ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:03 Uhr

Hoyerswerda
„Ich stehe auf der falschen Seite der Bühne ganz gut“

Bernd Zobel hat die komplette Geschichte der Hoyerswerdaer Lausitzhalle – früher Haus der Berg- und Energiearbeiter – miterlebt und ist ein durch und durch bodenständiger Typ.
Bernd Zobel hat die komplette Geschichte der Hoyerswerdaer Lausitzhalle – früher Haus der Berg- und Energiearbeiter – miterlebt und ist ein durch und durch bodenständiger Typ. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Der 63-jährige Bernd Zobel ist dienstältester Mitarbeiter des Lausitzhallen-Personals. Am Jahresende hört er auf. Von Rainer Könen

Einmal stand Bernd Zobel sogar auf der Bühne. Ausgerechnet er, der von sich sagt, „dass ich auf der falschen Seite der Bühne ganz gut stehe“. Vor einigen Jahren war das. Beim Weihnachtsmärchen fiel der Weihnachtsmann aus. Also sprang er für vier Vorstellungen ein. Und bekam zum ersten Mal in seinem Leben einen Eindruck, wie das ist, wenn jemand Lampenfieber hat. „Vor 800 Menschen zu stehen, das war nicht so mein Ding“, erinnert er sich. Damit will er sagen, dass er es nicht sonderlich schätzt, im Rampenlicht zu stehen. Viel lieber sorgt er dafür, dass andere sich im gleißenden Licht der Scheinwerfer wohl fühlen.

Bernd Zobel ist Technischer Leiter in der Lausitzhalle, eine Funktion, die der 63-jährige Hoyerswerdaer dort seit Jahrzehnten ausübt. Er ist mittlerweile der dienstälteste Mitarbeiter. Wenn alles so klappt, wie er sich das vorstellt, wird er Ende des Jahres in den Ruhestand gehen. Genau besehen, geht dann mit ihm auch ein Teil der Geschichte dieses Hauses. Denn er war von Beginn an dabei, schon als 1977 der Grundstein für das damalige Haus der Berg- und Energiearbeiter (HBE) gelegt wurde. Ein Jahr später wurde er als Tontechniker eingestellt.

Bernd Zobel ist in Hoyerswerda aufgewachsen, ging nach der Schule zur Post, wo er eine Lehre als Funksendetechniker begann. Danach zog es ihn zum DDR-Fernsehen, wo er in Berlin-Adlershof in all das eingeführt wurde, was Veranstaltungstechnik ausmacht. Das war etwas, „was ich schon immer machen wollte“, erzählt Zobel.

In Berlin blieb er nicht lange, es zog ihn zurück in die Heimat, nach Hoyerswerda – und er startete seine berufliche Laufbahn in der Lausitzhalle. „Hier konnte ich dann mein Hobby zum Beruf machen“, sagt Zobel. Damals war er noch einer von vielen Mitarbeitern in diesem Haus. Als das HBE 1984 eröffnet wurde, arbeiteten dort rund 120 Angestellte, darunter 44 Techniker. Und heute? Derzeit hat die Lausitzhalle Hoyerswerda, die über die Städtischen Wirtschaftsbetriebe der Stadt gehört, noch 18 Mitarbeiter.

Gab es in all den Jahren nicht auch einmal den Wunsch sich zu verändern? Kopfschütteln. Nein, gar nicht. Bernd Zobel mag seine Arbeit, er freut sich auf jeden Arbeitstag, fühlt sich in der Lausitzhalle wohl. Natürlich habe es auch Phasen, Momente gegeben, wo das nicht so war. Aber das sei ja normal, gehöre zum Leben dazu, so der Technische Leiter, der in der Lausitzhalle „jeden Stein mit Vornamen kennt“, wie er das scherzhaft beschreibt.

Seitdem er in der Lausitzhalle arbeitet, hat er schätzungsweise rund 7000 Veranstaltungen „bühnentechnisch“ begleitet. Er hat in den zurückliegenden Jahrzehnten viele Künstlergenerationen kommen und gehen sehen. Er sagt, dass in der heutigen Zeit der Begriff „Star“ oder „Superstar“ inflationär benutzt wird. Ein Star ist für ihn ein Künstler, der sich über Jahre oben halte, der für seine Kunst hart arbeite, und der nicht, auch das hat Zobel erlebt, vor Auftrittsbeginn eine CD einlege.
Früher war vieles anders. Zu Vorwendezeiten habe die Halle eigene Produktionen auf die Beine gestellt, erzählt Zobel. So etwas sei heute nicht mehr möglich. Seine Stationen in der Lausitzhalle: Tontechniker, Leiter der Beleuchtungsabteilung, Tonabteilungsmeister, Bühnenmeister und Technischer Leiter. Den Job als Bühnenmeister hat er voriges Jahr abgegeben. Ein kleiner Schritt in Richtung Ruhestand. Derzeit arbeitet er seinen Nachfolger für die technische Leitung ein.

Wird ihm die Lausitzhalle fehlen, wenn er dort aufhört? Sicher, aber er werde hin und wieder bei den Kollegen vorbeischauen. Und sonst? „Also Bungee Jumping oder eine Reise nach Australien werde ich sicher nicht machen“, sagt er und lächelt. Nein, Zobel ist ein bodenständiger, heimatverbundener Mensch. Er freut sich auf einen ruhigeren Alltag, darauf, dass er dann Zeit haben wird, sein handwerkliches Geschick auszuleben. Am eigenen Haus.