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| 22:26 Uhr

Stadtentwicklung Hoyerswerda
Aufzüge für Fünfgeschosser

 So sieht das Farb- und Raumkonzept des Wohnblocks in der Günter-Peters-Straße 2 bis 8 in Hoyerswerda aus. Es entstehen 48 Wohnungen, meist Zwei-Raum-Wohnungen. Alle sind per Fahrstuhl erreichbar.
So sieht das Farb- und Raumkonzept des Wohnblocks in der Günter-Peters-Straße 2 bis 8 in Hoyerswerda aus. Es entstehen 48 Wohnungen, meist Zwei-Raum-Wohnungen. Alle sind per Fahrstuhl erreichbar. FOTO: Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda
Hoyerswerda. Die Wohnungsgesellschaft will im Hoyerswerdaer WK I ein Musterhaus für Ältere schaffen. Von Sascha Klein

Die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda geht einen neuen Weg, Mieter möglichst langfristig zu binden. Der Wohnblock in der Günter-Peters-Straße 2 bis 8 im Wohnkomplex I soll teils barrierefrei und teils barrierearm umgebaut werden. „Bei diesem Projekt konzentrieren wir uns auf unsere älter werdende Bevölkerung“, sagt Geschäftsführer Steffen Markgraf. Es geht um die Zielgruppe 55plus.

Der Wohnblock im ältesten Wohnkomplex der Hoyerswerdaer Neustadt hatte zuletzt einen Leerstand von fast 50 Prozent. Ein Grund ist: Ältere Menschen erreichen die Wohnungen in den oberen Stockwerken nicht mehr oder nur noch mit großen Anstrengungen. Für sie werden diese Häuser nach und nach unattraktiv. Deshalb hätten sich viele Mieter auch in fünfgeschossigen Wohnhäusern einen Aufzug gewünscht. „Mit diesem Projekt haben wir die Signale aus der Bevölkerung ernst genommen“, sagt Markgraf. Das bedeutet: Die vier Hauseingänge bekommen zwei Aufzüge, jede der insgesamt 48 Wohnungen und die Keller werden per Aufzug erreichbar sein.

Die Fahrstühle werden außen an das Haus angebracht. Das bedeutet: Die Wohnungszuschnitte müssen komplett geändert werden. Die Wohnungsgesellschaft hat mit dem Büro „bauhoys“ um den Bauingenieur Thomas Gröbe ein Modell entwickelt, wie alle Mieter die Aufzüge nutzen können. Innerhalb der Etagen gibt es Gänge zu den Wohnungen (siehe Grafik). Das ist für den Hoyerswerdaer Mietwohnungsbau ein Novum.

Die Wohnungsgesellschaft will bewusst ein Modellhaus haben, bei dem sie Voraussetzungen schafft, dass auch Mieter mit Rollstuhl und Rollator möglich lange selbstbestimmt in ihrer Wohnung wohnen bleiben können. Die Gänge auf den Etagen sind breit genug für Gehhilfen. Auch die Bäder sind so geplant, dass ein Teil der Wohnungen barrierefrei und ein Teil barrierearm sind. Das habe auch mit Kosten zu tun, sagt Markgraf. Hätte die Wohnungsgesellschaft ein Haus komplett barrierefrei umbauen lassen wollen, seien die Kosten unverhältnismäßig gewesen. Die Folge: Die Mieten wären deutlich höher als die Schmerz-
grenze, die sich die Gesellschaft gesetzt hat. So sollen die Wohnungen jetzt zwischen 6,50 Euro und 6,80 Euro pro Quadratmeter kosten – plus Nebenkosten.

Wird das Angebot angenommen, kann sich Steffen Markgraf vorstellen, dass das eine Blaupause für weitere Projekte dieser Art sein kann. Die Wohnungsgesellschaft will in den kommenden Jahren den Kern der Hoyerswerdaer Neustadt weiter aufwerten – das sind die Wohnkomplexe I bis III. „Das Thema Aufzug bleibt auch im kommenden Jahr weiter aktuell“, sagt Markgraf. „Da werden wir 2020 massiv etwas machen.“ Auf genaue Projekte wollte er jedoch noch nicht eingehen.

Zuletzt hatte der Großvermieter, der zurzeit noch rund 8000 Wohnungen hält – rund 7000 sind davon vermietet – bewusst in den WK I und den WK III investiert. Im WK I sind zwei Wohnblöcke in der Liselotte-Herrmann-Straße saniert worden, der dritte folgt in diesem Jahr. In der Herder-Straße war ein Wohnblock saniert worden, bei einem weiteren steht die Sanierung bevor.

Für die kommenden Jahre hat die Wohnungsgesellschaft ihre Strategie geändert und will laut Geschäftsführer Steffen Markgraf „auf Sicht fahren“. Das bedeutet: Es gebe keine langfristigen Festlegungen, wann womöglich welcher Wohnblock abgerissen werden könnte. „Wir machen das abhängig von der Bevölkerungsentwicklung“, sagt er. Das heißt: Mieter in den weiter außen liegenden Wohnkomplexen sollen nicht verunsichert werden.

Die Sanierung des Wohnblocks in der Günter-Peters-Straße 2 bis 8 ist das größte Einzelprojekt der Wohnungsgesellschaft über die kommenden zwei Jahre. Der Großvermieter plant mit Kosten von insgesamt 3,8 Millionen Euro. Entstehen werden 40 Zwei-Raum- (je 57 Quadratmeter) und acht Drei-Raum-Wohnungen (je 75 Quadratmeter). Bewerbungen dafür seien bereits möglich. Das komplette Innenleben des Hauses soll erneuert werden. Ziel ist, im August 2019 mit den Arbeiten zu beginnen und im Herbst 2020 fertig zu sein. „Wir wollen etwas bauen, das zeitgemäß ist. Wir wollen aber auch, dass es die Mieter auch bezahlen können“, so Geschäftsführer Markgraf.