ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:46 Uhr

Schülerbusiness
Mit Acht-Stunden-Paket zum Erfolg

Die Schülerfirma „Help4U“ vom Foucault-Gymnasium hat mit ihrem Businessplan den Sonderpreis des Lausitzer Existenzgründerwettbewerbs LEX abgeräumt.
Die Schülerfirma „Help4U“ vom Foucault-Gymnasium hat mit ihrem Businessplan den Sonderpreis des Lausitzer Existenzgründerwettbewerbs LEX abgeräumt. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Die Schülerfirma „Help4U“ vom Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gynnasium gewinnt einen Lausitzer Wirtschaftspreis. Von Anja Hummel

Mit ihren 17 Jahren ist sie vermutlich die jüngste Geschäftsführerin der Stadt. Marija Skvoznikova hat drei Angestellte und einen Berater. Der Firmenname: „Help4U“. Das Geschäft: eine Nachhilfevermittlung.

Mit dem Unternehmensmodell hat das Team nun einen ganz besonderen Preis gewonnen. Nicht der einzige Grund, warum das Business etwas ziemlich außergewöhnliches ist – und zwar für die gesamte Lausitz. Bei „Help4U“ (dt. „Hilfe für dich“) handelt es sich um eine Schülerfirma von Abiturienten des Léon-Foucault-Gymnasiums Hoyerswerda.

Das insgesamt fünfköpfige Team verdient sein Geld mit „Acht-Stunden-Paketen“. Denn seine Klienten sind leistungsschwache Schüler des Foucault-Gymnasiums. „Help4U“ kümmert sich darum, dass die Leistungen besser werden. Wie? „Wir vermitteln Nachhilfeunterricht an Schüler von Schülern“, erklärt Marija Skvoznikova.

Ein Unterrichtspaket besteht aus acht Stunden à 45 Minuten. Mathe, Englisch und Russisch sind am meisten nachgefragt. Und so funktioniert es: Schüler oder Eltern geben eine schriftliche Anmeldung ab, die Schülerfirma sucht daraufhin nach passenden Nachhilfelehrern an der Schule. „Wir stellen dann den Kontakt her“, sagt Marija, die selbst hin und wieder in Mathe und Russisch einspringt.

Zu den Aufgaben der jungen Firma gehört neben der Lehrersuche die Verwaltung der Anträge und Finanzen. Die Zehntklässlerin Alanis Stewart ist im Schülerunternehmen unter anderem für die Ordnung in den Ordnern zuständig. Warum das Modell besser ist als herkömmlicher Nachhilfeunterricht: „Weil Schüler den Unterrichtsstoff einfach anders erklären als Lehrer“, findet die 16-Jährige. Die Barriere sei einfach nicht so groß, das Wissen wird altersgemäß beigebracht. „Und“, ergänzt Marija Skvoznikova, „das Angebot ist relativ preiswert“. Eine Stunde Einzelunterricht kostet sechs Euro. 50 Prozent davon erhält der unterrichtende Schüler, die andere Hälfte wandert auf das Firmenkonto. Verbindliche Verträge und Stundenabrechnung gehören zum Business.

Der beratende Partner an ihrer Seite ist Gerald Jonack. Der Geschichts- und Geografielehrer steht den Abiturienten in allen Fragen zur Seite. „Die Schüler lernen wie Wirtschaft funktioniert“, sagt er begeistert, spricht von unterschiedlichen Auftragsbereichen und Verantwortung.

In diesem Jahr hat sich die Hoyerswerdaer Schülerfirma am Existenzgründerwettbewerb der Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) um den Sonderpreis beworben – und prompt gewonnen. „Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet“, ist Chefin Marija immer noch ein wenig baff. In den Sommerferien hat die 17-Jährige den sieben Seiten langen Businessplan geschrieben und bei der Wirtschaftsinitiative eingereicht. Zielgruppe, Konkurrenz und Standortanalyse spielen darin genauso eine Rolle wie Marketing und Erlösstruktur. Ihr Vorteil gegenüber der Konkurrenz: „Unser Business steht nicht nur auf dem Papier, es läuft schon seit ein paar Jahren“, so Marija, die gleichzeitig als Vorsitzende des Jugendstatdrates Hoyerswerda aktiv ist. Das Konzept sei einfach gut, die Schüler benutzen es und „das führt zum Erfolg. Außerdem unterstützen wir mit den Einnahmen soziale Projekte“, erzählt die Gymnasiastin.

Gegründet wurde die Firma allerdings schon weit vor ihrer Zeit im Jahr 2008. Die Idee kam von Schulleiter Uwe Blazejczyk. 2500 Euro hat der Businessplan nun als Prämie von der Wirtschaftsinitiative abgesahnt. Ziel der Auslobung: schulpädagogische und betriebswirtschaftliche Themen sollen miteinander verbunden werden, so WiL-Chef Michael Schulz. Insgesamt 14 Businesspläne wurden von Schulen aus der Lausitz eingereicht und von den Juroren bewertet. „Die Lausitz braucht unternehmerische Initiativen. Wir waren überrascht von der insgesamt hohen Qualität der Businesspläne der jungen Unternehmer“, sagt Schulz.

Aktuell läuft es eher ein wenig schleppend, gestehen die Jungunternehmer. „Viele melden sich dann Ende des Schuljahres bei uns, wenn die Noten schon fast feststehen“, verrät Marija Skvoznikova, die genau weiß, wie die Kundschaft tickt. Sie schmunzelt. Im vergangenen Schuljahr hat „Help4U“ 16 Schüler betreut. Die meisten von ihnen waren Jungen. Und ganz reibungslos läuft es dann doch nicht immer ab, verrät Mitarbeiterin Alanis. „Die Schüler wollen manchmal gar keine Nachhilfe und die Eltern schließen den Vertrag ab.“ Das bedeutet: Nicht immer erscheint der Kunde zum vereinbarten Termin. „Dann müssen wir schon mal nachhaken“, sagt die Schülerin, die seit einem dreiviertel Jahr Teil des Firmenteams ist.

Auch am Schwarzheider Emil-Fischer-Gymnasium gibt es eine Schülerfirma. Die ist direkt nach „Help4U“ auf dem zweiten Platz gelandet. Ihr Konzept beinhaltet Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft: Die Schülerfirma nimmt kleine Aufträge von regionalen Firmen entgegen, welche wiederum an Schüler des Gymnasiums vermittelt werden. Die Firmenaufträge umfassen dabei vor allem Dienstleistungen in den Naturwissenschaften, der Mathematik, der Informatik, aber auch in der Kunst- und Kreativarbeit, erklärt es die Wirtschaftsinitiative Lausitz, die für Platz zwei eine Prämie über 1000 Euro ausgelobt hat.

Marija, Alanis und die anderen Mitarbeiter bleiben bei ihrem Acht-Stunden-Erfolgspaket. Zumindest solange sie noch auf der Schule sind. „Es kann schon sein, dass ich mal eine eigene Firma gründe“, nickt Marija Skvoznikova mit dem Kopf. Alanis ist da „eher der soziale Typ“, wie sie selber sagt. Vielleicht arbeitet sie später mal als Lehrerin.