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Hoyerswerda
Ein Bild für obdachlose Kinder

Grit Maroske aus Hoyerswerda möchte dieses Bild versteigern. Der Erlös geht an einen Verein, der obdachlosen Kindern hilft.
Grit Maroske aus Hoyerswerda möchte dieses Bild versteigern. Der Erlös geht an einen Verein, der obdachlosen Kindern hilft. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Die Hoyerswerdaerin Grit Maroske hat das Malen nach vielen Jahren Pause wieder für sich entdeckt. Ein ganz spezielles Bild will sie jetzt versteigern.

Grit Maroske kann vieles gut in Worte fassen. Bei einigen Themen setzt sie aber lieber auf das Nonverbale. Also malt sie die Emotionen auf Leinwand, die ihr irgendwie schwer über die Lippen gehen. Viele Bilder haben einen ernsten Hintergrund, auch dieses eine ganz besondere. Darauf zu sehen ist ein in sich kauerndes Mädchen - klein, hilflos, schutzbedürftig. In das Bild hinein reckt sich eine Hand. Der Betrachter fragt sich: Was hat diese Hand vor? Will sie das Mädchen beschützen oder ist die Geste eher bedrohlich? Es soll eine Schutzgeste sein, als ob die Hand das Kind bald steicheln wird.

Hintergrund des Bildes: Die Hoyerswerdaerin hatte einen Fernsehbeitrag über obdachlose Kinder in Mitteldeutschland gesehen und war inspiriert. Doch sie malt dieses Bild nicht nur deshalb, um ihre Emotionen zu verarbeiten. Dieses Bild mit der Hand, dem Mädchen und dem bedrohlich schwarz-blauen Hintergrund soll helfen. Es soll eben diesen Kindern und Jugendlichen helfen, die zurzeit - aus welchen Gründen auch immer - auf der Straße leben. „Ich will dieses Bild versteigern“, sagt die 48-Jährige. Der Erlös soll zu 50 Prozent dem Verein „Straßenkinder e.V.“ zukommen. Auch dafür hat sie eine Facebook-Seite eingerichtet, die unter „Soul for sale“ - zu deutsch „Gefühl zu verkaufen“ zu finden ist. Wieso sie das macht? Weil es ihr wichtig ist. Grit Maroske ist eine Frau, die viele Probleme sieht, benennt und Wege sucht, um helfen zu können.

Schon einmal hat eine Versteigerungs-Aktion überraschend gut geklappt: Als der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in der Türkei inhaftiert worden ist, hat sie ein Porträt von ihm gemalt und zugunsten der Initiative „Free Deniz“ („Befreit Deniz“) versteigert. Leser-Kommentatoren der Zeitung „Die Welt“ haben es ersteigert und der Redaktion geschenkt. Jetzt hängt das Bild aus Hoyerswerda bei den Zeitungsmachern in Berlin, für die der 44-jährige Yücel arbeitet.

Das Malen ist Grit Maroske Anfang dieses Jahres nach vielen Jahren irgendwie wieder in den Schoß gefallen. Es begann mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk für ihren Mann - ein selbst gemaltes Bild. Dann wollte ihre Tochter mit ihr malen: „Also haben wir uns alle möglichen Materialien besorgt und einfach angefangen“, sagt Grit Maroske. Die Tochter malt vor, die Mutter nach. Anschließend wird verglichen. Während die Tochter Spaß am Malen hat, entdeckt die Mutter eine längst verschüttet geglaubte Leidenschaft. Denn: In grauer Vorzeit war die 48-Jährige fest entschlossen, Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung zu werden. „Ich wollte das lange Jahre werden und hatte in der zehnten Klasse meinen Studienplatz auch schon fast sicher“, sagt die Hoyerswerdaerin rückblickend. Aber nur fast: „Dann kam die Vorwendezeit und ich bekam Kontakt zur jungen Gemeinde im King-Haus. Plötzlich war ich politisch nicht mehr zuverlässig und weg war der Studienplatz.“

Anschließend hat sie in der Landwirtschaft gelernt, zehn Jahre lang mit ihrem Lebensgefährten eine Werbeagentur in Hoyerswerda betrieben. „Ich bin immer noch stolz, wenn ich an der Apotheke am Klinikum vorbeikomme. Das Logo stammt von mir“, sagt sie und lacht. „Da konnte ich meine kreative Ader ausleben.“ Einen Pinsel hat sie seit der Schulzeit aber nie mehr in der Hand gehabt - bis zu diesem Jahr.

Heute verarbeitet Grit Maroske viele Emotionen in Bildern. „Ich habe etwas gebraucht, was ohne Worte auskommt“, sagt sie. Denn parallel schreibt sie ein Buch - ebenfalls mit vielen Emotionen. Außerdem sei malen irgendwie friedlich, betont sie. „Mit Bildern kann man ohne Worte Gefühle ansprechen - also direkt ins Herz.“ Ob das jetzt immer technisch stimmig ist, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Grit Maroske bietet auf ihrer Facebook-Seite „Soul for sale“ auch Bilder zum Kauf an. „Reich werden kann man damit nicht“, sagt sie. „Ich zumindest nicht. Aber darum geht es mir auch nicht.“ Ein Bild steht im Moment ganz im Fokus: das schwarze mit dem kauernden Mädchen und der sich behutsam nähernden Hand. „Das aktuelle Gebot steht bei 150 Euro“, sagt sie. „Bis zum 22.Oktober ist es noch möglich, dafür mitzusteigern.“ Die Hoyerswerdaerin hofft, möglichst viel Geld damit zu erzielen. Denn: Straßenkinder, auch im Osten Deutschlands, können für sie jede Hilfe gebrauchen.