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| 19:07 Uhr

Mittelstand wirbt um Fachkräfte
„Hier gibt es auch gute Jobs und gutes Geld“

 Flieschermeister Frank Sinapius aus Hoyerswerda präsentiert hier Leckereien aus eigener Produktion: Gemüse-Frikadellen.
Flieschermeister Frank Sinapius aus Hoyerswerda präsentiert hier Leckereien aus eigener Produktion: Gemüse-Frikadellen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Zur Spätschicht locken kleine und mittelständische Hoyerswerdaer Unternehmen potenzielle neue Fachkräfte in die Betriebe. Die Resonanz der Bürger auf das für die Zuse-Stadt neue Format der Wirtschaft ist noch verhalten. Von Rainer Könen

Fleischermeister Frank Sinapius will für sein Unternehmen interessieren. Die Spätschicht für Neugierige hält er dabei für ein gutes Format. Das „Infotainment“ ist gut, sagt er am Freitag zur ersten Spätschicht in Hoyerswerda.

„Unternehmen in der Region sollen bekannt gemacht werden, Bürgern sollen die traditionelle und breit aufgestellte, innovative Wirtschaft hautnah erleben“, erklärt Stephanie Köhler, Wirtschaftsförderin der Industrie- und Handelskammer in Bautzen. das Ziel des Veranstaltungsformates. Partner der städtischen Wirtschaftsförderer in der Oberlausitz, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden und die Kreishandwerkerschaft Bautzen haben das Format entwickelt. 

„Unterhalten und informieren, das ist gut“, sagt Frank Sinapius. In der Fleischerei Sinapius gibt es neben kulinarischen Spezialitäten auch  Live-Musik, auch wenn die mehr zur Belebung des Altstadt-Boulevards organisiert worden war.

„Ich möchte, das die Leute ein tieferes Verständnis für das traditionelle Handwerk bekommen“, erklärt der Fleischermeister. Und überhaupt wolle er darauf hinweisen, dass man heutzutage „für das Handwerk mehr Sympathie“ aufbringen möge.

Fachkräftemangel und die Tatsache, dass viele Hoyerswerdaer gar nicht wüssten, was die lokalen Unternehmen und Firmen so alles leisteten, sind auch Günde für diese Spätschicht.

Zwölf Unternehmen machen zur Premiere in Hoyerswerda mit. Einige haben wegen zu geringer Anmeldungen aber auch abgesagt. Aus den geplanten vier Touren sind drei geworden.

Die Altstadt-Tour begleitet Laura Schmidt von der Hoyerswerdaer Touristinformation. Zuerst geht es zum in der Schulstraße gelegenen Dentallabor „Studio 28“. Eine Stunde hatte jeder Betrieb Zeit, sich vorzustellen. Geschäftsführerin Sylvia Schneider erzählt: Die Firma mit heute 16 Mitarbeitern gibt es seit fünf Jahren. 430 000 Euro sind in das Dentallabor investiert worden.

 Sylvia Schneider, Geschäftsführerin des Dentallabors Studio 28 in der Altstadt, zeigt Perspektiven auf. Die Chancen, beruflich Fuß zu fassen, stehen jetzt gut.
Sylvia Schneider, Geschäftsführerin des Dentallabors Studio 28 in der Altstadt, zeigt Perspektiven auf. Die Chancen, beruflich Fuß zu fassen, stehen jetzt gut. FOTO: Rainer Könen

Und Zahnersatz ist auch ein großes Thema für die Interessierten.

Sylvia Schneider spricht an, was auch bei den anderen teilnehmenden Firmen an diesem Tag immer in den Blickpunkt rückt: Die Fachkräfte werden in vielen Branchen knapp. Auszubildende sind schwer zu finden. Aber natürlich soll ausgebildet werden und der Nachwuchs auch dauerhaft an die Unternehmen gebunden werden.

Cindy Paulick gehörtg zu den rund 40 Besuchern der ersten Spätschicht. Die Hoyerswerdaerin ist vor allem auf den Besuch der Lausitzer Ölmühle gespannt. Sie lebt zwar in der Stadt, ist dort aber noch nie gewesen.

Auch in Hoyerswerdas Nachbarstädten öffnen Firmen ihre Türen. In Kamenz, Bischofswerda und Bautzen. Dort ist die Firmen-Spätschicht mittlerweile zur Tradition geworden, hier wächst die Zahl der teilnehmenden Betriebe und Unternehmen sowie der interessierten Besucher.

Davon ist Hoyerswerda noch weit entfernt. Auch das Blumengeschäft Bock ist dem Aufruf der städtischen Wirtschaftsförderung gefolgt. Betriebsleiter Matthias Bock erzählt, dass er mit seiner Teilnahme auch dem Pessimismus vieler Menschen in der Stadt etwas entgegensetzen will. „Hier denken doch viele, dass alles schlecht ist“, schätzt Bock ein Und ob des bevorstehenden Strukturwandels in der Lausitz werde in weiten Teilen der Bevölkerung gar wieder Endzeitstimmung verbreitet. Da gelte es gegenzuhalten und zu zeigen, „dass die Region Zukunft hat“. Dass man „auch in diesem Teil Ostsachsens gute Jobs bekommen und gutes Geld verdienen kann“, so Bock weiter. Er hat viele der  Besucher erstaunt: mit seiner Aktion Blumenkinder. Seit zwei Jahren gibt es die. Er verschickt Blumen, deutschlandweit. Ein Serviceangebot, so Bock, das „bei der Kundschaft gut angenommen wird“.

 Matthias Bock, Betriebsleiter des gleichnamigen Blumenladens in der Hoyerswerdaer Neustadt, arbeitet auch aktiv gegen den Pessimismus in der Stadt.
Matthias Bock, Betriebsleiter des gleichnamigen Blumenladens in der Hoyerswerdaer Neustadt, arbeitet auch aktiv gegen den Pessimismus in der Stadt. FOTO: Rainer Könen

Im nächsten Jahr soll es eine neue Unternehmens-Spätschicht geben, sagt Tour-Begleiterin Laura Schmidt. Dann wohl im Frühjahr und an einem Wochenende. In der Hoffnung, dass dann viel mehr Menschen die Lust haben, einen exklusiven Blick hinter die Hoyerswerdaer Firmenkulisssen zu werfen.