Dagmar Steuer hockt auf dem Rasen vor einem kleinen Obstbaum. Sie tunkt den Pinsel in die Farbe und streicht damit das kleine Stämmchen an. Das Ziel: Wildtiere sollen die kleine Bäume nicht anfressen. Es dauert zwei, drei Minuten – dann wechselt sie den Platz: Der nächste Baum ist dran.

Zum Bäumepflanzen animiert

Die Hoyerswerdaer Yoga-Lehrerin hat in den vergangenen Wochen Eindrucksvolles geschafft. Sie hat eine ganze Stadt animiert, auf diesem Stückchen Erde Bäume zu pflanzen und damit gleich mehrfach Gutes zu tun.

Jetzt kann sie über das große Areal an der Hoyerswerdaer Feldstraße schauen, ganz in der Nähe der Bahnschienen, und sich über einen ersten Erfolg freuen. „Ich habe viele gute Unterstützer“, sagt sie und geht weiter zum nächsten Baum. Einige sind bei allen drei als „Pflanzpartys“ deklarierten Aktionen dabeigewesen. „Die haben dann insgesamt fünf oder sechs Bäume gepflanzt“, sagt sie.

Dagmar Steuer schneidet mit einer Helferin Draht. Der wird zum Wildschutz um die Bäume gespannt.
© Foto: Sascha Klein

„Schuld“ an dieser Aktion hat eigentlich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er hatte anlässlich der Einheitsfeier am 3. Oktober dazu aufgerufen, dass möglichst alle Deutschen zum Feiertag einen Baum für den Klimaschutz pflanzen. Denn nur Bäume könnten Kohlenstoffdixoid aufnehmen und in Sauerstoff umwandeln. Die Aktion hieß „Einheitsbuddeln“. Dagmar Steuer hat von der Idee gehört und sie einfach auf Hoyerswerda heruntergebrochen.

Verhaltener Start

Der Start am 3. Oktober war noch etwas verhalten: „Beim Start waren zwar auch schon viele Leute dabei“, betont sie. „Das waren dann aber die Überzeugten“, sagt sie und lacht. Schließlich haben zwei Wochen später mehr Leute mitgemacht. „Und am Reformationstag waren weit über 100 Leute da. Da war ich richtig geplättet“, sagt sie.

Selbst in diesen Tagen rufen immer noch Leute an und fragen, ob sie noch diesen oder jenen Baum pflanzen können. Dagmar Steuer sagt da nicht nein. Gerade steht ein Mann aus der Altstadt, er wohnt nahe des Neumarkts, wenige Meter von der Initiatorin entfernt und pflanzt noch drei Pflaumenbäumchen.

Auch Hoyerswerdsche Birnen sollen wachsen

Auch ein wenig Lokalkolorit mehr soll der neue Bürgergarten noch bekommen. Wie Dagmar Steuer sagt, lässt sie in Löbau mehrere Bäume der „Grünen Hoyerswerder“ nachziehen, der einzigen Birne, die nach der Stadt benannt ist. Diese Baumschule hat bereits die acht Hoyerswerdschen Birnen angepflanzt, die im Park an der Hoyerswerdaer Südstraße stehen.

Am Eingang zum neuen Bürgergarten steht eine große Tafel. Dort ist die Geschichte der Idee nachzulesen - und die Ideen für die Zukunft. Dagmar Steuer möchte, dass dieses Stückchen Wiese Treffpunkt für Naturliebhaber wird. Ihre Vorstellung: ein Blütenfest zu Ostern, bei dem die Bäume mit Ostereiern geschmückt werden und die Eltern kleine Osternester für Kinder verstecken.

Da die Wiese zwar historisch immer recht feucht gewesen ist, so Dagmar Steuer, aber die Bäume trotzdem regelmäßig bewässert werden müssen, hat sie einen Vorschlag für den Hoyerswerdschen Bürgerhaushalt 2020 gemacht: eine Schlegelpumpe und einen Gartenteich. „Dann könnten diejenigen, die ihren Baum gießen möchten, Wasser von hier nutzen und müssten ihr Wasser nicht von zu Hause mitbringen“, sagt sie. Noch ist allerdings offen, ob die Idee umsetzbar ist.

Befestigter Weg soll angelegt werden

Künftig soll es zudem einen befestigten Weg zum Spazieren geben, eine Yogaplattform sowie Raum für Schulprojekte, Baumschnittseminare und gemeinsame Erntepartys im Spätsommer.

Frank Dudek von der Firma Pasora aus Hoyerswerda sichert die großen Bäume mit Pfählen.
© Foto: Sascha Klein

Was für dies alles nötig ist: eine klare Struktur. Dagmar Steuer hat das Thema angestoßen, das Grundstück bereitgestellt, viele Kontakte geknüpft und Leute animiert, diesen Bürgergarten zu bestücken. Zudem hat sie selbst viele Stunden investiert, um aus der Idee Realität werden zu lassen.

Mit der Zeit will sie sich nun wieder etwas zurückziehen. „Über den Winter werde ich Gespräche führen. Es wäre sinnvoll, das Projekt in einen Verein zu integrieren“, sagt sie. Erste Gespräche mit der RAA und der Kulturfabrik in Hoyerswerda habe es schon gegeben.