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| 16:46 Uhr

Seidewinkel
Metallkunst für die ganze DDR

Hier präsentiert Artur Flohe diverse Ausstellungsgegenstände aus dem reichhaltigen Fundus der Künstlerischen Produktionsgenossenschaft Seidewinkel.
Hier präsentiert Artur Flohe diverse Ausstellungsgegenstände aus dem reichhaltigen Fundus der Künstlerischen Produktionsgenossenschaft Seidewinkel. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda/Seidewinkel . Die Künstlerische Produktionsgenossenschaft Seidewinkel gibt es seit 60 Jahren. Von Katrin Demczenko

Derzeit erinnert eine kleine Ausstellung in der Senftenberger Straße 4 in Hoyerswerda an 60 Jahre Künstlerische Produktionsgenossenschaft (KPG) „neue form“ Seidewinkel. Konzipiert wurde sie von Kunstschmiedemeister Artur Flohe, der in der Firma von 1967 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1994 gearbeitet hatte. Noch bis Ende Dezember 2018 empfängt der Künstler jeden Donnerstag ab 16 Uhr Besucher.

Weil die DDR bei Neubauprojekten Geld für architekturbezogene Kunst vorgesehen hatte, holte der erste Chefarchitekt von Hoyerswerda, Ferdinand Rupp, junge Kunsthandwerker in die Stadt. Peter Bathke, Wolfgang Nötzold, Karl-Heinz Steinbrück und Herbert Morys gründeten am 1. Mai 1958 die KPG, um die neuen Wohnkomplexe mit Metallarbeiten zu verschönern, sagt Artur Flohe. Im Wohngebiet Elsterbogen steht seit dem Jahr 1974 der im Volksmund sogenannte ZDF-Brunnen von Manfred Vollmert, und Helge Niegel schuf Mitte der 1980er-Jahre den Edelstahlbrunnen am Lausitzer Platz. Der mittlerweile verstorbene Karl-Heinz Steinbrück hat eine Sonnenuhr, die heute im Wohnkomplex I steht, entworfen. Das schmiedeeiserne Eingangstor zum Waldfriedhof stammt von Artur Flohe.

Im Jahr 1958 begann die Produktion zunächst im Saal der Gaststätte Seidewinkel. Später wurde ein Neubau errichtet, um die Bedingungen der in Hochzeiten über 50 Handwerker zu verbessern. Kunstschmiede, Gürtler, Emaille- und Schmuckgestalter belieferten die DDR mit Plastiken, Feuerzangenbowlen sowie Kerzenständern.

Die Firma bildete auch Lehrlinge aus. Uwe Reier lernte bei Meister Artur Flohe Kunstschmied und leitet heute die weltbekannte Firma Vitrinen- und Glasbau Reier in Lauta. Kersten Flohe erwarb in den 1970er-Jahren den Berufsabschluss als Korpusgürtler, absolvierte später ein Kunststudium und unterrichtete dieses Fach am Johanneum Hoyerswerda. In die Lehre nach Seidewinkel ging sie gern, weil dort ein gutes Arbeitsklima herrschte. Sie meint: „60 Jahre KPG wären es wert, mit einer Ausstellung ins Stadtmuseum zu kommen.“ Kinder müssten von diesen Kunstwerken erfahren und von den Handwerkern, die sie angefertigt haben.

Hier präsentiert Artur Flohe diverse Ausstellungsgegenstände aus dem reichhaltigen Fundus der Künstlerischen Produktionsgenossenschaft Seidewinkel.
Hier präsentiert Artur Flohe diverse Ausstellungsgegenstände aus dem reichhaltigen Fundus der Künstlerischen Produktionsgenossenschaft Seidewinkel. FOTO: Katrin Demczenko