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| 19:15 Uhr

Museumspläne für Hoyerswerdas Bahnhof
Im Bahnhof geht es vorwärts

Frank Hirche zeigt historische Ausstellungsstücke.
Frank Hirche zeigt historische Ausstellungsstücke. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Drei Sattelschlepper mit Zeitzeugnissen zu Flucht und Vertreibung sind schon angerollt. Von Katrin Demczenko

Im alten Hoyerswerdaer Bahnhof geht es voran. Räume werden für die Begegnungs- und Bildungsstätte zu den Themen Flucht, Vertreibung, Gefangenschaft und Integration nach dem Zweiten Weltkrieg flott gemacht. Über diesen Bahnhof waren von 1945 bis 1948 Züge mit vielen deutschstämmigen Flüchtlingen aus Polen, Ost- sowie Südosteuropa ins Durchgangs- und Quarantänelager Elsterhorst, heute der Flugplatz Nardt, gekommen. Das sagt der Mitorganisator und Fürsprecher des Projektes Frank Hirche (MdL/CDU).

Er nutzt dazu seine Kontakte in Dresden und jene, die er als Vorsitzender des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz hat. Der Politiker leitet auch die Stiftung dieses Verbandes „Erinnerung Begegnung Integration - Stiftung der Vertriebenen des Freistaates Sachsen“, die Träger der Hoyerswerdaer Einrichtung ist.

Die Stiftung konnte den in ganz Deutschland befindlichen Fundus der Schlesischen Heimatstuben übernehmen. Das sind Trachten aus allen Regionen, Alltagsgegenstände, die Liegnitzer Amtsblätter aus vergangenen Jahrhunderten bis 1945, alte Landkarten, Zeitzeugenberichte und viele Gemälde, auch jene vom in Hoyerswerda geborenen Maler Hardy Schneider-sato. „Drei Sattelschlepper voll Material sind mittlerweile hier, die im Bahnhof in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden sollen“, so Hirche.

Die polnische Kulturmanagerin Julita Izabela Zaprucka hat das Museumskonzept entworfen, dass besonders Jugendlichen zeigen soll, was der dauerhafte Verlust der Heimat und der schwere Neuanfang in Deutschland für die Menschen damals bedeutet hat. Die Projektgemeinschaft 3D-Scanworld stellt dafür mit Komparsen eine Flucht filmisch nach. Mit einer Virtual-Reality-Brille ist der 360°-Film dann zu erleben, ebenso wie ein 3D-Modell des kompletten Lagers Elsterhorst, erklärte der Landtagsabgeordnete. Die Ausstellung wird unter dem hölzernen Dachstuhl des Bahnhofsgebäudes entstehen, wo Besucher noch heute die einfachen Lebensverhältnisse der Menschen in den 1940er-Jahren nachempfinden können. Dargestellt werden die Flucht, unterschiedliche Wege der Integration in der DDR sowie der BRD und die Haltung der Europäischen Union zu dem aktuellen Thema.

Die Umbauten am Gebäude und das Errichten der Ausstellung kosten etwas über eine Million Euro, die der Freistaat Sachsen aus Fördermitteln, die Stadt Hoyerswerda und private Spender bezahlen.

Davon wird ein behindertengerechter Zugang ins Haus und ein Lift bis in den zweiten Stock unters Dach gebaut. In der ersten Etage werden Raumzuschnitte geändert, um einen Seminarraum für Besuchergruppen zu schaffen. Und im Erdgeschoss wird die ehemalige Mitropa zum modernen Konferenzsaal für etwa 60 Personen umgestaltet. Schon jetzt arbeitet im Gebäude ein Friseur. Eine Gastronomie soll folgen, sagt Frank Hirche. Zu den Öffnungszeiten können Bahnreisende dann wieder wettergeschützt auf den Zug warten. Die Umbauarbeiten im Bahnhofsgebäude werden beginnen, sobald das von der Stadt Hoyerswerda gewünschte Gutachten zu Fledermäusen im Haus erstellt wurde. „Ich habe hier noch keine gesehen“, so Hirche.