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| 02:46 Uhr

Hoywoy blickt nach Hollywood

Hoyerswerda. "And the Oscar goes to": Die Rundschau hat nachgefragt, was Hoyerswerdaer Kino-Experten von der großen Filmnacht halten und welche Hollywood-Streifen in der Zusestadt laufen. Anja Hummel

Gerd Sprecher hat seinen Wecker schon gestellt: Pünktlich um 5.30 Uhr heißt es am Montagmorgen für ihn "aufstehen und ab vor den Fernseher". So wie jedes Jahr, wenn die Oscars in Los Angeles verteilt werden. Obwohl die Preisverleihung des Goldjungen schon viel eher startet, nämlich um 2.30 Uhr deutscher Zeit, ist der frühe Morgen für ihn der perfekte Moment, um einzuschalten. "Dann sind der dritte Kostümbildner und der fünfte Beleuchter durch und es kommen die wirklich interessanten Kategorien", wie Gerd Sprecher findet. Bester Film, bester Hauptdarsteller und beste Regie zum Beispiel. Die ganze Abendveranstaltung verfolgen, das würde der 62-Jährige nicht durchhalten.

17 Jahre hat er das Cinemotion-Kino in Hoyerswerda geleitet, bevor er den Staffelstab vor wenigen Wochen an seinen Nachfolger Tino Züchner übergeben hat. Bei so vielen Jahren "Kinochef-Dasein" gehen die Oscars nicht einfach so an einem vorbei. "Obwohl ich leider gar nicht die Zeit habe, mir all die Filme anzusehen", gesteht er. Denn trotz der Abgabe des Chefpostens ist er immer noch täglich im Kino zugegen, um sich vor allem um die technischen Belange zu kümmern. Den diesjährigen Favoriten "La La Land", ein für sagenhafte 14 Oscars nominiertes Filmmusical, will sich Gerd Sprecher aber unbedingt noch anschauen. Im Cinemotion unterhält der Streifen seit Januar die Hoyerswerdaer Kinogänger.

Karsten Held, Filmboss der Kulturfabrik in Hoyerswerda, hat ihn schon gesehen. "Der Film im Mary-Poppins-Stil lässt ein altes Genre wieder aufleben und regt gleichzeitig zum Nachdenken an", findet er. Es geht um das Streben nach Erfolg und die große Liebe. Neben "La La Land" hat Karsten Held auch den einzigen deutschen Film, der für die Oscars ins Rennen geht, gesehen: das komödiantische Familiendrama "Toni Erdmann". Nominiert ist er als bester fremdsprachiger Film. "Natürlich drücke ich dem Titel die Daumen", sagt der 54-Jährige. Sich dafür aber die ganze Nacht um die Ohren schlagen? "Nein, so verrückt bin ich nicht", sagt Held. "Ich informiere mich am nächsten Morgen, das reicht." Beide Filme, "La La Land" und "Toni Erdmann", laufen auch in der Kufa. Ab März sollen dann die ebenfalls für den Oscar nominierten Filme "Hidden Figures" und "Hell or High Water" gezeigt werden.

Den Star-Auflauf auf dem roten Teppich sieht Karsten Held entspannt. Er gehöre halt dazu. "Aber wirklich wichtig sind die schauspielerische Leistung und die Geschichte, die ein Film erzählt."

Bei den Oscars will Karsten Held, der seit 20 Jahren das Kinoprogramm der Kufa gestaltet, auch auf nicht so populäre Kategorien achten. Kurzfilme und Dokumentationen zum Beispiel. "Die behandeln auch sehr wichtige Themen", sagt er. Sein Plan: die nominierten Kurzfilme im Frühjahr auch in Hoyerswerda zu zeigen. Um dem Publikum eben auch mal etwas anderes anzubieten - und um vielleicht noch etwas mehr Hollywood nach Hoywoy zu bringen.