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| 16:58 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
Ungewisse Zukunft

 Sie haben in Hoyerswerda über die Zukunft der Lausitz diskutiert (v.l.): die Görlitzer Landkreis-Dezernentin Heike Zettwitz, Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, Staatsminister und Chef der Staatskanzei Oliver Schenk, Christoph Biele (Zukunftswerkstatt Lausitz), Kathrin Schlesinger (Geschäftsführerin der Lautech), Dr. Stephan Rohde (Lausitzbeauftragter des Freistaats Sachsen).
Sie haben in Hoyerswerda über die Zukunft der Lausitz diskutiert (v.l.): die Görlitzer Landkreis-Dezernentin Heike Zettwitz, Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, Staatsminister und Chef der Staatskanzei Oliver Schenk, Christoph Biele (Zukunftswerkstatt Lausitz), Kathrin Schlesinger (Geschäftsführerin der Lautech), Dr. Stephan Rohde (Lausitzbeauftragter des Freistaats Sachsen). FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Es gibt viele Ideen für die Lausitz nach der Kohle. Jedoch wird die Richtung erst klar, wenn im Bund aus Visionen Gesetze werden. Von Sascha Klein

Die Strukturwandel-Diskussion, die im Lausitzer Revier gerade in Fahrt kommt, lässt sich zurzeit am ehesten mit einem Kind im Spielzeugladen vergleichen. Die Eltern sagen: „Du kannst nehmen, was Du willst. Geld spielt keine Rolle.“ Also geht das Kind mit all seinen Wünschen los und packt den Wagen voll. Aber später, an der Kasse, wird abgerechnet. Was darf das Kind tatsächlich mit nach Hause nehmen?

Übertragen auf das wahre Leben ist die Lausitz das Kind und Bund und Land sind die Eltern. Denn erst, nachdem alle Rahmenbedingungen geklärt und viele Details aus dem Bericht der Kohlekommission in Gesetze gegossen sind, wird sich zeigen, mit welcher Summe die Lausitz planen darf.

Das ist auch bei der Infoveranstaltung der Staatsregierung am Montagabend in Hoyerswerda der Tenor gewesen. Rund 100 Gäste waren der recht spontanen Einladung gefolgt, unter ihnen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, Bürgermeister, Wirtschaftsvertreter und der eine oder andere Ottonormalbürger.

Minister und Staatskanzlei-Chef Oliver Schenk weiß um die Skepsis in der Lausitz, preist den Kohlekompromiss mit dem Ausstiegsdatum im Jahr 2038 aber als „Chancenbericht“. Von den 40 Milliarden Euro, die die betroffenen Regionen erhalten sollen, wären etwa 15 bis 18 Milliarden Euro für die Lausitz. „Wir können die Lausitz nur entwickeln, wenn man es als gemeinsamen Kraftakt versteht“, sagt Schenk.

Infrastruktur-Ausbau als Kraftakt

Ein Kraftakt wäre bereits, einige der Infrastruktur-Ideen zu realisieren. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte eine ICE-Verbindung von Berlin über Weißwasser nach Görlitz ins Gespräch gebracht. Eine andere Idee ist eine elektrifizierte Bahnstrecke von Dresden über Kamenz und Hoyerswerda, die Staatsminister Schenk während seiner Rede in den Raum stellt. Zudem gibt es weitere Ideen, Hoyerswerda bahntechnisch besser an die Metropolen Berlin, Dresden, Leipzig und Breslau anzubinden, um die Stadt attraktiver für Pendler zu machen.

Bundesverkehrswegeplan reicht nicht für die Lausitz

Das Problem bisher: Über den Bundesverkehrswegeplan kommt die Lausitz nicht zum Zug. Denn der orientiert sich nur am Bedarf. Deshalb sollen solche Projekte laut Schenk über ein spezielles Gesetz festgeschrieben werden. „Wir müssen Infrastruktur schaffen und damit eine Attraktivitätssteigerung erreichen“, sagt er. Zudem müsse es Gesetze geben, um in der Lausitz deutlich schneller planen und bauen zu können.

In den kommenden Monaten sollen auf Bundesebene Regularien festgezurrt werden, um schnellstmöglich die passenden Gesetze verabschieden zu können. Erst, wenn diese Projekte aus dem Bericht der Kohlekommission in Gesetze gegossen und beschlossen sind, wird klarer, mit welchen Vorhaben die Lausitz in den kommenden Jahren wirklich rechnen kann.

Die Idee von der 5G-Modellregion

Allerdings klingen einige Ideen für die Lausitz in ihrer Breite sehr vielversprechend: Heike Zettwitz, Dezernentin beim Kreis Görlitz, fordert den konsequenten Breitbandausbau in der Lausitz und die Region als „5 G-Modellprojekt“. „Wenn wir da rausfallen, haben wir verloren“, sagt sie. Das Ziel müsse sein, dass die Lausitz etwas vom Wachstum Berlins und Dresdens profitiert.

Geplant: Zentrum für Bauen und Wohnen

Kathrin Schlesinger, Geschäftsführerin des Lausitzer Technologiezentrums (Lautech), berichtet von einem geplanten Zentrum für Bauen und Wohnen in der Lausitz. Das Ziel ist: irgendwann eine Modellhausfamilie zu entwickeln, die mehr kann als normale Einfamilienhäuser heute. Die Vision: Ein solches Haus kann wachsen, wenn mehr Platz gebraucht wird, aber auch schrumpfen, wenn weniger gebraucht wird. Ebenso wird überlegt, wie das Haus seinen Standort wechseln kann. Dass es den neuesten digitalen Ansprüchen genügen muss, klingt dabei schon fast normal. Die Wertschöpfung eines solchen Großprojekts solle natürlich in der Lausitz bleiben.

Fazit der zweieinhalbstündigen Veranstaltung in Hoyerswerda: Es gibt viele Ansätze, um die Region zukunftsfähig aufzustellen und den Verlust der Braunkohleindustrie Ende der  2030er-Jahre abzufedern. Allerdings wird sich erst in einigen Monaten – wenn nicht sogar Jahren – sagen lassen, welche der Träume umsetzbar sind.

 Infoveranstaltung in Hoyerswerda: die Görlitzer Landkreis-Dezernentin Heike Zettwitz, Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, Staatsminister und Chef der Staatskanzei Oliver Schenk, Christoph Biele (Zukunftswerkstatt Lausitz), Kathrin Schlesinger (GF Lautech), Dr. Stephan Rohde (Lausitzbeauftragter des Freistaats Sachsen)
Infoveranstaltung in Hoyerswerda: die Görlitzer Landkreis-Dezernentin Heike Zettwitz, Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, Staatsminister und Chef der Staatskanzei Oliver Schenk, Christoph Biele (Zukunftswerkstatt Lausitz), Kathrin Schlesinger (GF Lautech), Dr. Stephan Rohde (Lausitzbeauftragter des Freistaats Sachsen) FOTO: LR / Sascha Klein