Sachsen und speziell in der Oberlausitz entwickelt sich sehr erfreulich. Wie Winfried Nachtigall von der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz erklärt, gibt es gegenwärtig zwischen 85 und 95 Brutpaare dieser majestätischen Greifvögel im Freistaat, die meisten davon in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Vor zehn Jahren waren es noch circa 60.

"Die Zahl der Brutpaare ist über einen langen Zeitraum kontinuierlich um fünf bis zehn Prozent pro Jahr angewachsen, zuletzt hat sich dieses Wachstum jedoch deutlich verlangsamt. Die 100 Brutpaare werden wir aber sicher noch erreichen", so Winfried Nachtigall. Der Neschwitzer Biologe kennt den Seeadler sicher besser als irgendjemand sonst, ist er doch einer von sachsenweit nur zwei zugelassenen Beringern. Ab Mitte Mai steigen er und sein Kompagnon - meist als Team - in die Bäume hinauf, um die Jungvögel mit Ringen zu markieren und dadurch wiedererkennbar zu machen.

"Das Beringen trägt auch dazu bei, die Zahl der Jungvögel exakt zu bestimmen", betont Winfried Nachtigall. Seitdem systematisch beringt wird, habe man deren Zahl deutlich nach oben korrigieren können: "Vom Boden aus entdeckt man eben doch nicht alles." Dabei musste man aber auch feststellen, dass die Zahl der erfolglos brütenden Paare mit 41 Prozent recht hoch ist. Bei jeweils 29 Prozent schlüpfen ein oder zwei Junge aus dem Ei, ganz selten auch mal drei. Die Gründe für den Abbruch der Brut sind oft "menschengemacht" - und trotz aller Schutzbemühungen trifft dies auch für die Haupttodesursachen der Seeadler zu.

"In letzter Zeit gibt es wieder verstärkt Probleme mit der Holznutzung, und der Ton ist rauer geworden", hat Winfried Nachtigall festgestellt. Das Leben der streng geschützten Tiere werde gegen den Wert des Holzes, auf dem sie brüten, aufgerechnet. Ein Waldbesitzer, der einen Brutbaum gefällt hatte, musste diesen Frevel mit immerhin 8000 Euro Bußgeld bezahlen: "Das ist deutschlandweit bislang die höchste verhängte Strafe." Allerdings kommt der direkte Eingriff in den unmittelbaren Lebensraum noch eher selten vor.

Weitaus häufiger - und dies bildet die Todesursache Nummer eins - fallen Seeadler Bleivergiftungen zum Opfer. "Und dieses Blei kann nur aus Jagdmunition stammen. Andere oftmals benannte Herkunftsorte wurden durch Studien eindeutig widerlegt", so Winfried Nachtigall. Die Vögel nehmen das Blei beim Anfressen der Kadaver von Tieren, die durch bleihaltige Munition getötet wurden, auf. Dies führt in hoher Konzentration zu einem qualvollen Tod. Auf Platz zwei der Todesursachen stehen Kollisionen mit Zügen, erst danach kommt mit Revierkämpfen eine natürliche Ursache ins Spiel.

Wer mit offenen Augen durch die Heide- und Teichlandschaft geht, sollte laut Winfried Nachtigall mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Seeadler zu Gesicht bekommen: "Manchmal treten sie auch in großen Ansammlungen auf. Ich habe einmal 97 Adler an einem einzigen Teich gesehen." Die größte Dichte gibt es im Bereich um Lohsa.

Derzeit beginnen die Adler mit dem Nestbau, der Brutbeginn steht unmittelbar bevor. In dieser Zeit sind die Vögel sehr anfällig für Störungen, sodass Naturfreunde bei ihren Beobachtungsversuchen behutsam vorgehen sollten.