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| 19:18 Uhr

Landtagswahl Sachsen 2019
Strukturwandel sorgt für Zweifel

FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Hoyerswerda. Ministerpräsident Kretschmer kämpft energisch um die Wählerstimmen seinen Posten als Regierungschef. Die Frage lautet: Wird der neue MP in der Lausitz gemacht? Zumindest die Wähler in Hoyerswerda sind skeptisch, ob das mit dem Strukturwandel klappt. Von Regina Weiß, Sascha Klein und Katrin Demczenko

(rw/skl/dcz) Wo er auch nur immer sein kann, da taucht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in diesen Wochen auf. Beim Richtfest im Industriepark  Schwarze Pumpe, bei der Frauenhofer-Zukunftsmanufaktur in Bautzen – am Freitag dann auch im Carolus-Krankenhaus in Görlitz. Auf einem A 4-Zettel steht dort groß: „MP Kretschmer“. Wird der Zettel Wiederverwendung finden können? Wird der Lausitzer auch der nächste Ministerpräsident in Sachsen? Zumindest hat die CDU sachsenweit die meisten Stimmen gewonnen.

Für dieses Wahlergebnis hat Michael Kretschmer (CDU) hintereinander hunderte Termine im gesamten Freistaat absolviert. Wie viele es genau sind? Da kann der MP nicht mit einer Zahl dienen. „Ich habe sie nicht gezählt“, sagt er auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Am Freitag und Samstag sind weitere gewesen. Am Sonntag bleibt ein bisschen Zeit zum Luftholen und für die Familie. Schon am Morgen hat er gewählt, kurz nach 8 Uhr in Dresden. Dann geht er in die Kirche. „Und dann koche ich für meine Jungs was.“ Was Leckeres, schiebt er noch mit einem Lächeln hinterher.

Wird er sich am Ende des Wahlabends bestätigt fühlen? Wird er enttäuscht sein, weil die AfD sehr stark ist? Zumindest ist er der Meinung, vollen Einsatz gezeigt, sich sehr aktiv eingebracht zu haben. 20 Monate ist er im Amt, hat Stanislaw Tillich beerbt. Seitdem ist er bereits im Wahlmodus.

 Klaus Michael aus Hoyerswerda ist sich sicher, dass im Moment keine Partei einen tragfähigen Plan für den Strukturwandel hat. 
Klaus Michael aus Hoyerswerda ist sich sicher, dass im Moment keine Partei einen tragfähigen Plan für den Strukturwandel hat.  FOTO: Katrin Demczenko

Er ist auf die Menschen zu gegangen, hat zugehört. Das ist ihm besonders wichtig. „Ich habe zugehört.“ Und er hat immer wieder klargemacht, dass er verstanden habe, dass sich in Sachsen etwas ändern muss. Dann hat er mit Partnern in Politik und Ämtern Veränderungen angestoßen – bei ganz vielen wichtigen Themen, unterstreicht der 44-Jährige.

 Stefan Jasiczek aus Hoyerswerda glaubt, dass Linke und Grüne die besten Ideen für einen Strukturwandel nach der Kohle haben.
Stefan Jasiczek aus Hoyerswerda glaubt, dass Linke und Grüne die besten Ideen für einen Strukturwandel nach der Kohle haben. FOTO: Katrin Demczenko

Ein Thema, dem er sich vor allem in den vergangenen zwölf Monanten massiv gewidmet hat, ist der Strukturwandel in der Lausitz. Deshalb steht die Frage: Wird die Lausitz den Ministerpräsidenten machen? „Das ist eine wirklich gute Frage“, stellt Michael Kretschmer fest und lässt sie dann doch unbeantwortet.

 Wolfgang Polischtschuk aus Hoyerswerda ist sich sicher, dass die AfD, gemeinsam mit den Lausitzer Firmen, den Strukturwandel-Weg gehen sollte.
Wolfgang Polischtschuk aus Hoyerswerda ist sich sicher, dass die AfD, gemeinsam mit den Lausitzer Firmen, den Strukturwandel-Weg gehen sollte. FOTO: Katrin Demczenko

Ortswechsel: Hoyerswerda, Oberschule „Am Planetarium“. Am Rande der Neustadt ist mitten in Sachsen. Einer, der dort wählen geht, ist Klaus Michael. Der Hoyerswerdaer ist noch nicht recht davon überzeugt, dass der Strukturwandel gelingt: „Ich denke, keine Partei hat einen tragfähigen Plan, wie die Wirtschaft in der Lausitz nach dem Ende des Braunkohleverstromung neu gestaltet werden kann“, sagt Michael. „Die Parteien geben nur Geld dafür und organisieren hier Forschungsvorhaben, um den Unternehmen zu helfen. Diese müssen den Wandel selbst gestalten.“ Weshalb er trotzdem zur Landtagswahl geht: „Ich wähle, um eine gewisse Partei nicht durch mein Fernbleiben zu unterstützen.“

Auch Stefan Jasiczek gehört zu den Wählern „Am Planetarium“. Wenn es nach ihm geht, muss Michael Kretschmer in der kommenden Legislaturperiode nicht Regierungschef sein: „Einen sinnvollen wirtschaftlichen Strukturwandel in der Lausitz, der weg führt vom Braunkohleabbau, können nur die Grünen und die Linken gestalten“, ist er sich sicher. Für ihn liefere etwa die AfD keine schlüssigen Konzepte: „Die AfD beschreibt die Probleme hier und regt sich darüber auf. Das brauch ich nicht, denn ich kenne die Lage selber.“ Für den Hundebesitzer seien Umwelt- und Tierschutz wichtig.

Für Wolfgang Polischtschuk sei es jedoch gerade die AfD, die die Lösungen für den Strukturwandel hat: „Eine wirtschaftlich stabile Lausitz kann nur die AfD zusammen mit den hiesigen Firmen schaffen. Sie hat als einzige Partei erkannt, dass ein Beenden der Braunkohleverstromung den Klimawandel lediglich zu einem ganz kleinen Teil beeinflussen wird“, betont er.