| 02:49 Uhr

"Ich will nicht ständig schubsen"

Zwei Experten unter sich: Hans Klecker (l.), Organisator des Tages der Oberlausitz, und Prof. Karlheinz Blaschke, Nestor der sächsischen Geschichtsschreibung.
Zwei Experten unter sich: Hans Klecker (l.), Organisator des Tages der Oberlausitz, und Prof. Karlheinz Blaschke, Nestor der sächsischen Geschichtsschreibung. FOTO: amz1
Am 21. August 1346 haben sich Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Löbau und Lauban zum Oberlausitzer Sechsstädtebund zusammengeschlossen. Der "Tag der Oberlausitz" wird in diesem Jahr zum dritten Mal gefeiert. Wie dieser von den Einheimischen angenommen wird und warum es um Hoyerswerda und Weißwasser relativ wenige Veranstaltungen gibt, erklärt Hauptorganisator Hans Klecker aus Zittau im Interview. amz1

Wie sieht bislang die Resonanz auf den Tag der Oberlausitz in diesem Jahr aus? Sind Sie damit zufrieden?
Bis zum heutigen Tag habe ich 88 Einträge erhalten. Sie sind unter www.hans-klecker.de bzw. www.oberlausitztag.de zu finden. Aus Erfahrung vom ersten und zweiten Tag der Oberlausitz weiß ich, dass sich viele Veranstalter erst in der letzten Woche melden. Ich gehe davon aus, dass auch in diesem Jahr mehr als 100 Aktionen stattfinden. Ich bin also sehr zufrieden. Dazu kommen noch Veranstaltungen, die mir nicht gemeldet werden, zum Beispiel familieninterne Aktivitäten oder Aktionen von Vereinen, die unter sich bleiben wollen.

Was wird es Neues geben?
Es gibt Vereine, Sportgemeinschaften, Einzelpersonen und Kleinunternehmer, die jedes Jahr mitmachen und den Tag der Oberlausitz ausgestalten. Ich habe kaum Einfluss auf die geplanten Veranstaltungen und bin dankbar für alle Aktivitäten für unsere Heimat. Dieses Jahr gibt es besonders viele geführte Fahrradtouren und Wanderungen. Es sind nur drei etwas größere Veranstaltungen, meistens kleine Hof- und Dorffeste. Ich merke auch das größer werdende Interesse für heimatkundliche Projekttage in den Schulen, allerdings erst nach den Tagen der Oberlausitz.

Wie wird der Tag der Oberlausitz von den Einheimischen angenommen?
Die meisten Veranstaltungen finden zwischen Zittau und Bischofswerda sowie auch um Löbau und um Bautzen statt. Ein Heimatfreund in Löbau hat allein mehr als zehn Veranstaltungen angeschoben. Es setzt sich immer mehr im Volksbewusstsein der Einheimischen fest, dass der 21. August ihr Tag ist. Ich hoffe, dass der Tag der Oberlausitz bald zum Selbstläufer wird, ohne dass ich ständig schubsen muss.

Wie stark ist in der Region das Oberlausitz-Gefühl ausgeprägt?
Zumindest im Gebirgsgebiet sowie in und um Bautzen bekennen sich die meisten Menschen zur Oberlausitz. Sachsen, Schlesien oder Lausitz sind zweitrangig. Im Jahr 1927 finden wir noch ein deutliches Beispiel für die Verbundenheit der Görlitzer Einwohnerschaft zu ihrer Heimat. Sie richteten die "Oberlausitzer Festwoche" mit der Kurzbezeichnung "Olaf" aus.

Beteiligen sich auch die Polen am Tag der Oberlausitz?
Leider feiern die Polen östlich der Neiße kaum den Oberlausitztag. Wenn sich ein Deutscher den Hut aufsetzte und polnische Partner fände, dann wäre etwas möglich. So sang im vorigen Jahr ein polnischer Chor die inoffizielle Hymne "Oberlausitz, geliebtes Heimatland" auf Polnisch. In diesem Jahr radelt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Görlitz am 21. August nach Lauban (Lubañ). Ein Heimatfreund organisiert eine Begegnungsreise, die auf die Burg Tzschocha (Czocha) und nach Radmeritz (Radomierzyne) führt.

Leider hören es nicht alle Leute gern, wenn polnische Bürger, die nach dem Jahr 1945 im Ostteil der Oberlausitz geboren sind, zu den Oberlausitzern gezählt werden.

Warum ist der Nordteil der Oberlausitz bei diesen Aktionen bislang unterrepräsentiert?
In allen Teilen der Oberlausitz hält sich die Meinung, die Oberlausitzer wohnen nur im Gebirgsgebiet. Aber die Bewohner des Oberlausitzer Gefildes sowie des Heide- und Teichlandes sorbischer und deutscher Nationalität gehören ebenfalls dazu. Auch die Menschen des Südteils des OSL-Kreises in Brandenburg sind Oberlausitzer.

Alle Landbesitzer zwischen Ruhland und Zittau, zwischen Königsbrück und Lauban, wurden früher vom Landtag in Bautzen vertreten. Einige Aktivitäten gibt es auch im Norden der Oberlausitz, beispielsweise geistliche Abendmusik in den Kirchen Hoyerswerda und Burghammer, ein Familienfest in Weißwasser und Fahrten der Waldeisenbahn Bad Muskau.

Wie und wo verbringen Sie selbst den diesjährigen Tag der Oberlausitz?
Ich nehme mit dem Oberlausitzer Trachtenpflegeverein bereits am 20. August am Festumzug in Ostritz teil. Der Verein gestaltet einen Brautzug, wie er im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts stattgefunden hat.

Darüber hinaus findet am 28. August im Heimatmuseum Eckartsberg bei Zittau eine Buchlesung statt, an der ich mich als Autor von 19Werken beteilige. Da mich viele Veranstalter bitten, mal vorbeizukommen, werde ich in der ganzen Woche auf Tour sein. Wegen der langen Fahrtstrecke kam ich bislang leider nicht bis in den Norden der Oberlausitz.