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Hoyerswerda
Wenn das Museum Baustelle ist

Hoyerswerda: Die Fassade des Schlosses erstrahlt in neuem Glanz.
Hoyerswerda: Die Fassade des Schlosses erstrahlt in neuem Glanz. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Hoyerswerda Wenn Schlosschefin Kerstin Noack durch „ihr Reich“ geht, kommt sie von einer Baustelle in die nächste. Demnächst ist auch ihr Büro dran. Dann muss sie zumindest einen Tag ausziehen. Denn: Auch bei ihr im zweiten Obergeschoss werden die Fenster erneuert. Wie im gesamten Schloss. In der kommenden Woche geht es im Renaissance-Bereich im ersten Obergeschoss los - irgendwann ist dann auch sie dran. Von Sascha Klein

Der Schloss-Besucher hat das Gefühl: An jeder Ecke wird gewerkelt. Wie im 1.OG: Dort, wo im kommenden Jahr die neue Ausstellung „LehrReich“ Besucher über die Entwicklung Hoyerswerdas vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Jetzt-Zeit informieren soll, arbeiten zurzeit die Maler. Dort kann Kerstin Noack zeigen, wie die Schlossräume demnächst fast überall aussehen werden. An der Wand prangt ein sanftes Grau, die RAL-Nummer weiß die Prokuristin der ZooKultur gGmbH fast schon besser als ihre Telefonnummer. „Wir haben uns für diese Farbe im gesamten Schloss entschieden“, so die Schlosschefin. Sie ist schlicht und trotzdem stilvoll – eine Investition in die Zukunft.

Kerstin Noack von der ZooKultur Hoyerswerda zeigt die alten Fenster des Schlosses. Sie sollen jetzt verkauft werden.
Kerstin Noack von der ZooKultur Hoyerswerda zeigt die alten Fenster des Schlosses. Sie sollen jetzt verkauft werden. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Das „LehrReich“ soll ab dem späten Frühjahr 2018 Alltagsleben in der DDR zeigen und bietet dann Multimedia, berührende Zeitzeugengeschichten und jede Menge Informationen zu Hoyerswerda. Im Moment bieten die Räume noch jede Menge Raum für Fantasie. Doch Kerstin Noack sieht die neue Ausstellung schon vor sich. Die Skizzen existieren längst. Der Clou in einem der Räume: Ein historischer Kamin wird hinter einem großen Bild eines Schwarze-Pumpe-Kühlturms verschwinden. In diesem Raum ist das Thema der Aufbau des Kombinats und der Hoyerswerdaer Neustadt. Die Schloss-Verantwortlichen schließen mit diesem „LehrReich“ die Zeitspanne zwischen der Wende 1989 und dem Heute. In der alten Ausstellung hörte Hoyerswerdas Geschichte vor der Wiedervereinigung auf. Jetzt kommen Themen wie der Rückbau und Lausitzer Seenland dazu.

Im ersten OG lässt sich die künftige Wandfarbe der Schlossräume schon erkennen.
Im ersten OG lässt sich die künftige Wandfarbe der Schlossräume schon erkennen. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Die Schloss-Sanierung - innen wie außen - ist das große Projekt der Hoyerswerdaer ZooKultur in diesem Jahr. Sie wird insgesamt 1,2 Millionen Euro kosten, rund 85 Prozent davon werden gefördert, unter anderem über die Mittel des Stadtumbau Ost. Erste Planungen hatte es bereits im Jahr 2015 gegeben.

Links zu sehen: Die neuen Fenster sind nach innen gesetzt worden. Damit sind sie der Witterung nicht mehr so sehr ausgesetzt.
Links zu sehen: Die neuen Fenster sind nach innen gesetzt worden. Damit sind sie der Witterung nicht mehr so sehr ausgesetzt. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Im zweiten Obergeschoss ist geplant, Teile der städtischen Kunstsammlungen auszustellen. Vor der Wende hat die Stadtverwaltung viel Kunst angeschafft. Sie schlummert nun im Archiv. Allein von Ehrenbürgerbürger und Zoo-Gründer Günter Peters sind 1100 Arbeiten vorhanden. Viele der Stücke sind noch nie gezeigt worden. Auch an diesen Part will sich das Stadtmuseum nach der Sanierung machen.

Im Archiv des Stadtmuseums finden sich auch alle RUNDSCHAU-Ausgaben.
Im Archiv des Stadtmuseums finden sich auch alle RUNDSCHAU-Ausgaben. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Jedoch sollen die Werke der städtischen Kunstsammlungen nur temporär zu sehen sein. Zwischen 2020 und 2022 ist geplant, aus dem 2.OG das „RuhmReich“ zu machen. Dann wollen die Schlossverantwortlichen darstellen, was unter der sächsischen Herrschaft in Hoyerswerda – nicht allein bei Gräfin Teschen – passiert ist. Eine Mitarbeiterin des Schlosses schreibt zu diesem Thema gerade ihre Doktorarbeit.

Während das „RuhmReich“ noch Zukunftsmusik ist, sind die alten Fensterflügel des Schlosses sehr real. Sie will Kerstin Noack zu Geld machen. Denn: Zum Wegschmeißen sind sie viel zu schade. Außerdem will die ZooKultur die Einnahmen daraus für weitere Projekte nutzen. Ein Flügel gibt es ab 20 bis 25 Euro. Wer Interesse hat, kann sich melden. Zurzeit stehen sowieso diverse Lastwagen auf dem Schlossgelände – da fällt der eine oder andere Transporter auch nicht mehr auf.