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| 13:55 Uhr

Zunkunft der Energieversorgung
Strom ohne Kohle

 Prof. Dr. Ing. Kathrin Lehmann hat in Hoyerswerda beim Traditions- und Förderverein Glückauf zur Zukunft der Energieversorgung ohne Kohlestrom referiert.
Prof. Dr. Ing. Kathrin Lehmann hat in Hoyerswerda beim Traditions- und Förderverein Glückauf zur Zukunft der Energieversorgung ohne Kohlestrom referiert. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Für eine stabile Stromversorgung auch ohne Kohle gibt es viele Alternativen. Auch für Kommunen. Davon ist Prof. Kathrin Lehmann überzeugt. Von Katrin Demczenko

Kann in naher Zukunft die Energieversorgung ohne Braunkohlestrom funktionieren? Wie wird dann das Stromnetz stabil gehalten? Diese Fragen haben sich kürzlich viele Mitglieder des Traditions- und Fördervereins „Glückauf Schwarze Pumpe" von Prof. Dr. Ing. Kathrin Lehmann von der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg beantworten lassen.
Die Bundespolitik hat den Ausstieg aus der Braun- und Steinkohleverstromung bis 2038 beschlossen. Schon 2011 wurde nach der Atomkatastrophe in Fukushima entschieden, deutsche Kernkraftwerke kontrolliert abzuschalten. Um die Stromversorgung aller Verbraucher dennoch abzusichern, wird seit dem Jahr 2000 die Erzeugung erneuerbarer Energien gefördert und ihr Anteil im System wächst. Allerdings steht an einzelnen Tagen bei Sturm oder besonders vielen Sonnenstunden zuviel Strom zur Verfügung. Kohlekraftwerke haben dann ihre Produktion zu drosseln, um „negative Preise“ an der Strombörse zu verhindern. Negativ heißt, Nachbarländer müssen dann überschüssigen Strom abnehmen und bekommen dafür von Deutschland noch Geld, das die Verbraucher bezahlen, erklärt Professorin Lehmann.

Dagegen sollen Mangel an Sonnenschein und Wind möglichst ohne teueren Importstrom überbrückt werden. Hier helfen Batteriespeicher, sagt die Politik, doch ist das so einfach? Die eine BigBattery Lausitz, die die Leag am Standort Schwarze Pumpe bauen will, wird 53 MWh Kapazität haben. Der ungefähre Energieverbrauch pro Tag in ganz Deutschland liegt bei 1,53 TWh. Das macht klar, wie viele solcher Speicher gebraucht werden, um auf diese Weise die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sagt die Energieexpertin. Außerdem müssen die Akkus wie Kernbrennstäbe der Atomkraftwerke irgendwann entsorgt werden.

Mehr Pumpspeicherwerke zu bauen wäre möglich, doch der Wirtschaft fehle die Sicherheit, damit Geld verdienen zu können. Das Pumpspeicherwerk gilt nämlich als Endverbraucher, wenn es seine Pumpen betreibt, um Wasser ins obere Speicherbecken zu fördern. Der Umbau bestehender Kraftwerke in Speicherkraftwerke steckt noch in den Anfängen. „Es gibt viele Alternativen und wenig Zeit“, stellt Professorin Lehmann fest.

Sie sagt: Um ein funktionierendes Energiesystem hinzubekommen, müssen dessen Sektoren Wärme, Elektrizität, Elektromobilität und Gas gemeinsam betrachtet und verkoppelt werden. Diesen Weg sollten auch Kommunen beschreiten, um ihre Bürger nach dem Jahr 2038 sicher und mit bezahlbarer Elektroenergie versorgen zu können. Ein besser ausgebautes Stromnetz wird Strom schneller dorthin bringen, wo Bedarf besteht. Die damit verbundenen Aufgaben lösen schon jetzt Übertragungs- und Verteilungsnetzbetreiber, deren Miteinander das Energiewirtschaftsgesetz regelt.

 Prof. Dr. Ing. Kathrin Lehmann hat in Hoyerswerda beim Traditions- und Förderverein Glückauf zur Zukunft der Energieversorgung ohne Kohlestrom referiert.
Prof. Dr. Ing. Kathrin Lehmann hat in Hoyerswerda beim Traditions- und Förderverein Glückauf zur Zukunft der Energieversorgung ohne Kohlestrom referiert. FOTO: Katrin Demczenko