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Tafel
Wenn trotz eines Jobs das Geld nicht reicht

Alle Hände voll zu tun: Mehrere Tafelmitarbeiter sorgen immer Mittwoch- und Freitagmittag für die Ausgabe der Lebensmittel an Bedürftige. ..Foto: Anja Guhlan       ..  ..
Alle Hände voll zu tun: Mehrere Tafelmitarbeiter sorgen immer Mittwoch- und Freitagmittag für die Ausgabe der Lebensmittel an Bedürftige. ..Foto: Anja Guhlan .. .. FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Hoyerswerda. Immer mehr Menschen sind arm. Auch in Hoyerswerda haben deshalb die Mitarbeiter der Tafe alle Hände voll zu tun. Von Anja Guhlan

Seit 15 Jahren kommt Peter Schulz (Name geändert) regelmäßig zur Hoyerswerdaer Tafel in der Neustadt. Am Mittwochmittag verlässt er sie mit drei Beuteln voller Obst, Gemüse, Brot, Wurst und Käse.

„Ich komme fast jede Woche her, um für mich und zwei weitere Personen Lebensmittel zu holen“, berichtet er. Am Anfang sei es ihm noch peinlich gewesen, hier etwas zu holen. Aber inzwischen sei es notwendig. Zwar habe er inzwischen wieder einen Minijob, aber das Geld reiche vorne und hinten nicht.

Auch zwei junge Frauen stehen in der Schlange. Die 24- und die 34-Jährige sind ebenso auf das Angebot der Tafel angewiesen. „Ich arbeite zwar und studiere, aber das Geld reicht trotzdem nicht. Ich bin froh hierherkommen zu können“, sagt eine von ihnen.

Im Durchschnitt nutzen 150 Bedarfsgemeinschaften das Angebot der Tafel an einem Ausgabetage. Das macht in der Woche zwischen bis zu 300. Manchmal sind es einzelne Personen, oft Familien mit mehreren Kindern, sagt Madlen Krenz, die Leiterin der Einrichtung.

Die Zahl der Bedürftigen hält sich zwar seit dem vorigen Jahr in Hoyerswerda stabil, aber generell gilt eine Armutssteigerung. „Viele, vor allem Rentner, scheuen sich noch das Angebot zu nutzen“, sagt Simone Sicksch, die seit 2008 das Projekt der Tafel leitet. Sie ermutigt gemeinsam mit Madlen Krenz gerade die Älteren das Angebot zu nutzen. Jene mit einer geringen Rente hätten oft  einen Anspruch auf das Angebot

Die beiden Frauen versichern, dass die Atmosphäre in der Einrichtung locker und diese auch zum Treffpunkt für Bedürftige geworden sei. Acht Mitarbeiter und weitere zahlreiche Helfer unterstützen die Arbeit der Tafel. Sie sortieren die Lebensmittel, die als Spenden von  Discountern und Supermärkten aus der Stadt kommen, und geben sie an Bedürftige aus. Spendengeld werde für das Gebäude und für spezielle Aktionen zu Weihnachten oder Erntedank ausgegeben“, erklärt Krenz.

Neben der Tafel bietet der Verein Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern in Ostsachsen (vbff) einen Tafelgarten, eine Suppenküche, eine Umweltwerkstatt, eine Kleiderkammer sowie Alltagsbegleiter für Senioren an. „In allen Bereichen gibt es allerhand zu tun“, sagt Krenz. Es sei traurig, dass es solche Angebote in Deutschland überhaupt geben muss. Aber fast jeder zehnte Berufstätige ist laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung armutsgefährdet – trotz regelmäßiger Arbeit. Auch jeder fünfte Jugendliche wächst in Deutschland laut aktuellem Jugendarmut-Monitor mit Armut und der daraus folgenden sozialen Ausgrenzung auf.