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| 20:50 Uhr

Filme aus den Jahren des Aufbaus
Eine Filmreise zurück in die Zukunft der Neustadt

 Peter Biernath und Gerhard Walter schauen mit interessierten Bürgern von Hoyerswerda zurück auf den Aufbau der Neustadt.
Peter Biernath und Gerhard Walter schauen mit interessierten Bürgern von Hoyerswerda zurück auf den Aufbau der Neustadt. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Hoyerswerdaer haben alte Videoaufnahmen aus den Aufbau-Jahren wieder zugänglich gemacht. Von Katrin Demczenko

Eine Filmreise in die Geschichte der Neustadt von Hoyerswerda am Kulturschalter im Schalterraum der alten Post ist ein besonderes Erlebnis des frisch eröffneten Boulevards Altstadt. Filme, die der ehemalige Stadtarchitekt und Denkmalpfleger Peter Biernath aufgenommen hat, sind von Kameramann Dirk Lienig von der KulturFabrik Hoyerswerda bearbeitet worden. Ein Fundus ist dadurch wieder erschlossen.

In den 1960er-Jahren war der Aufbau von Hoyerswerda in vollem Gang. Im Wohnkomplex 1 schufen sich zugezogene junge Familien Grünanlagen vor ihren Häusern, und Doppelstockbusse fuhren die Menschen zur Arbeit ins Gaskombinat Schwarze Pumpe. Jemand hatte 1968 den 1. Spatenstich für das Centrum-Warenhaus gefilmt, das heute zum Lausitz-Center gehört. Bürger bauten in ihrer Freizeit den Zoo mit auf, um dort ihre Sonntagnachmittage verbringen zu können. Im ersten Betonwerk der DDR in Zeißig wurden von 1957 bis 1990 Platten zum Aufbau der zehn Neustadt-Wohnkomplexe hergestellt. Das belegen die Filmaufnahmen.

Mit dem politischen Ende der DDR und der folgenden Stilllegung des Gaskombinates begann der Wegzug vieler Bürger aus der damals noch 70 000 Einwohner zählenden Stadt.

Dorit Baumeister hat Aufbau und Rückbau der Neustadt miterlebt. An Projekten des staatlich geförderten Programmes Stadtumbau Ost, das Anfang der 2000er-Jahre begonnen hatte, war sie als Architektin beteiligt und organisierte in dieser Zeit auch das Kunstprojekt Superumbau. Hier wurden erstmals Hoyerswerdaer Bürger in das Nachdenken zur Umgestaltung ihrer schrumpfenden Stadt einbezogen, was auch in Form mehrerer, damals gedrehter Dokumentarfilme geschah.

Eine Bürgerin sagte darin, das Hoyerswerda die Grundbedürfnisse der Menschen nach Wohnen und Schlafen erfüllt hat, aber mehr auch nicht. Der Architekt Klaus Richter, der die Stadt mit aufgebaut hatte, sprach davon, dass die Menschen ihre Stadt schweren Herzens abreißen müssen. Jetzt sei sie endlich grün und lebenswert, aber die Einwohner fehlen. Dorit Baumeister lobte jene Menschen, die hier trotz aller Widerstände selbstbeauftragt handeln.

Diesem ersten, deutschlandweit beachteten Projekt Superumbau folgten bis heute unter anderem KuFa-Projekte wie „Die dritte Stadt“, Dirk Lienigs „Eine Stadt tanzt“ und Gespräche im Kunstverein mit Hoyerswerdaer Entscheidungsträgern. In Bürgerwerkstätten und dem ersten Bürgerhaushalt werden nun Menschen selbst gefragt, wie sie ihre Stadt gestalten wollen.

Und Peter Biernath weist darauf hin, dass das bis jetzt nur für die Altstadt tätige Citymanagement auch die Neustadt Hoyerswerdas in die Betrachtungen einbeziehen müsse.