| 02:46 Uhr

"Im Moment ist der Datenschutz mein Widersacher"

Angela Donath.
Angela Donath. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragte Angela Donath spricht am Frauentag über ihre Patchworkfamilie und beruflichen Ziele Mandy Decker/mdr1

Frau Donath, sie sind als Frohnatur bekannt. Hilft es dem Arbeitsalltag einer Gleichstellungsbeauftragten, wenn sie ein positives Lebensgefühl mitbringt?
Der Arbeitsalltag als Gleichstellungsbeauftragte ist ja nur ein Teil meiner Arbeit.Den Hauptteil nimmt schon meine Tätigkeit im Büro des Oberbürgermeisters in der Pressestelle ein. Das sehen vor allem auch meine Vorgesetzten so. Schön ist, dass man beide Gebiete gut mischen kann. Hier meine ich die kurzen Wege, wenn jemand Hilfe braucht. Und dann hat man natürlich durch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die Kontakte, die man braucht. Ich muss auch klar abgrenzen: Ich bin keine Sozialarbeiterin, ich weiß aber, wo welche sind, und wer anzurufen ist, wenn es brennt. Gleichstellungsbeauftragte sollen vor allem Lobbyarbeit machen, in Netzwerken arbeiten. Und übrigens nicht nur für Frauen da sein. Und die Frohnatur, die ich sein soll? Schön, wenn es meistens so aussieht.

Haben Sie selbst schon einmal ein Erlebnis gehabt, nach dem Sie einen Ansprechpartner in dieser Funktion gebraucht hätten?
Das habe ich ganz oft, aber im großen Unterschied zu den Bürgern, die bei mir im Rathaus Hilfe suchen, bin ich nicht alleine. Ich habe einen tollen Ehemann, eine - wie ich immer sage - etwas anstrengende aber bunte Patchworkfamilie mit den drei kniehohen Hauptpersonen Johannes, Jakob und Kurtchen um mich rum und wunderbare Freunde. Die meisten Bürger, die heute Hilfe suchen, wollen einfach nur mal reden und gehört werden. Und ich finde immer jemanden.

Was hat eine Gleichstellungsbeauftragte so alles zu tun?
Wie gesagt: Zuhören, Rat geben, Mut machen. Dann sind da die nun schon etablierten Veranstaltungen wie Frauentag, Frauenbrunch und Unternehmerinnentag. Auch beim Girls' Day / Boys' Day bringe ich mich ein und dann liegen mir die Mitglieder vom Bund der Vertriebenen sehr am Herzen. Das sind tolle Leute mit ergreifenden Biografien. Die haben vieles von dem geschaffen, was wir heute haben. Sie kamen hierher und hatten nichts und waren auch nicht geliebt. Da gibt es enge Parallelen zu heute.

Kommen wir zu Hoyerswerda. Was haben Sie hier schon erreicht und wo sind noch Probleme offen?
Oh Gott, Probleme gibt es eine Menge, die werden auch nicht kleiner. Themen wie Altersarmut - vor allem auch bei Frauen - sind überall präsent. Wir bereiten dazu gerade eine Info-Veranstaltung mit dem Behindertenbeirat vor. Aber auch die jungen Frauen haben es heute nicht toll. Wenn sie Arbeit haben UND Kinder, dann haben die meisten auch einen Chef, der oft nicht versteht, dass ab Freitag 16.30 Uhr Familie sein MUSS! Das ist kein Luxus, Kinder brauchen Liebe und Nähe und eben Eltern, die Zeit haben. Das ist aber kein reines kommunales Thema. Da müssen sich die Rahmenbedingungen insgesamt ändern. Und danach sieht es im Moment nicht aus. Was mir übrigens gar nicht liegt, sind solche "kampferprobten" Gleichstellungsbeauftragte, verkniffen und in Jute gewandet. Da hat wohl die "Mutter der Frauenbewegung", Alice Schwarzer, soeben gerade bewiesen, wie ernst man so ein Gekämpfe nehmen darf. Ich bin froh, dass die Hoyerswerdaer mich kennen, dass sie ins Rathaus kommen und dass sie die angebotenen Veranstaltungen, die die Stadt, Vereine wie die Kufa oder auch unsere Wirtschaft immer großzügig unterstützt, so nutzen. Das macht die Welt noch nicht besser, aber für manchen Tag etwas bunter.

Wie lange werden oder können Sie das Amt noch ausüben und was wünschen Sie sich für diese Zeit?
Ich würde das schon noch eine Weile machen, wenn der OB mich lässt. Er beruft die Beauftragten. Ich habe auch noch ein paar Ziele. So würde ich gerne eine Form der Begegnung ins Leben rufen, für alle, die zu Hause Angehörige pflegen. Das ist eine so schwere Lebensphase, ich habe einen Riesenrespekt davor. Die Mutter meines Mannes wurde vor kurzer Zeit vom Berliner Senat ins Kino und zum Kaffee eingeladen, weil sie ihren Mann betreut. Sie war so stolz, da habe ich gedacht, das müssten wir hier auch machen. Im Moment ist dabei mal wieder der Datenschutz mein Widersacher.

Kennen Sie eigentlich auch männliche Gleichstellungsbeauftragte?
Klar, das ist gar nicht selten. Der oder die Gleichstellungsbeauftragte soll helfen, für Frauen und Männer, Junge und Alte, Behinderte und Nichtbehinderte, Migranten und Nicht-Migranten und so weiter annähernd gleiche Bedingungen zu schaffen. Das kann ein Mann auch, er wird sein Augenmerk vielleicht auf anderen Prioritäten setzen. Und das darf er. Gleichstellungsbeauftragte dürfen ohne Weisung handeln.

Wie zeitgemäß finden Sie eigentlich den Weltfrauentag?
Ich denke, es müsste nicht unbedingt ein Frauentag sei. Aber es wichtig, sich die besondere Verantwortung der Frau für die Familie bewusst macht. Sie ist es ja oft, die als Kommunikator und auf viele andere Weisen für den Zusammenhalt sorgt.

Wie werden Sie selbst den Tag verbringen?
In diesem Jahr ist das super. Da haben wir in der Kufa unsere Prohibitionsparty. Die bekommt in den Nachmittagsstunden noch den letzten Schliff. Dann werde ich Flammlachs verkaufen, bis der alle ist und dann endlich das Kleid anziehen, das ich extra gekauft habe und ordentlich feiern.