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| 02:41 Uhr

Im Erzählsalon wird auf Authentizität gesetzt

Erzählsalonnier Christian Völker-Kieschnick beschreibt sich selbst als "geschichtensüchtig". Sein neuer alter Salon-Tisch soll den künftigen Gesprächsrunden noch tiefere Wahrheiten entlocken.
Erzählsalonnier Christian Völker-Kieschnick beschreibt sich selbst als "geschichtensüchtig". Sein neuer alter Salon-Tisch soll den künftigen Gesprächsrunden noch tiefere Wahrheiten entlocken. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Ab sofort wird an jedem letzten Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr in der Kulturfabrik Hoyerswerda wieder salonfähig erzählt. Am 22. Februar erstmalig auch an einem adäquaten Tisch. Mandy Fürst / mft1

Welches Thema der erste Erzählsalon nach seiner Babypause haben müsse, war für Salonnier Christian Völker-Kieschnick ziemlich klar. Er würde von den Gästen wahrscheinlich sowieso nach seiner Tochter gefragt, ist der Hoyerswerdaer sicher. Und natürlich berichtet er gern, wie es war, als die kleine Ida im Dezember das Licht der Welt erblickte. Auch wenn er damit eigentlich die Regeln des Erzählsalon-Konzeptes verletzt.

Denn der Salonnier gibt zwar der Runde ihr Thema vor, hört dann aber selbst vornehmlich den Geschichten zu. Erfahren hat Christian von der Methode in Seminaren der Erfinder des Konzeptes aus dem Hause Rohnstock, die innerhalb des Strukturentwicklungsprojekts "Die Lausitz an einen Tisch" unter anderem im IBA-Studierhaus Lausitzer Seenland Salonnières ausgebildet haben. Die geleiteten Gesprächsrunden sammeln die Erinnerungen von Zeitzeugen ein, um sie später, natürlich mit Genehmigung, für Sammlungen verwenden zu können. Daher werden die Treffen in der Regel aufgezeichnet.

Trotz der Dokumentation darf der Moderator allerdings nicht abschalten. Er ist angehalten einzuschreiten, wenn sich ein Erzähler verzettelt. Daher heißt es für den Salonnier, zwei Stunden lang aufmerksam und konzentriert zu bleiben.

Lernen musste er das Zuhören nicht, sagt Christian. Es läge in seinem Naturell, lieber zuzuhören, als selbst zu erzählen. Zum Auftakt am 22. Februar aber wird er wohl ausnahmsweise selbst demonstrieren, worauf es im Erzählsalon ankommt. Wichtigste Vorgabe ist, das Selbsterlebte strikt von der Nacherzählung Dritter zu trennen. Authentizität ist oberstes Gebot, auch wenn die Bilder in den Farben der Subjektivität leuchten. Wenn genug unterschiedliche Lichter aus verschiedenen Perspektiven einen Sachverhalt erhellen, dann scheint die Wahrheit durch den Regenbogen. "Selbst ein Schnipsel, an den man sich erinnert, kann eine Geschichte werden", weiß Salonnier Christian.

Seine zweitliebste Geschichte ist zurzeit jene von seinem neuen Salontisch. In einem Kleinanzeigenmarkt im Internet hatte er nach einem passenden Exemplar gesucht. Der Tisch sollte seine eigene Geschichte mitbringen, auch wenn nie jemand erfahren wird, welche Leckereien auf ihm serviert wurden und welcher Wein verschüttet. Er sollte mindestens acht Erzählern Platz bieten. Zwölf sollten es maximal sein.

Jeden potenziellen Verkäufer habe er genau unterrichtet, wofür der Tisch gedacht sei, sagt Christian. Eine Frau aus Königsbrück sei daraufhin sehr traurig gewesen. Sie hatte ihr Objekt bereits verkauft.

Der neue alte Tisch peppt das Haus auf, findet der Salonnier, während er das gute Stück im Theaterboden des Bürgerzentrums zur Probe eindeckt. Es sei gar nicht so lange her, da habe man beim Auszug der KuFa aus der Zwischenbelegung genau solches Mobiliar verkauft. Da aber hatte er noch keine Kenntnis vom Konzept des Erzählsalons.

Heute dagegen kennt er sogar schon die Themen der nächsten Gesprächsrunden. Nach dem Auftakt mit "Als ich zum ersten Mal Vater oder Mutter wurde" werden bis Juni die Titel "Geschichten (m)einer Hebamme", "Das größte Abenteuer meines Lebens", "Mein erster Schultag" und "Meine ersten eigenen vier Wände" über den Geschichten stehen, die im Kern etwas mit dem Leben in Hoyerswerda zu verschiedenen Zeiten zu tun haben sollen.