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| 11:39 Uhr

Marketingoffensive
Hoyerswerda will Familien anlocken

 Die Figur „Mutter und Kind“ von Alexander Ilecko spiegelt sich, genau wie das SWH-Gebäude am Skulpturenpark. Eltern mit Kindern stehen auch im Fokus der neuen Marketingoffensive in Hoyerswerda. 
Die Figur „Mutter und Kind“ von Alexander Ilecko spiegelt sich, genau wie das SWH-Gebäude am Skulpturenpark. Eltern mit Kindern stehen auch im Fokus der neuen Marketingoffensive in Hoyerswerda.  FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Hoyerswerda möchte sich ein neues Image verpassen. Weg von den Vorurteilen der 1990er- und 2000er-Jahre – hin zur Familienoase. Von Sascha Klein

Die schlimmsten Rückbau-Jahre sind erst einmal vorbei, Hoyerswerda ist bunt, Neustadt und Altstadt sind großenteils saniert, die rassistischen Übergriffe in Hoyerswerda fast 30 Jahre her – und trotzdem wird Hoyerswerda den Schatten der Vergangenheit nicht los. Außerhalb hat die Stadt – offenbar – bei vielen einen miesen Ruf.

Henry Weiher, der seit 2015 beim Haarschneider in Hoyerswerda arbeitet und mit seiner Familie in der Stadt lebt, hat genau diese Erfahrung gemacht. „Als meine Freunde in Dresden gefragt haben, wo ich denn jetzt wohne, und ich Hoyerswerda gesagt habe, kam von denen erst ‚Ooooh’“, sagt Weiher. Mit diesem „Ooooh“ war einerseits Verwunderung, anderseits Mitleid verbunden. Solche Reaktionen hat er öfter bekommen, sagt er. Wobei: Auch er hat vor einigen Jahren erst überlegen müssen, ob Hoyerswerda sein Lebensmittelpunkt werden soll. Allerdings: Als Nachwuchs unterwegs war – die Liebste kommt aus Hoyerswerda – hat es für die kleine Familie nur eine Variante gegeben: Hoywoy. Eines nervt Henry Weiher: „Ich will mich nicht für Hoyerswerda entschuldigen müssen. Weil es nichts gibt, wofür sich die Stadt verstecken muss.“

Unternehmen stört schlechtes Image

Dieses schlechte Image nervt auch viele Unternehmen in der Stadt. Vier haben sich jetzt zusammengefunden und wollen Hoyerswerda eine neue Außenwirkung verpassen: die Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH), die städtische Wohnungsgesellschaft (WH), die Lebensräume-Genossenschaft, die Firma Haarschneider. „Die Unternehmen haben einfach ein Interesse, Hoyerswerda ein anderes Image zu geben“, sagt Steffen Markgraf, der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft. „Also nehmen wir es selbst in die Hand.“

Was diese Unternehmen in die Hand nehmen: Sie wollen einen Ansatz für ein neues Stadtmarketing liefern und Hoyerswerda den Stempel einer Familienstadt geben. Denn: Familien mit Nachwuchs hat die Stadt bitter nötig. Also haben die Unternehmen gemeinsam mehr als ein Jahr an einem Konzept gearbeitet. Am Donnerstag haben Vertreter aller vier Betriebe während des Kongresses „Demokratie – Lebensqualität – Bildung“ erstmals einen Teil der neuen Idee vorgestellt – unter anderem auch Henry Weiher.

Hoyerswerda ist für Familien attraktiv

Was alle Beteiligten in den vergangenen Monaten festgestellt haben: Hoyerswerda hat für Familien viel zu bieten. Das Problem: Außerhalb von Hoyerswerda weiß das quasi niemand. Wohnungen sind vorhanden, Kita-Plätze sind vorhanden, alle Schulformen sind vorhanden, Einkaufsmöglichkeiten, Zoo, Schwimmbad, Kulturfabrik, Lausitzhalle und vieles mehr. Ein weiteres Problem: Die Verkehrsanbindung Richtung Dresden ist noch zu schlecht, um täglich zwischen den Städten zu pendeln. Das könnte sich jedoch im Rahmen der Strukturwandel-Debatten schnell ändern. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte während der Konferenz in Hoyerswerda, die Verbesserung des ÖPNV sei ein zentrales Thema.

Auch SWH-Marketingleiterin Stefanie Melcher ist eine Rückkehrerin. Nach 13 Jahren fernab der Heimat ist sie mit ihrem Mann vor einigen Jahren wieder zurückgekommen. „Als die Kinder kamen, hat die Heimat gerufen“, sagt sie. Das ist es, was sich die Initiatoren erhoffen: Wenn sich Paare über Kinder Gedanken machen, sollen sie in der Lausitz möglichst eine Alternative finden, um sesshaft zu werden und alle Annehmlichkeiten nutzen zu können, die es in der Großstadt nicht automatisch gibt – wie den Kitaplatz und die passende Wohnung.

Krabat soll Identifikationsfigur werden

Allerdings fehlt Hoyerswerda noch eine Figur, die möglichst viele positive Eigenschaften in sich vereint und von möglichst vielen Bürgern getragen wird. Die Idee der Macher: Diese Figur soll Krabat sein, der als ehrlich und hilfsbereit bekannt und fast überall positiv besetzt ist. Das gesamte Konzept wollen die Initiatoren aber noch nicht preisgeben, sagt Steffen Markgraf. Das soll während des Sonderstadtrats am Donnerstag, 11. April, vorgestellt werden.