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| 18:05 Uhr

Zecken: FSME und Borreliose
So viele FSME-Impfungen wie nie

 Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Manchmal erwischt einen doch eine Zecke. Je früher man das Spinnentier entfernt, desto geringer ist das Risiko, dass es Krankheitserreger weitergibt.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Manchmal erwischt einen doch eine Zecke. Je früher man das Spinnentier entfernt, desto geringer ist das Risiko, dass es Krankheitserreger weitergibt. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Hoyerswerda. Im Frühjahr 2018 wurde der Landkreis Bautzen durch das Robert-Koch-Institut zum FSME-Endemiegebiet erklärt. Seitdem haben sich die Impfungen im Gesundheitsamt Hoyerswerda nahezu verdoppelt. Von Rita Seyfert

Zuerst ritzen die Blutsauger die Haut mit ihren beiden Beißklauen auf. Dann kommt der mit Widerhaken besetzte Stechrüssel zum Einsatz. Bleiben Zecken unentdeckt, verankern sie sich für etwa eine Woche zum Blut saugen, bevorzugt an dunklen, warmen Körperstellen. Dabei können Krankheitserreger wie FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien übertragen werden.

Basierend auf den gemeldeten Erkrankungen der vergangenen fünf Jahre ist der Landkreis Bautzen im Frühjahr 2018 durch das Robert Koch Institut zum Endemiegebiet erklärt worden. Offenbar nehmen die Bürger das FSME-Risiko ernst. Denn die Zahl der Impfungen stiegen seitdem sprunghaft an.

 Das Wichtigste: Man kann eine Zecke nicht "falsch" entfernen. Falsch wäre nur, sie nicht zu entfernen.
Das Wichtigste: Man kann eine Zecke nicht "falsch" entfernen. Falsch wäre nur, sie nicht zu entfernen. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt

Immer mehr Menschen setzen auf FSME-Impfungen

Ulrike Menzel, stellvertretende Amtsärztin im Gesundheitsamt vom Landratsamt Bautzen: „Die Zahl der im Landkreis erworbenen FSME-Erkrankungen sind eher gering“, sagt sie. 2017 sei ein Fall gemeldet worden, 2018 waren es zwei, und 2019 bislang einer. Von einer „Katastrophe“ könne man zwar nicht sprechen. Allerdings zeigen schwere FSME-Verläufe mitunter Lähmungen und könnten im Rollstuhl enden.

 Nicht drehen, sondern schieben! Einfach die Zeckenkarte mit dem Schlitz nah auf der Haut unter das Tier schieben, bis es sich löst.
Nicht drehen, sondern schieben! Einfach die Zeckenkarte mit dem Schlitz nah auf der Haut unter das Tier schieben, bis es sich löst. FOTO: Carola Vahldiek - stock.adobe.co / Carola Vahldiek

Die gute Nachricht: Gegen das FSME-Virus, das die Zecke überträgt, kann man sich impfen lassen. Immer mehr Menschen setzen offenbar auf den Schutz. Denn die Anzahl der FSME-Impfungen hat sich inzwischen nahezu verdoppelt.

Während sich 2017 nur 215 Bürger in den drei Standorten vom Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen gegen FSME immunisieren ließen, waren es 2018 bereits 527. Davon entschieden sich 2017 allein in Hoyerswerda 119 Menschen für die Impfung, 2018 waren es bereits 173. Dieser Trend hält weiter an. Allein in diesem Jahr ließen sich im Landkreis bislang 437 Bürger gegen FSME impfen, davon in Hoyerswerda 182.

Praxen empfehhlen FSME-Impfungen

In Hoyerswerdas hausärztlichen Praxen hat sich die Zahl der FSME-Impfungen sogar mehr als verdoppelt. Dipl.-Mediziner Thilo Wirth: „Seitdem wir Endemie-Gebiet sind, gehen wir aktiv auf die Menschen zu und empfehlen die Impfung“, sagt er. Viele würden das annehmen.

Früher sei nur gegen FSME geimpft worden, wenn die Patienten explizit danach gefragt hätten, beispielsweise bei einer Reise in Risikogebiete wie Bayern, Baden-Würtemberg, Österreich, Tschechien oder die Schweiz.

Allerdings müsse man die FSME-Impfung bei jährlich vielleicht 500 Fällen deutschlandweit immer im Verhältnis sehen. „Impfungen gegen Grippe, Masern oder Gürtelrose sind mindestens genauso wichtig“, betont er.

Welche Berufsgruppen sich gegen FSME impfen lassen, wird durch das Gesundheitsamt nicht statistisch erfasst. Empfohlen wird die Impfung vor allem Forstarbeitern, aber auch Pilzsuchern, Gartenliebhabern und all denjenigen, die oft in Wald, Feld und Flur unterwegs sind.

Kein Impfschutz gegen Borreliose

Die schlechte Nachricht: Gegen die ebenfalls durch Zecken übertragbare Lyme-Borreliose gibt es keinerlei Impfschutz. Entsprechend hoch sind die gemeldeten Infektionen. 2017 wurden im Landkreis Bautzen 153 Fälle gemeldet, 2018 waren es 183, und 2019 bereits 63.

Allerdings könne man nicht Läuse mit Flöhen vergleichen. Wer an FSME erkranke, so Medizinerin Menzel, habe mitunter schlechte Karten. So lasse sich das FSME-Virus nur symptomatisch behandeln.

Borreliose-Infektionen sprechen im Gegensatz dazu auf Antibiotika an. Voraussetzung ist, dass die Erkrankung rechtzeitig entdeckt wird. Typisch sei die kreisrunde Rötung um die Einstichstelle. Oft handele es sich aber auch um Zufallsbefunde bei Blutuntersuchungen wegen unklaren rheumatischen oder kardiologischen Beschwerden.

So viel ist sicher, wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte das Tier schnellstmöglich entfernen. „Am besten vorsichtig herausziehen“, rät die Ärztin vom Gesundheitsamt. Am einfachsten gelingt es mit einer spitzen Pinzette oder einer speziellen Zeckenkarte, Zeckenpinzette oder Zeckenschlinge, erhältlich in Apotheken. Notfalls funktioniert es auch mit den Fingernägeln.