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Hoyerswerdaer Badesaison kann starten

Planschen ausdrücklich erlaubt: Vor allem das klare Wasser wird von den Badegästen gelobt. Andere Bürger kritisieren den Schilfbewuchs im Uferbereich, der an einem "ordentlichen" Strandabschnitt nichts zu suchen hätte.
Planschen ausdrücklich erlaubt: Vor allem das klare Wasser wird von den Badegästen gelobt. Andere Bürger kritisieren den Schilfbewuchs im Uferbereich, der an einem "ordentlichen" Strandabschnitt nichts zu suchen hätte. FOTO: Anja Hummel
Hoyerswerda. 28 Grad, hier und da ein Wölkchen am Himmel. Lauer Wind, keine Regengefahr. Am Westufer des Scheibe-Sees darf ab sofort offiziell ins Wasser gesprungen werden. Harsche Kritik gibt es dennoch. Anja Hummel

Perfektes Klima für einen Badeausflug. Das dachte sich auch Nicole Zimmermann, die sich am Donnerstagnachmittag kurzerhand mit Freunden auf den Weg an den Hoyerswerdaer Scheibe-See machte. "Ich bin sonst eigentlich eher am Dreiweiberner See", sagt die Weißkollmerin. "Wegen meiner Freunde bin ich heute mal mit hierher gekommen." Unweit von ihrem Strandtuch ist ein Schild aufgestellt. "Ende Badestrand" steht darauf geschrieben. Ein Baumstamm liegt quer davor, direkt dahinter wuchert das Schilf. Bis vor Kurzem hat es diese Absperrung noch nicht gegeben. Denn bis vor Kurzem war jenes Ufer des Scheibe-Sees noch gar keine offizielle Badestelle.

Erst am Donnerstag hat die Stadtverwaltung den 140 Meter langen Strandbereich zum Baden freigegeben - vorerst bis Oktober 2017. Damit dürften Nicole Zimmermann und ihre Freunde wohl einige der Ersten sein, die mit offizieller Erlaubnis ins kühle Nass des Scheibe-Sees springen. Nun hat also auch Hoyerswerda die "Badesaison" eröffnet. Fünf Jahre nachdem der See seinen endgültigen Wasserstand erreicht hat - ein erster Meilenstein auf dem Weg zu Hoywoys Haussee?

"Spät, aber sicherlich nicht zu spät", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt zur offiziellen Freigabe. Denn ursprünglich geplant war die Eröffnung des Badebereiches bereits zum 15. Mai dieses Jahres.

Woran es gehapert hat? Während die Wasserqualität längst für gut befunden, das Schilf fachgerecht umgesetzt wurde und das Okay der Landesdirektion zur Nutzung vorlag, fehlte es noch an einer Unterschrift. Und zwar auf einem Vertrag, den die Stadt für die zunächst zwischenzeitliche Nutzung des Strandabschnittes mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) abschließen musste. Denn die sind noch immer Eigentümer der Seeflächen. Doch auch diese Genehmigung liegt seit fast vier Wochen vor. Zur offiziellen Freigabe, so heißt es aus der Stadtverwaltung, waren noch weitere Arbeiten erforderlich: Beschilderung und Wegweisung und das Aufstellen von Dixi-Klo und Mülleimern beispielsweise. Außerdem wurde der Seegrund durch Taucher auf Gefahren geprüft, gelbe Bojen eingelassen und die Sandqualität aufgebessert.

Nicole Zimmermann genießt die Erfrischung. "Das Wasser ist schön klar", bemerkt die 24-Jährige. Allerdings fehle es dem Scheibe-See noch an einigen "strandtypischen" Merkmalen. So wäre ein Imbiss - wie am Dreiweiberner See - ganz gut. "Und die Dixi-Toilette am Parkplatz ist vor allem für Frauen nicht so schön", erzählt sie weiter.

Dass es weiter vorangehen muss, darüber ist sich auch die Freie Wählervereinigung Stadtzukunft Hoyerswerda einig. So lud die Fraktion am Mittwochabend zum Bürgergespräch an den Scheibe-See ein. Mit Blick auf das Wasser wurde über die Entwicklung des Tagebaurestsees debattiert. "Der nächste Schritt muss die Herrichtung eines ordentlichen Badestrandes sein", sagt der Freie Wähler-Fraktionsvorsitzende Lutz Tantau, während er mit dem Finger Richtung Ufer zeigt. Wucherndes Schilf an allen Stellen gehöre da nun mal nicht ins Bild. Ein gutes Vorbild, so sagt er, wäre doch der Dreiweiberner See. "Man muss einen Strand erst ordentlich herrichten, dann kommt alles andere", lobt er die Entwicklung des Lohsaer Haussees und spielt damit auf Essensversorgung und sanitäre Einrichtung an.

Die Beobachtung von Friedbert Kosche, Kühnichter Bürger: "Die Gäste stolpern vom Parkplatz zum Strand und wundern sich, wo der Strandbereich ist", sieht er vor allem den holprigen Zugang als problematisch an. Dass aller Anfang schwer ist, bemerkt Karl-Heinz Markgraf. "Aber wenn kein Drängler da ist, passiert gar nichts", kritisiert nicht nur der Hoyerswerdaer den zurückhaltenden Einsatz der Stadt. Denn das Warten auf eine Bademöglichkeit dauert nun schon 30 Jahre. Und trotz Einladung war niemand aus der Stadtverwaltung zur Diskussion am Scheibe-See erschienen. "Mittlerweile ziehen sich sogar die Investoren zurück. Solch eine Resignation ist gefährlich", merkt Karl-Heinz Markgraf an. Einer, der seine Vorschläge immer wieder einbrachte, ist Andreas Schulze. Dem Inhaber des Pflanzenhofes am Kühnichter Waldfriedhof gehören 9000 Quadratmeter Land am See. Ein Kletterpark mit Spielwiese wollte er dort schaffen. Eine Einigung gab es nicht, Termine sind kurzfristig geplatzt. "Die Stadt kommt nicht aus dem Knick. Dann bleibt es halt, wie es ist", so Andreas Schulze auf Rundschau-Nachfrage. Karl-Heinz Markgraf fordert indes einen Koordinatoren. Denn wer von der Stadt überhaupt zuständig sei für die Entwicklung des Sees sei völlig unklar. Dazu heißt es aus der Stadtverwaltung, dass "die Zuständigkeit nicht auf eine Person konzentriert ist, da verschiedene Aufgabenbereiche wie Stadtplanung, Tourismus und Ordnung tangiert sind". Die Freie Wählervereinigung möchte nun im nächsten Schritt konkrete Vorstellungen an den Stadtrat herantragen. Schwerpunkte sollen die notwendige Strom- und Wasserversorgung und auch die Erweiterung des Strandabschnittes sein. "140 Meter Badebereich sind für 30 000 Einwohner dann doch ein bisschen wenig", bemerkt der Fraktionsvorsitzende Lutz Tantau.

Offiziell gebadet werden darf in dem ausgewiesenen Bereich noch bis Ende Oktober 2017. Der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens für den gesamten Scheibe-See steht nach Auskunft der Stadt immer noch aus. Im kommenden Jahr soll dann ein erneuter Antrag zur Badenutzung gestellt werden. Dieses Mal für einen Zeitraum über zwei Jahre. 2018 soll außerdem Baustart für Treppenzugang, Steg und Slipanlage für Boote sein.