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| 09:18 Uhr

Einsteigen in die DDR-Geschichte
Der Ikarus 55 geht in Hoyerswerda jetzt wieder auf Fahrt

 Der Ikarus 55 belebt Hoyerswerdaer Erinnerungen. Der Oldtimer ist die neueste Anschaffung der Verkehrsgesellschaft, die jetzt wieder durch die Lausitz rollen soll.
Der Ikarus 55 belebt Hoyerswerdaer Erinnerungen. Der Oldtimer ist die neueste Anschaffung der Verkehrsgesellschaft, die jetzt wieder durch die Lausitz rollen soll. FOTO: Benjamin Kramer
Hoyerswerda. Das Geschichtsbuch öffnen und einsteigen – das ist  demnächst bei der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda möglich. Ein Traditionsfahrzeug der Marke Ikarus 55, Baujahr 1971, hat das Unternehmen gekauft. Von Kathleen Weser

Der Ikarus 55 prägte das Stadtbild Hoyerswerdas über viele Jahre und weckt intensive Erinnerungen an die große Aufbruchsstimmung der damals rasant wachsenden Stadt. Als Oldtimer für Rundfahrten und Ausflüge ins Lausitzer Seenland soll er den Fahrgästen wieder das Lebensgefühl der 1970er-Jahre vermitteln. Bald soll es möglich werden, den historischen Bus mit Fahrer für Touren zu mieten.

Die Unternehmenswurzeln der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda gehen auf das private Verkehrsunternehmen Mietrach zurück, aus dem 1953 der Kraftverkehr Hoyerswerda mit drei Bussen entstand. Die erste Buslinie verkehrte zwischen Hoyerswerda, Laubusch und Lauta. 1960 verkehrte in Hoyerswerda dann die erste Stadtlinie, „Linie A“, vom Industriegelände, über den Markt, zum Bahnhof und zurück. 1967 erreichte die Fahrzeugflotte mit 167 Bussen und elf Hängern der Marken Robur, Ikarus, Skoda, H6B und DO 56 den höchsten Stand. Dominierend waren die aus Ungarn stammenden Busse der Marke Ikarus.

 Echte Fans von Ikarus-Fahrzeugen: Detlef Gossow (64) und Ronald Lehmann (50) begrüßen sich beim Ikarus-Treffen auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hoyerswerda vor einem Ikarus des Typs 250. Beide tragen alte Busfahrer-Uniformen.
Echte Fans von Ikarus-Fahrzeugen: Detlef Gossow (64) und Ronald Lehmann (50) begrüßen sich beim Ikarus-Treffen auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hoyerswerda vor einem Ikarus des Typs 250. Beide tragen alte Busfahrer-Uniformen. FOTO: Anja Guhlan

Aus Anlass des 25. Jahrestags der Gründung des Unternehmens fand im Sommer des vergangenen Jahres auf dem Betriebshof in Hoyerswerda ein „Tag der offenen Tür“ statt. Diese Veranstaltung wurde vom 5. Ikarustreffen in Deutschland umrahmt. Der großflächige Betriebshof war eine tolle Kulisse für die insgesamt 41 angereisten Ikarus sowie sieben weitere Oldtimer.

Diese Busse bildeten einen repräsentativen Querschnitt der von den Kraftverkehrsbetrieben in der DDR eingesetzten Fahrzeuge. Auf dem für die Gäste eigens eingerichteten historischen Zubringerverkehr waren ausschließlich Ikarus zu erleben. Dies kam bei den Besuchern so gut an, dass für die Fahrten mehrere Oldtimer eingesetzt wurden. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine große Rundfahrt durch Hoyerswerda, die bei Teilnehmern, Mitfahrern und den zahlreichen Zaungästen entlang der Strecke für große Begeisterung sorgte.

 Nostalgie mit Kult-Omnibus: Ob im rundlichen Modell der 300er-Baureihe aus den 1960er-Jahren oder im kastigen Gelenkbus Ikarus 280 – wer zu DDR-Zeiten mit dem Bus unterwegs war, saß meist in einem Ikarus. Die in Ungarn für den Weltmarkt produzierten Fahrzeuge bestimmten einst das Stadtbild auch auf den Straßen in Hoyerswerda.
Nostalgie mit Kult-Omnibus: Ob im rundlichen Modell der 300er-Baureihe aus den 1960er-Jahren oder im kastigen Gelenkbus Ikarus 280 – wer zu DDR-Zeiten mit dem Bus unterwegs war, saß meist in einem Ikarus. Die in Ungarn für den Weltmarkt produzierten Fahrzeuge bestimmten einst das Stadtbild auch auf den Straßen in Hoyerswerda. FOTO: Anja Guhlan

„Dieser Tag der offenen Tür mit etwa 5000 Gästen hat gezeigt, wie stark die Historie unseres Unternehmens im Bewusstsein der Menschen verwurzelt ist“, sagt Rainer Warkus vom Unternehmen. Es waren einerseits die älteren Gäste, die vielfach noch eigene Erfahrungen und Erinnerungen an die Zeit haben, in der sie selbst täglich mit diesen Bussen unterwegs waren. Andererseits aber waren auch jüngere Familien mit Kindern, die diese Zeit nur von Bildern kennen, aber von den historischen Fahrzeugen fasziniert sind, sehr interessiert.

 Ein Besuchermagnet: Historische Omnibusse während eines Ikarus-Treffens 2013 im sächsischen Hartmannsdorf.
Ein Besuchermagnet: Historische Omnibusse während eines Ikarus-Treffens 2013 im sächsischen Hartmannsdorf. FOTO: Rene Junghans