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| 01:21 Uhr

Hoyerswerdas Volkshochschule jubiliert

Auch in orientalischen Tänzen kann man sich an der Volkshochschule unterrichten lassen.Auch den Umgang mit dem Klöppelsack kann man an der Volkshochschule lernen.
Auch in orientalischen Tänzen kann man sich an der Volkshochschule unterrichten lassen.Auch den Umgang mit dem Klöppelsack kann man an der Volkshochschule lernen. FOTO: Fotos: J. Lindenberger/R. Hofmann
Detlef Heuke zitiert Sir Peter Ustinov: „Die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren sehnen, sind jetzt.” Dennoch muss der Chef der Volkshochschule dieser Tage zwangsläufig immer mal zurückblicken. Die Bildungseinrichtung wird schließlich sechzig Jahre jung. Von Mirko Kolodziej

Basierend auf einem Befehl der Sowjetischen Militäradministration wurde sie 1948 gegründet. Im Angebot waren damals vor allem Kurse zur beruflichen Qualifikation in der Landwirtschaft sowie zur Bewältigung des täglichen Nachkriegs-Lebens.

Das Geburtstagsgeschenk fällt dieses Jahr etwas weniger spektakulär aus als zur Fünfzig-Jahr-Feier vor zehn Jahren. Damals wurde die Partnerschaft zwischen Hoyerswerda und dem finnischen Huittinen besiegelt, die auf einer Kooperation der Volkshochschule mit einer ähnlichen Einrichtung am Flusskreuz von Kokemäki, Loimijoki und Punkalaitumenjoki begründet ist. Heuer ist zum Jubiläum die übliche Vier-Tage-Präsentation im Lausitz-Center auf eine Festwoche ausgedehnt, die am Samstag beginnt. Für den Abend ist an selber Stelle die offizielle Festveranstaltung geplant.

Der Minister debattiert
Am Montag dann beginnt eine Themenwoche, die sich an die Fachbereiche Gesellschaft, Kultur, Gesundheit und Sprachen anlehnt. So wird gleich am Montag gegen 18 Uhr eine Diskussion mit Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk zur Zukunft des Lausitzer Seenlandes die politische Bildungsarbeit plastisch veranschaulichen. Der Tag zuvor knüpft allerdings gleich an die eben zu Ende gegangenen Gesundheitstage an. Schließlich lassen sich in der Volkshochschule zum Beispiel Kurse zu Ernährung, Bewegung oder Tanz buchen. Die schönen Künste werden die Autoren Ralf Günther und Carmen Rohrbach ins Spiel bringen, die beide ihre Bücher vorstellen. Und der Freitag wird, angelehnt an die für Februar geplante Sprach- und Studienreise nach Namibia, Afrika-Tag sein. „Der Zoo wird dabei in einer Parade afrikanische Tiere präsentieren”, verspricht Volkshochschul-Chef Detlef Heuke.
Die ganze Woche über zu sehen sein wird die von Zehnt klässlern des Foucault-Gymnasiums gestaltete Ausstellung „60 Jahre Volkshochschule”. Die Schüler dürften während ihrer Forschungen eine ganze Menge zu entdecken gehabt haben. Überliefert sind zum Beispiel die „Amtlichen Bekanntmachungen mit Anzeigen für den Kreis Hoyerswerda” vom 23. September 1949, in denen die Lehrgänge der damaligen Kreisvolkshochschule veröffentlicht worden sind. Sie passten in zwei Zeitungsspalten, während das Programmheft für das aktuelle Semester ganze 140 Seiten dick ist. „Es geht halt immer etwas auf und ab”, findet Detlef Heuke, der ein weiteres Beispiel dafür parat hat. Als er 1993 die Leitung übernahm, gab es 3500 Unterrichtsstunden. Schon zum Ende desselben Jahrzehnts waren es 14 000.

Facelifting für alte Dame
„Doch die Aufbaujahre der 90er sind vorbei”, sagt Detlef Heuke. Das größte Problem sei derzeit die örtliche Trennung von der neuen Schulmutter, dem Eigenbetrieb Kultur und Bildung. Heuke berichtet etwa von Informationsverlust oder doppelter Arbeit wegen unterschiedlicher Software und fügt an, deshalb freue er sich über den geplanten Umzug in die Lausitzhalle: „Die 60 Jahre alte Dame bekommt ein Facelifting. Wir haben ja auch lange dafür gekämpft.” Es sieht ganz danach aus, als würden in Bälde neue Zeiten anbrechen, von denen man zehn Jahre später sagen kann, es seien die guten alten gewesen.

Hintergrund Die Volkshochschule
Direktoren: Kurt Baller (1948), Werner Sanden (1948 - 1949), Herbert Bomski (1949 bis 1953), Heinz Paulo (1953 - 1978), Heinz Thiede (1978 - 1979 sowie 1990 - 1993), Doktor Herbert Lehmann (1979 - 1990), Bernd Petschke (1993), Detlef Heuke (seit 1993) . Standorte: Gründung in einer der Baracken der damaligen Lessingstr., Wohnhaus in der August-Bebel-Str. (bis 1965), Baracke im Tausend-Mann -Lager (bis 1982), Sitz in der Kopernikus-Str. (Unterricht an den POS 17, 4 und der EOS, 1989 Einzug ins spätere Zuse-Gymnasium, 1991 erstes eigenes Gebäude an der Heinrich-Mann-Str. (bis heute), Lausitzhalle Hoyerswerda (geplant ab 2009)