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| 17:43 Uhr

Hoyerswerda
Der Traum vom zweiten Boulevard

Der Blick in die Kirchstraße zum Start des ersten Boulevards Anfang Juni dieses Jahres. Jetzt schlägt Citymanagerin Dorit Baumeister vor, die Aktion deutlich auszuweiten. Noch steht nicht fest, ob die Altstadt-Händler diesen Schritt mitgehen.
Der Blick in die Kirchstraße zum Start des ersten Boulevards Anfang Juni dieses Jahres. Jetzt schlägt Citymanagerin Dorit Baumeister vor, die Aktion deutlich auszuweiten. Noch steht nicht fest, ob die Altstadt-Händler diesen Schritt mitgehen. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Der „Boulevard Kirchstraße“ hat der Hoyerswerdaer Altstadt viel Anerkennung gebracht. Eine Umfrage bestätigt das. Jetzt stellt sich die Frage: Bekommen die Altstadt-Händler solch eine Aktion 2019 erneut hin? Von Sascha Klein

Die Premiere des „Boulevard Kirchstraße“ hat Hoyerswerda und seinen Altstadt-Händlern vor allem eines gebracht: Aufmerksamkeit. Das historische Zentrum ist an einigen Tagen zwischen 4. Juni und 1. Juli so belebt gewesen wie sonst nur zu bestimmten Festen. Hoyerswerdas Citymanagerin Dorit Baumeister kann sich vorstellen, dass es im kommenden Jahr eine Neuauflage der Altstadt-Aktion gibt. Das hat sie am Dienstag im „Café Auszeit“ betont.

Baumeisters Idee: Die Kirchstraße könnte sich von Anfang Juni bis Ende August erneut in einen Boulevard verwandeln – auch die Händler der Friedrichsstraße könnten sich mit Aktionen beteiligen. Der Vorteil einer Erweiterung: Altstadt-Händler könnten von der Schloßstraße bis zur Friedrichsstraße mit Aktionen und speziellen Angeboten Kunden anlocken. Dann will das Citymanagement auch den Woyski-Park, direkt am fünfarmigen Knoten, mit in die Planungen einbeziehen und so auch den Händlern auf der anderen Seite der Friedrichsstraße die Möglichkeit geben, sich mit einzubringen. Eine Herausforderung: In der Friedrichsstraße wird in Richtung Kirchstraße beidseitig geparkt. Dorit Baumeister hat vorgeschlagen, während der Aktionszeit nur auf einer Seite das Parken zuzulassen. Ob sie mit der Idee auf Zustimmung bei den Anliegern stößt, ist noch offen. Eine Lehre aus der Boulevard-Premiere: Der Marktplatz muss besser eingebunden werden.

Die Zahlen sprechen für eine Weiterentwicklung des Boulevards. Bei einer Umfrage unter Händlern, Dienstleistern und Gastronomen haben 92 Prozent der Befragten angegeben, dass sie sich eine Fortsetzung vorstellen können. 72 Prozent haben sich zudem für eine Ausweitung des Zeitraums ausgesprochen.

Am Dienstagabend gibt es unter den Gästen keine klare Meinung für Dorit Baumeisters Vorschlag für 2019. Selbst Heiko Schneider, Chef von Haarschneider, ist angesichts von drei Monaten Daueraktion skeptisch. Der eine Monat in diesem Jahr habe schon sehr viel Kraft gekostet. Zur Erinnerung: Schneider hatte mit der Beach-Bar vor seinem Geschäft den Publikumsmagneten schlechthin. Generell ist er jedoch für eine Fortführung der Altstadt-Belebung.

Zweifel kommen auch von Pfarrer Heinrich Koch – wegen des Zeitraums. Die sächsischen Sommerferien (8. Juli bis 16. August) fielen komplett in die von Dorit Baumeister vorgeschlagene Zeit. „Unsere Erfahrung von Konzerten ist“, sagt Koch, „dass die Leute in den Sommerferien eher nicht kommen.“ Koch hat Bedenken, dass etwa eigens organisierte Kirchenkonzerte kaum Anklang finden.

Dorit Baumeister will in den kommenden Wochen bei allen Händlern, Gastronomen und Dienstleistern für eine Fortsetzung der Boulevard-Idee im kommenden Jahr werben. Dann möchte sie vor allem eines gewinnen: Zeit. In diesem Jahr sei extrem wenig Zeit für die Organisation gewesen. Das Projekt hatte rund 30 000 Euro gekostet. Etwa die Hälfte ist gefördert worden, einen Teil haben Altstadt-Händler, Vereine und Verbände beigesteuert – teils durch Eigenleistung.

Das Citymanagement um Dorit Baumeister und Frank Graumüller hat während des Boulevards mehrere Umfragen gestartet, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Demnach waren die meisten Gäste des Boulevards aus der Altstadt: 48 Prozent. Immerhin sind 22 Prozent der Gäste aus der Neustadt herübergekommen. Dieser Wert freut Dorit Baumeister, die zunächst öfter die Rückmeldung bekommen hatte, dass die Neustädter vermutlich nicht über die Elster kommen werden. 16 Prozent der Umfrage-Teilnehmer – insgesamt waren es knapp 130 – kommen aus dem Umland, nur vier Prozent von weiter her. „Da müssen wir richtig ran“, sagt Dorit Baumeister. Denn eigentlich war eines der Ziele, vermehrt Leute außer­halb von Hoyerswerda zu animieren, in die Stadt zu kommen.

Lob gibt es hingegen von Lausitz-Center-Manager Dieter Henke: „Ich war während der Aktion sechsmal da. Ich war begeistert“, sagt er. Henke hat angeboten, für eine zweite Auflage mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Einige Verbesserungsmöglichkeiten sieht der Center-Chef schon jetzt: „Setzen Sie sich für einheitliche Öffnungszeiten ein“, schreibt er den Altstadt-Händlern ins Stammbuch. Er sieht für die Altstadt die Chance, mehr auf Gastronomie und Kultur zu setzen, wenn es auch 2019 einen Boulevard in der Altstadt gibt. Zudem, sagt Henke, könnte die Stadtverwaltung prüfen, ob es gelingt, das Altstadt-Zentrum dann an zwei bis drei Abenden pro Woche autofrei zu halten.

Attraktivität der Altstadt Hoyerswerda
Attraktivität der Altstadt Hoyerswerda FOTO: LR / Katrin Janetzko