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| 15:11 Uhr

Polizei sagt Danke: Kleiner Pepe ist ganz groß
Hund rettet 77-Jähriger in Hoyerswerda das Leben

Hoyerswerdas Polizeirevierleiter Tobias Hilbert hält den zweieinhalbjährigen Pepe auf dem Arm. Der Hund von Christine Kirstein hat am Pfingstmontag eine verschwundene Frau in Hoyerswerda entdeckt.
Hoyerswerdas Polizeirevierleiter Tobias Hilbert hält den zweieinhalbjährigen Pepe auf dem Arm. Der Hund von Christine Kirstein hat am Pfingstmontag eine verschwundene Frau in Hoyerswerda entdeckt. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Der Yorkshire-Dackel-Mix findet vermisste Frau an einer Hoyerswerdaer Gartensparte. Von Sascha Klein

Pepe hat davon zwar keine direkte Ahnung, aber er wittert an diesem Freitagvormittag: Irgendwas ist anders als sonst. Er sitzt mit Frauchen Christine Kirstein im Besprechungsraum der Polizei. Fotoapparate und Filmkameras sind auf ihn gerichtet. Er lässt das stoisch über sich ergehen. „Pepe ist ein ganz Aufgeweckter“, sagt Besitzerin Christine Kirstein. Wenn er einen Ball bekommt, ist er nicht zu halten.

Am Pfingstmontag hat er an der Gartensparte „Energiequelle“ an der Hoyerswerdaer Ackerstraße einen Super-Riecher bewiesen. „Er hat den Abend zuvor immer schon am Zaun gestanden und gebellt. Da haben wir uns aber nichts gedacht“, sagt Christine Kirstein. Denn weder ein Radler, ein Fußgänger noch ein anderer Hund waren zu sehen. Sie konnte sich nicht erklären, weshalb ihr Pepe anschlägt.

Hinter dem Garten ist ein Graben. Der Graben ist mit hohem Gras zugewachsen. Was die 48-Jährige nicht wissen konnte: Im Graben kauert eine vermisste 77-Jährige, die bereits zwei Tage lang gesucht worden war. Wie sie dort hingekommen ist, weiß niemand. Was aber bekannt ist: Rettungshundestaffeln, viele Polizisten und ein Hubschrauber suchen bereits nach der Frau. Sie sind kurz davor aufzugeben. Denn: Es gibt zwar etliche Zeugenhinweise. Aber eine heiße Spur, wo sich die vermisste Rentnerin aufhalten könnte, gibt es nicht. Man weiß nur: Sie soll sehr gut zu Fuß sein, früher Wandertouren unternommen haben. Deshalb kann es sein, dass sie in einem großen Radius unterwegs ist.

Pfingstmontag – und wieder schlägt der kleine Pepe an. Immer und immer wieder. Christine Kirstein will mit ihrem Lebensgefährten gerade frühstücken, geht dann aber doch Pepe nach. Auf dem Weg an dem Graben trifft sie auf ein vorbeispazierendes Paar. Und plötzlich sehen sie sie: Eine Frau steht an einer Messstelle und klammert sich fest. Das Gras ist so hoch, dass sie nur im Stehen zu sehen ist. Christine Kirstein erinnert sich: „Sie wirkte verwirrt und hilflos. Gemeinsam mit dem anderen Paar haben wir ihr geholfen, haben ihr erst einmal etwas zum Trinken gegeben und dann die Polizei gerufen.“

Tobias Hilbert (46), Revierleiter der Polizei in Hoyerswerda, ist ein Stein vom Herzen gefallen, als die Meldung kam, eine alte Frau sei gefunden worden. Schnell ist klar: Das muss die vermisste 77-Jährige sein. Was Polizeihunden, Hubschrauberbesatzungen mit Wärmebildkameras und diversen Streifenbeamten nicht gelungen ist, hat Pepe geschafft. Durch sein Bellen hat er die Frau aufgespürt.

So gibt es am Freitag für ihn von der Polizei ein Dankeschön. Was schenkt man einem Hund? Na klar: Leckerli – am besten mit Hühnchengeschmack. Für Besitzerin Christine Kirstein gibt es Blumen und eine Flasche Wein. Anschließend wird Pepe ausgiebig von allen Anwesenden gestreichelt und geherzt – der kleine, große Held.