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Tino Eisbrenner
"Ich musste mir erklären lassen, wo Lauta liegt"

Tino Eisbrenner gibt am Freitag ein Konzert in der Kulturkirche.
Tino Eisbrenner gibt am Freitag ein Konzert in der Kulturkirche. FOTO: privat
Lauta. Der Sänger und Songpoet Tino Eisbrenner wird morgen um 19 Uhr in der Lautaer Kulturkirche auftreten. Im Interview spricht er über das Konzert, seine Musik und sein Solisten-Jubiläum. ahu1

Waren Sie schon mal in Lauta?
Eisbrenner Nein, leider noch nicht. Um ehrlich zu sein, musste ich mir erklären lassen, wo genau Lauta liegt. Jetzt bin ich schlauer. (lacht)

Sie treten in der Kulturkirche auf. Ist das etwas Besonderes für Sie?
Eisbrenner Ich trete viel in Theaterhäusern und Kirchen auf. Die Lautaer Kulturkirche soll eine gute Akustik haben, habe ich mir sagen lassen. Dann ist die Vorfreude doppelt so groß.

Worauf dürfen sich die Besucher in Ihrem Programm "Zeit, die mir bleibt" besonders freuen?
Eisbrenner Auf zwei Stunden Weltreise und eine Reise auch durch die Zeit(en), deren Prägungen ich verarbeite. Ich habe sehr oft durch die Tourneen den berühmten Blick von außen auf unser deutsches Treiben. Gerade komme ich von einer Friedenstour aus Weißrussland. Und da ich gemeinsam mit Alejandro Soto Lacoste aus Chile musiziere, der mich mit Gitarre und Klavier begleitet, erweitert sich der musikalische Horizont noch um das lateinamerikanische Universum."

Ist Ihnen die deutsche Sprache im Liedgut wichtig?
Eisbrenner Deutsch ist meine Muttersprache. In dieser Sprache kann ich mich am besten und intensivsten ausdrücken. Und ich leide, wenn ich Nachrichtensprecher, Moderatoren aber auch Songwriter höre, die unsere Grammatik nicht beherrschen und somit öffentlich Sprache vernichten.

Mit Ihrem Programm "Zeit, die mir bleibt" feiern Sie auch Ihr 30-jähriges Solistendasein. Wie sähe ein Zwischenfazit aus?
Eisbrenner Eigentlich wollte ich nie Solist sein. Daher entschied ich mit 20 Jahren gegen mein Schauspielstudium und für meine Band "Jessica". In den Jahren von 1984 bis 1986 waren wir sehr erfolgreich. Allein "Ich beobachte Dich" wird heute oft zu den 20 größten DDR-Hits gezählt. Unverschuldet brachen uns dann die Band und später das ganze Land weg. So arbeite ich seit 1987 unter solistischer Flagge. Ich lebte mit Indianern, war Moderator auf VOX, Schauspieler, Kulturmanager, Brechtinterpret, Friedensbotschafter, Geliebter, Ehemann, Vater. All das spiegeln meine Songs wieder."

Wollen Sie in den nächsten 30 Jahren auch als Solist unterwegs sein?
Eisbrenner Warum nicht?Als ich mal den Film "Buena Vista Social Club" gesehen habe, dachte ich mir: Großartig, auch mit 90 Jahren noch musikalisch unterwegs zu sein; sich einbringen, einmischen.

Dann wünschen wir viel Erfolg und danken für das Gespräch.
Mit Tino Eisbrenner sprach

Anja Guhlan