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| 20:41 Uhr

Alternde Gesellschaft
Einstiegshilfe: Senioren beim Rollator-Training

 Dirk Droth von der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda erklärt Irene Gertack,  wie sie sicher mit dem Rollator in einen Bus einsteigt.
Dirk Droth von der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda erklärt Irene Gertack,  wie sie sicher mit dem Rollator in einen Bus einsteigt. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Für Sicherheit im Bus: Experten der Verkehrsgesellschaft trainieren Senioren und Menschen mit eingeschränkter Mobilität in Hoyerswerda. Denn der Gehwagen kommt immer öfter zum Einsatz. Rollatoren werden zur Gefahr. Von Rainer Könen

Mit dem Rollator sicher in den Bus ein- und auszusteigen, ist für betagte Leute eine Herausforderung. Den Alltag allein meistern, das müssen viele Bürger in Hoyerswerda. Die Anzahl der Menschen, deren Kinder und Enkel in den 90er-Jahren der Arbeit nach in den Westen gegangen sind, ist hier in der Lausitz mit am größten gewesen. Der Stadtbus ist für die Senioren und auch andere Menschen, die körperlich in der Mobilität eingeschränkt sind, praktisch unverzichtbar. Und doch ist die Angst vor den Gefahren groß.

Die Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) veranstaltet deshalb  auf dem Lausitzer Platz das Rollator-Training. Zweimal im Jahr. Klaus-Peter Meyer, Leiter des Bereiches Verkehr, sieht bestätigt, dass Senioren dadurch Sicherheit im Nutzen von Bus und auch Bahn bekommen. Das Rollator-Training ist ein Erfolg.

Irene Gertack hat seit einigen Jahren einen Rollator. Doch mit dem Hilfswagen zu Fuß kommt sie „nicht mehr so gut voran“, erzählt die 87-Jährige aus Hoyerswerda. Sie brauche den Bus. Seit knapp einem Vierteljahr nutzt sie die Stadtlinie. Das Problem: „Mit Rollator habe ich mich dabei nie sicher gefühlt.“ Das Ein- und Aussteigen „ist für mich da immer beschwerlich“. Zeit, etwas gegen diese Ängste zu tun, hat sie für sich entschieden  und sich zum Rollator-Training eingefunden.

Nach der Übungseinheit, die von Dirk Droth geleitet wird, wirkt Irene Gertack recht entspannt. „Ich weiß jetzt, worauf es ankommt. Nun kann ich das Busfahren mit Rollator künftig sicher genießen.“

Sie ist eine der etwa 20 Senioren, die beim Rollator-Training mitgemacht haben. Die Aktion wird auch vom Seniorenbeirat der Stadt Hoyerswerda ausdrücklich unterstützt.

Seit vier Jahren gibt es dieses Übungsprogramm unter dem Motto „Sicher mobil durch Hoyerswerda“.  Und Klaus-Peter Meyer bestätigt: Der Bedarf ist in jedem Fall da. „Im Linienbetrieb können wir das nicht üben“, erklärt Meyer weiter. „Hier  nehmen wir uns alle Zeit, die erforderlich ist, für die Menschen“, sagt er.

Aufmerksam hört auch Marie Luise Deutschmann auf die Tipps und Hinweise von Dirk Droth. Der Rollator-Trainer führt vor, wie man mit dem Gehwagen am besten in den Bus steigt: am Rollator die Handbremse ziehen, die Vorderräder anheben, die Bremse wieder lösen. Seine Vorführung überzeugt die 78-Jährige. Erstaunt ist die Hoyerswerdaerin, als sie erfährt, dass man besonders beim Aussteigen aufpassen muss. „Sie sollten auf jeden Fall immer rückwärts aussteigen“, rät Droth ausdrücklich. Der Grund: Liege schweres Gepäck im Rollator, könne der Gehwagen leicht nach vorn kippen, wenn man ihn zuerst rausschiebe. Da habe es in der jüngsten Vergangenheit schon etliche Unfälle gegeben.

Für viele Senioren wie Marie Luise Deutschmann und Irene Gertack ist auch neu, dass es für sie einen eigenen Haltepunkt-Knopf im Bus gibt.  Zu finden ist er am Rollstuhlfahrerplatz. Wichtig sei es, den zu drücken, wenn man mit dem Rollator unterwegs sei, so Droth weiter. Signalisiere der doch dem Busfahrer, dass es beim Aussteigen etwas länger dauern könne.  Wichtige Informationen, für die Marie Luise Deutschmann nach der „Übungseinheit“ im Bus dankbar war. „Das alles war sehr aufschlussreich für mich“, meinte die 78-jährige Hoyerswerdaerin, die sich nun darauf freut, die gewonnenen Erkenntnisse bei der nächsten Busfahrt umzusetzen.

Das nächste Rollator-Training
veranstalten die Experten
der Verkehrsgesellschaft
Hoyerswerda (VGH) am 17. September, von 10 bis 12 Uhr auf dem Lausitzer Platz (zwischen Lausitzhalle und Taxistand)

 Der Haltepunktknopf im Bus.
Der Haltepunktknopf im Bus. FOTO: Rainer Könen