ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:27 Uhr

Hoyerswerdaer schon zu Lebzeiten Legende

Eine lange Jahre typische Szene am PushCart an der Kreuzung 54th St./9th Av. (54. Straße/9. Avenue) in New York: Rolf Babiel (1996, im schwarzen Hemd) verkauft deutsches Fastfood, und die (Stamm)Kunden sind schon voller freudiger Erwartung ob des Wurstgenusses. Foto: Uwe Jordan
Eine lange Jahre typische Szene am PushCart an der Kreuzung 54th St./9th Av. (54. Straße/9. Avenue) in New York: Rolf Babiel (1996, im schwarzen Hemd) verkauft deutsches Fastfood, und die (Stamm)Kunden sind schon voller freudiger Erwartung ob des Wurstgenusses. Foto: Uwe Jordan FOTO: Uwe Jordan
Hoyerswerda. Wer ist ein Held? Viele der aktenkundigen Helden haben es einfach nur verstanden, Bismarks ,,Mantel Gottes'' (oder der Geschichte) zu ergreifen, der ihnen einmal eine Stunde lang entgegen wehte, Aber gehört nicht viel mehr Mut, mithin Heldentum dazu, sein ganzes Leben im Außergewöhnlichen zu führen? So ein Held war Rolf Babiel aus Hoyerswerda. Von Uwe Jordan

Geboren am 24. Juni 1952 als eines von zehn Kindern, ist ihm die DDR schon früh zu eng. Er will raus. Da er sich nichts zuschulden kommen lässt, nicht politisch, nicht gesellschaftlich, weiß der Staat nichts mit ihm anzufangen. 1975 darf er nach Westberlin ausreisen. 1981 wagt er den Sprung in die USA. Er lebt den amerikanischen Traum - mit Würstchen! Er bringt als Erster deutsches Fastfood so nach New York: Steht jeden Tag, außer Sonntag, zwölf Stunden am PushCart (Verkaufsstand). Legt sich mit Bürgermeister Rudy Giuliani an. Überlebt ein Messer-Attentat. Baut Restaurants auf. Gewinnt 2005 den Vendy-Preis für das beste Straßen-Fast-Food New Yorks, setzt sich da gegen gut 10 000 Mitbewerber durch. Ist ein Medienstar - nicht nur, aber auch in deutschen Blättern. Zu seinen Kunden zählen alle deutschen Politiker auf New-York-Besuch und Stars wie Paul McCartney. Ruhe gönnt er sich fast nie - nur einmal im Jahr einen Hoyerswerda-Urlaub. Dabei laufen wir uns, wie es der Zufall will, immer wieder über den Weg; immer wieder wird eine neue hübsche Geschichte über den wohl berühmtesten echten Hoyerswerdaer daraus. Babiel war ein, wiewohl humoriger, so doch nüchterner Mann, der es vielleicht gerade darum verstand, seinen Traum zu leben; etwas, was die wenigsten wagen und was noch wenigeren gelingt.Einen neuen Traum hat er noch gehegt: ,,Peter (sein Sohn) wird mal President of the USA.'' Man kann darüber lächeln. So, wie 1974 jeder gelächelt hätte, dem man prophezeit hätte, Babiel werde einmal der ,,Würstchenkönig'' von New York. Warum soll also Peter nicht US-Präsident werden? Das richtige Gen dazu hat er. Das Babiel-Gen. Am 21. Oktober starb Rolf Babiel. Das tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie.