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| 19:10 Uhr

Hoyerswerda
Hoyerswerdaer Kita vor der Schließung

Die Kita „Sonnenblume“ im WK II, betrieben durch das Trägerwerk Soziale Dienste (TWSD), soll geschlossen werden. Sie ist die einzige Einrichtung im WK I und im kinderreichen WK II, müsste aber komplett saniert werden.
Die Kita „Sonnenblume“ im WK II, betrieben durch das Trägerwerk Soziale Dienste (TWSD), soll geschlossen werden. Sie ist die einzige Einrichtung im WK I und im kinderreichen WK II, müsste aber komplett saniert werden. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Der Stadtrat setzt in Sachen Kita-Konzept jetzt erste Schwerpunkte. Die Kita-Landschaft wird kleiner, einige Häuser müssen saniert, eines neu gebaut werden. Von Sascha Klein

Der Hoyerswerdaer Stadtrat will am Dienstag in Sachen Kita-Konzept Nägel mit Köpfen machen. Seit dem vergangenen Jahr – seitdem die Kita-Hort-Standortanalyse öffentlich geworden ist – ist klar, dass mindestens eine Einrichtung in der Stadt geschlossen werden soll. Die Analyse hatte dabei aufgrund der Zahlen die Empfehlung gemacht, eine der großen Kitas im WK VIII zu schließen. Jetzt wird es voraussichtlich anders kommen.

Schließungskandidat ist jetzt die Kita „Sonnenblume“ im WK II. Es ist seitens der Stadtverwaltung Hoyerswerda angedacht, die Einrichtung zum Schuljahresende 2018/19 oder zum nächstmöglichen Termin zu schließen. So sagt es die Beschlussvorlage des Stadtrates, die am Dienstag verabschiedet werden soll. Zurzeit hat diese Kita, deren Betreiber das Trägerwerk Soziale Dienste ist, nach Angaben der Stadtverwaltung eine Kapazität für 80 Kindern. Zum Stand April 2018 waren dort 67 Kinder angemeldet, davon 15 in der Krippe, 37 in der Kita und 15 im Hort. Das bedeutet eine Auslastung von 83,8 Prozent. Insgesamt verfügt Hoyerswerda über ein Überangebot von knapp 200 Plätzen.

Finanzielle Einsparungen kann die Stadtverwaltung Hoyerswerda vor allem an den Betriebskosten erzielen. Spürbare Beträge seien der städtische Eigenanteil bei Sanierungskosten, Personalkosten der Hausmeister und Gebäudeerhaltungskosten. Wie viel Geld tatsächlich durch eine Schließung der gesamten Kita eingespart werden kann, sei jedoch noch nicht bekannt. Dies würde erst in den Haushaltsplanungen für 2019 und die folgenden Jahre klar werden, heißt es aus dem Rathaus.

Die Kita-Hort-Analyse hatte noch vier andere Kitas im Blick, deren Schließung diskutiert worden ist. Dabei handelt es sich um die Krabat-Kita in Schwarzkollm, die Kita „Max und Moritz“ im WK VIII, die Kita „Pusteblume“ im WK VIII und das Kinderhaus „Am Zoo“ in der Altstadt. Sie bleiben nun entweder erhalten oder werden saniert.

In Schwarzkollm ist sogar ein Neubau geplant. Da die vorhandene Kita mittelfristig nicht mehr in ihrem vorhandenen Gebäude bleiben und dort weder an- noch ausgebaut werden kann, soll im Dorf eine ganz neue Kindertagesstätte entstehen. Ein Grundstück ist bereits im Visier. Die Baukosten werden derzeit von der Stadtverwaltung auf 1,1 Millionen Euro geschätzt. Womöglich werden drei Viertel der Bausumme über das Förderprogramm „Vitale Dorfkerne“ gefördert, so die Stadtverwaltung Hoyerswerda. Träger AWO sei bereit, zehn Prozent der Bausumme zu übernehmen. Bliebe für die Stadt Hoyerswerda ein Anteil von 15 Prozent. Das hieße: Im besten Fall muss die Verwaltung 165 000 Euro beisteuern und bekommt einen neuen Kindergarten.

Bei anderen Kitas in Hoyerswerda stehen in den nächsten Jahren zum Teil recht intensive Arbeiten an. In der Kita „Am Elsterbogen“ muss die komplette Elektroanlage erneuert werden. Geplanter Kostenpunkt: etwa 320 000 Euro. Die Stadt hofft auf Fördermittel und einen Eigenanteil von etwa 160 000 Euro. Damit wären der Weiterbetrieb und die Plätze in der Altstadt gesichert.

Noch höhere Kosten entstünden beim „Kinderhaus Am Zoo“. Das hat die Analyse bereits bescheinigt. Dort müssen die gesamte Haustechnik, Fußbodenbeläge und Türen erneuert werden. Kostenpunkt: etwa 660 000 Euro. Da die Kita im Stadtumbaugebiet liegt, wäre eine größere Förderung möglich. Die Stadtverwaltung rechnet mit einem Eigenanteil in Höhe von 330 000 Euro. Allerdings: Da es zunächst keine Auflagen von Jugendamt, Bauaufsicht und Brandschutz gibt, soll der Betrieb vorerst ohne Sanierung weitergehen.

Mit dem Umzug der heutigen Grundschule „Am Adler“ in den Standort der heutigen Oberschule „Am Stadtrand“ im Jahr 2020 muss auch der Hort „Am Adler“ fertiggestellt werden. Die Kosten belaufen sich nach Schätzungen der Stadtverwaltung auf anteilig 300 000 Euro. Wie hoch eine mögliche Förderung ist, ist derzeit noch unklar.

Auch die Kita „Waldsee“ in Bröthen/Michalken hat einen gewissen Sanierungsaufwand. Dort seien die energetische Sanierung und Bedachung beantragt. Kostenpunkt: 183 000 Euro. Durch eine Leader-Förderung und den Eigenanteil des Trägers bleibt ein städtischer Eigenanteil von 18 300 Euro, heißt es.

Jedoch wären mit dieser Schließungsentscheidung zu Ungunsten der Kita „Sonnenblume“ im WK II noch nicht alle Diskussionen um den Abbau von Kita-Plätzen in Hoyerswerda vom Tisch. Denn dann gäbe es immer noch etwa 120 Plätze zu viel. Dazu kommt: In der Nachbarschaft wird gebaut. In Wittichenau entsteht ein Kindergarten-Neubau, der nach Hoyerswerdaer Angaben zusätzliche 70 Plätze schafft. Im ersten Quartal 2018 sind etwa 50 Kinder aus Wittichenau in Hoyerswerda betreut worden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass diese Zahl sinken wird, wenn die Wittichenauer Einrichtung fertig ist. Das heißt: Weitere Kita-Plätze in Hoyerswerda bleiben ungenutzt. Es „ist derzeit davon auszugehen, dass weitere Optimierungen in der Kitalandschaft in Hoyerswerda notwendig werden müssen, um das vorhandene Platzangebot zu senken“, heißt es in den Ausarbeitungen der Verwaltung. Das bedeutet: Womöglich muss in naher Zukunft ein weiterer Kindergarten seine Türen schließen.