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| 15:02 Uhr

Interview mit Enrico Müller
„Eine Woche kann das jeder aushalten“

 Enrico Müller ist Geschäftsführer bei City-Fitness in Hoyerswerda.
Enrico Müller ist Geschäftsführer bei City-Fitness in Hoyerswerda. FOTO: Rainer Könen
Beim Fasten gibt es jede Menge zu beachten. Experte Enrico Müller gibt Tipps, wie es klappt. Von Rainer Könen

Nach Fasching beginnt für viele Gläubige die 40-tägige Fastenzeit, die von Aschermittwoch bis zur letzten Karwoche andauert. Aber ist dies ein Fasten im klassischen Sinne oder geht es hier nur um einen Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten, Fernsehkonsum etc.?

Müller: Also diese Zeit hat nicht viel mit dem Fasten zu tun. Da geht es darum, gewohnte Dinge oder bestimmte Gewohnheiten im Alltag zu reduzieren. Beim eigentlichen Fasten geht es um das Thema Ernährungsumstellung, also, wie ich mich in Zukunft gesund ernähre.

Ist das Fasten für einen Ernährungstrainer wie Sie  eigentlich auch ein Thema?

Müller: Natürlich, auf jeden Fall. Ich faste ja regelmäßig. Ich muss aber dazu sagen, man sollte das schon unter fachlicher Anleitung tun. Denn wenn man den Körper entschlackt und entgiftet, kann es auch zu Fastenflauten kommen. Da ist es immer gut, wenn man jemanden hat, der einem in einer solchen Situation mit Rat und Tat weiterhilft.

Offensichtlich haben viele Menschen beim Thema Fasten immer dieses Bild von abgemagerten Menschen im Kopf. Muss man nicht mehr Aufklärungsarbeit leisten, um weg von diesem Klischee zu kommen?

Müller: Das stimmt, dieses Klischee hält sich nach wie vor. Dabei ist es ja so, dass jeder, der fastet, verschiedene Motive hat. Der eine will Gewicht verlieren, für den anderen ist es eine Lebensphilosophie. Fakt ist: Jeder kann einmal eine Woche fasten. Ich meine damit den Verzicht auf feste Nahrung, sich nur mit Säften oder Tee zu ernähren. Aber wie gesagt, am besten macht man das unter fachlicher Aufsicht, in einer Fastengruppe etwa. Ich finde, jeder sollte es mal ausprobieren, denn die positiven Auswirkungen des Fastens sind schon beträchtlich.

Welche sind das?

Müller: Man glaubt es kaum, aber man kann seine Leistungsfähigkeit während des Fastens um bis zu 70 Prozent steigern. Sicher nicht vordergründig im körperlichen sondern mehr im mentalen Bereich. Man wird insgesamt klarer im Kopf, frischer, lebendiger, aufmerksamer. Man stärkt seine Abwehrkräfte, seinen Organismus, aktiviert seine Selbstheilungskräfte.

Nun ist zwar das Gesundheitsbewusstsein bei den Deutschen in den vergangenen Jahren zunehmend gestiegen, man ist sportiv, ernährt sich gesund, aber für viele gehört das Fasten nicht dazu. Warum ist das so?

Müller: Weil man da aus der gewohnten Komfortzone ausbrechen muss. Sich dafür zu entscheiden, für einen bestimmten Zeitraum auf etwas zu verzichten, das ist in unserer schnelllebigen, konsumorientierten Gesellschaft für etliche nicht einfach. Aber es tut gut, ich kann es nur wiederholen.

Sie betreuen Menschen bei der Ernährungsumstellung. Wie bekommen Sie  die angesprochenen Fastenklischees aus deren Köpfen?

Müller: Ich sage denen immer, dass wir niemanden dünn machen wollen, sondern gesund. Und ein Verzicht von Medikamenten, die durch Zivilisationskrankheiten notwendig sind, ein gutes Ziel ist. Natürlich immer in Absprache mit dem Hausarzt.

Schon mal was vom indischen Yogi Prahlad Jani gehört…

Müller: …nein, kenne ich nicht.

Der soll angeblich seit über 70 Jahren nichts mehr gegessen und getrunken haben. Seine Kraft schöpfe er aus göttlicher Energie, sagt er. Was halten Sie davon? Ist so was möglich, so lange auf Essen und Trinken zu verzichten?

Müller: Ich habe auch schon von solchen Menschen in Indien gehört. Aber ob das alles stimmt, das sei mal dahin gestellt. Wenn ich eine Simse verschicke, weiß ich zwar auch nicht, welchen Weg die durch den Äther nimmt, aber irgendwie kommt sie an. Ich will damit sagen, man muss, man kann nicht alles verstehen. Aber dieser jahrelange Verzicht auf Essen und Trinken, wenn es denn stimmen sollte, hat aber mit dem Fasten nichts zu tun. Denn beim Fasten nimmt man auf jeden Fall Flüssigkeit zu sich.

Wer noch nie gefastet hat, es mal probieren möchte, was raten Sie dem?

Müller: Der sollte sich zuerst nach dem „Warum“ fragen. Also, wieso er das machen und fasten will. Wenn das klar ist, gibt es verschiedene Fastenarten. Auf jeden Fall sollte man sich dann an einen Fastenexperten wenden.