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| 18:49 Uhr

Wahnsinns-Angebot für den Großen Chor
Hoyerswerda zeigt New York Kultur

 Der Große Chor Hoyerswerda ist ein Zusammenschluss von Sängern aus verschiedenen Chören der Region – hier bei einer Probe am 15. Juni.
Der Große Chor Hoyerswerda ist ein Zusammenschluss von Sängern aus verschiedenen Chören der Region – hier bei einer Probe am 15. Juni. FOTO: Michael Köllner
Hoyerswerda. Der Große Chor wagt im kommenden Jahr den Schritt über den großen Teich – dank ihres Engagements für die „Friedensmesse“ von Karl Jenkins. Von Sascha Klein

Kerstin Lieder sitzt im Café in der Hoyerswerdaer Neustadt und nippt an ihrem Espresso. Sie ist die Chorleiterin. Neben ihr: Michael Köllner, seit vergangenem Jahr neuer Vorsitzender des Großen Chores Hoyerswerda. Und beide haben im kommenden Jahr einen Plan, der ihre Chormitglieder erst einmal sprachlos gemacht hat.

Rückblick: Im Jahr 2018 hatte der Große Chor Hoyerswerda ein Problem: Die langjährige Vorsitzende Katrin Kiefel hatte angekündigt, sich zurückzuziehen. Das heißt: Neuaufbau und Suche eines neuen Vorsitzenden. Michael Köllner hat sich bereit erklärt, die Aufgabe zu übernehmen. Sein Argument: Nach seinem Ausscheiden aus dem Job, Köllner war viele Jahre lang Stadtplaner bei der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung, habe er jetzt mehr Freizeit. Gesagt, getan: Köllner hat das Ruder übernommen. Um den Großen Chor ist es in dieser Zeit merklich ruhiger geworden. „Wir haben eine Pause eingelegt“, sagt der neue Chef.

 Michael Köllner ist seit Ende 2018 Vorsitzender des Großen Chors Hoyerswerda. Kerstin Lieder ist die Chorleiterin.
Michael Köllner ist seit Ende 2018 Vorsitzender des Großen Chors Hoyerswerda. Kerstin Lieder ist die Chorleiterin. FOTO: LR / Sascha Klein

Im Jahr 2017 hatten die Sängerinnen und Sänger zuletzt in der Region auf sich aufmerksam gemacht: mit Karl Jenkins’ „Friedensmesse“, ein Stück, das zur Zeit des Kosovo-Kriegs 1998/99 entstanden ist. Es ist ein Anti-Kriegs-Epos, das ähnlich einer katholischen Messe aufgebaut ist. Der Chor hat es immer und immer wieder geprobt und es 2017 in der Hoyerswerdaer Lausitzhalle aufgeführt.

Genau dieses Engagement rund um Jenkins’ „Friedensmesse“ bringt den Großen Chor Hoyerswerda jetzt über den großen Teich in die USA. Michael Köllner erzählt: In seinem E-Mail-Account hat er plötzlich eine Anfrage einer amerikanischen Konzertagentur gehabt, sagt Köllner – mit einer Anfrage, die für den Hoyerswerdschen Chor in dieser Situation schlicht unglaublich gewesen ist. Die Frage stand: Will der Große Chor Hoyerswerda gemeinsam mit fünf bis sieben anderen Chören diese „Friedensmesse“ in der New Yorker Carnegie Hall – einem der bekanntesten Häuser der Welt – aufführen? „Als ich die E-Mail gelesen habe, bin ich fast umgekippt“, sagt Chorleiterin Kerstin Lieder. Es ist eine vielleicht einmalige Chance, dass ein Lausitzer Chor in einer der renommiertesten Konzerthallen überhaupt auftritt.

 Die Carnegie Hall in New York: Dort treten die Hoyerswerdschen im Januar 2020 auf.
Die Carnegie Hall in New York: Dort treten die Hoyerswerdschen im Januar 2020 auf. FOTO: DW labs Incorporated/shutterstoc

Die Verantwortlichen überlegen, stellen die Idee dem Chor vor. Immerhin: Zurzeit hat der Große Chor rund 65 Sängerinnen und Sänger. „Zunächst hat sekundenlang niemand etwas gesagt“, erinnert sich Kerstin Lieder. Innerhalb kürzester Zeit ist dann aber klar: Diese Chance wollen sich die Hoyerswerdschen auf keinen Fall entgehen lassen. Der Auftritt hat jedoch auch finanzielle Folgen für den Chor und alle Chormitglieder. Der Chor muss für die Teilnahme eine Gebühr bezahlen. Das sei dort so, sagt Michael Köllner. „Dazu kommt, dass jeder, der mitfährt, die Kosten für Flug und Unterbringung alleine zahlen muss“, so der Vereinschef. Knappe 2000 Euro wird jeden diese Reise zum „Big Apple“ kosten. Das Ergebnis: 41 Chormitglieder wollen oder können dabei sein. Seitdem die Entscheidung gefallen ist, geht der Vereinsvorstand auch auf Unternehmen und Institutionen zu und wirbt um finanzielle Unterstützung. Jeder Euro wird gebraucht.

Der große Tag soll am 20. Januar 2020 sein. Dann werden die Hoyerswerdschen vor wahrscheinlich ausverkauftem Haus ihr vielleicht spannendstes Konzert geben. Dabei wird die Reise nach New York definitiv kein Urlaub. Es sind Probentage angesetzt. Der Großteil des Chors wird nur drei bis vier Tage New York genießen können. Einige wenige wollen ein, zwei Tage länger bleiben, erzählt Musiklehrerin Kerstin Lieder.

Mit großen Aufgaben hat der Große Chor, der 2010 auf Initiative des Schulfördervereins des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda gegründet worden war, jedoch schon Erfahrung. Er hat die Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ von Electra vertont und sie später auch 13 Mal gemeinsam mit der Band aufgeführt. Anschließend haben sich die Chormitglieder an das „Magnificat“ von John Rutter gewagt – und schließlich an die „Friedensmesse“ von Jenkins.

Der Große Chor wird jedoch nicht nur in New York zu erleben sein. Im Rahmen des Spremberger Musiksommers tritt der Chor am 13. Oktober in der evangelischen Kreuzkirche Spremberg auf – mit einem Teil von Jenkins’ Werk. Das ist in diesem Jahr der einzige Auftritt, bevor auf den Chor das große Abenteuer Amerika wartet.