ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:00 Uhr

„Ich will doch nicht einrosten“

Ruhland.. „Zwischen den Kmehlener Bergen und dem Senftenberger See“ ist Horst Bormann zu Hause. Meist ist der pensionierte Biologie-Lehrer mit dem Fahrrad unterwegs, um Natur und Leben in und um das Elsterstädtchen einzufangen. Per Fotoapparat und mit der Erfahrung von 40 Jahren Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) ausgestattet, kennt er beinahe jeden Pflasterstein. Von Jana Wieduwilt

Beim Spazieren gehen durch Stadt, Dorf und Landschaft kommen Horst Bormann immer die besten Ideen. Eine davon war folgende: Die Dia-Serien, die er schon seit Jahrzehnten privat anfertigte, öffentlich zu machen. „Auch, wenn man pensioniert ist, muss man doch was tun für Körper und Geist“ , entschied der 77-Jährige. So begann er mit den Vorbereitungen zur ersten Präsentation. Ganz genau weiß Horst Bormann nicht, wie viele Dias er bisher schon gemacht hat, aber „über 10 000 sind es ganz sicher“ . Nun sortierte Bormann über viele Wochen zunächst die Motive, um den Vortrag zusammenzustellen. Dem Perfektionisten genügte die einfache Projektion mit der Pause zwischen zwei Bildern nicht. Es musste die Überblendtechnik her. Denn „Pausen zwischen den Fotos unterbrechen die Vorführung“ , und Zuschauer ermüden - das will der braungebrannte Senior auf keinen Fall.
Die richtige Würze bekommt ein Vortrag aber durch Aha-Effekte. Eine andere Perspektive wäre gut, dachte sich Bormann. Nahm die Kamera und stieg ins Flugzeug. Mit dem Ultraleichtflieger ließ sich der Hobby-Fotograf über Dörfer und Städte fliegen, machte Hunderte Luftaufnahmen. " „Auf diese Weise haben wahrscheinlich die Wenigsten ihre Heimat schon einmal gesehen.“ Ein ums andere Mal robbte der Pflanzenliebhaber auf dem Boden, um die heimische Flora im Detail auf das Dia zu bannen.

Gezielte Vergleiche
Gezielt verwendet Bormann Vergleiche zwischen früher und heute. Bewusst dokumentierte er Veränderungen im Stadt- und Dorfbild sowie an der Landschaft. Zum Teil suchte der Hobby-Fotograf lange nach alten Aufnahmen, die er dann abfotografierte und geschickt in die Dia-Präsentation mit einbaute. Der Bormann-Vortrag lebt vor allem durch die unterhaltende Darbietung, die der Botaniker zweifellos liefert. Allerlei Geschichten und Hintergrund-Informationen mit etwas augenzwinkerndem Humor vorgetragen, versprechen Erfolg.
Solchen, dass Bormann über 100 mal schon die Diaprojektoren und die Dias packte und auf Vortragsreise ging. Die Bilder finden nicht nur in Ruhland sondern auch auf den umliegenden Dörfern reges Interesse. Ständig ist der ehemalige Fachberater für Schulgärten am Ball, um neue Themen für Vorträge zu finden.

Botanische Namen üben
Noch etwas verrät der redegewandte Ruhlander. Wenn er mit dem Rad unterwegs ist, übt er die lateinischen Bezeichnungen der Pflanzen am Wegesrand. Und wehe, ihm fällt nicht auf Anhieb die Richtige ein. Dann kann Bormann nicht eher wieder zufrieden sein, bis er sie wieder im Schlaf beherrscht. Wo es gar zu schwer wird, verrät Bormann augenzwinkernd, „mach ich es wie früher meine Schüler, ich bau mir einfach eine Eselsbrücke“ .
Wenn Horst Bormann gerade keine Vorträge zusammenstellt oder auf Motivsuche ist, hegt und pflegt er den Garten am Haus. Und wenn es draußen im Herbst wieder ungemütlicher wird, dann sitzt Bormann über dem Lichttisch und bastelt an einer neuen Dia-Schau.