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| 09:00 Uhr

Schloss Hoyerswerda
Mission Dachboden fordert die Museumschefin

 Boglarka Ilona Szücs (32), die neue museumswissenschaftliche Leiterin vom Schloss Hoyerswerda, hat sich einiges vorgenommen
Boglarka Ilona Szücs (32), die neue museumswissenschaftliche Leiterin vom Schloss Hoyerswerda, hat sich einiges vorgenommen FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Die neue museumswissenschaftliche Leiterin Boglarka Szücs sucht für die Schätze auf Hoyerswerdas Schloss-Boden ein neues Depot. Schon zu DDR-Zeiten war in den Dachbalken der Wurm drin. Von Rita Seyfert

Feminines Antlitz, ruhiger Blick, sanfte Stimme, aber entschlossener Wille, das ist Boglarka Ilona Szücs (32). „Das ist ungarisch“, sagt sie, ihren Namen buchstabierend. Ihr deutsch klingt ohne Akzent. Geboren und aufgewachsen in Riesa, zog es die junge Frau nach dem Studium beruflich zunächst nach Budapest, in die Heimat ihrer Eltern.

Doch dann, als eine Stelle im Schloss Hoyerswerda ausgeschrieben war, ergriff sie ihre Chance. Der Funke sprang sofort über. Vielleicht lag es daran, dass einen Tag zuvor der Blitz in den Fahrstuhl eingeschlagen hatte. „Die ganze Elektrik war tot“, erinnert sie sich. Deswegen konnten keine Eintrittskarten verkauft werden. Boglarka Szücs hatte sich extra ein bisschen Zeit mitgebracht, um sich vorher die Ausstellung anzusehen.

Allein lief sie durch die Gänge. „Hier kann man was Schönes draus machen“, habe sie sich gedacht, erzählt sie. Doch fast habe sie sich zwischen all den Vitrinen in den vielen Gängen verlaufen. Inzwischen kennt sie auf den drei Etagen fast jeden Quadratmeter.

Persönlich am besten gefalle ihr das barocke Kaminzimmer. 47 Traugäste finden auf den rosa Samt-Stühlen Platz. „Weißer Stuck, gelbe Wände, da sieht man auf den Fotos nicht so blass aus“, erzählt sie. Boglarka Szücs feierte hier ihre Traumhochzeit. Ein schlichter, goldener Ring schmückt ihren Finger.

Gewissermaßen könnte man also sagen, dass Boglarka Szücs unterdessen mit ihrer Arbeit verheiratet ist. Ihre Vorgängerin, die museumswissenschaftliche Leiterin Elke Roschmann, feierte immerhin „Rubinhochzeit“, bevor sie im März 2018 nach 40 Jahren in Rente ging. Nach vier Jahrzehnten gehörte sie zum Inventar.

Immerhin, Elke Roschmann machte zwei Sanierungen mit, erebte fünf oder sechs Museumschefs und baute die seit nunmehr 20 Jahren existierende Ausstellung auf. Die Messlatte hing hoch. „Frau Roschmann ist Frau Roschmann“, sagt sie. Boglarka Szücs musste sich erst mal definieren.

Als Museumspädagogin hatte sie seit Herbst 2013 bewiesen, was sie kann. Auch ihr museumswissenschaftliches Interesse war aufgefallen. Wohl ein Grund, warum Elke Roschmann sie sukzessive unter ihre Fittiche nahm. In kürzester Zeit erhielt die junge Frau eine Schnellbesohlung in Hoyerswerdas Stadtgeschichte. Boglarka Szücs wälzte die alten Schinken in der Bibliothek, sie half bei den Sonderausstellungen mit, und sie besuchte im Freilichtmuseum Kiekeberg ein Software-Seminar über das Inventarisieren von Sammlungs-Objekten.

Schnell gewann die kompetente Frau immer mehr Einblick. Schon bald übernahm sie die Schlossführungen durch das Haus oder sprang ein, wenn Elke Roschmann im Urlaub war. Und als ihre Stelle ausgeschrieben wurde, bewarb sie sich. Inzwischen ist die Museumspädagogin zur museumswissenschaftlichen Leiterin aufgestiegen.

Eine Mission hat die Ungarin natürlich auch. „Viele Kunstwerke lagern auf dem Dachboden in einer Kammer, die viel zu warm und trocken ist“, sagt sie. Eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und Temperaturen um die 20 Grad Celsius wären für Gemälde optimal. Nicht nur Bilder, auch zahlreiche urgeschichtliche Dokumente, Schriftzüge, aber auch Kleidung, Porzellan, jede Menge Möbel, zentnerschwere Schusterpressen und Medizinschränke lagern dort oben. Doch all die Tonnen der Schätze aus Hoyerswerdas Stadtgeschichte drohen die Statik des Gebäudes zu verschieben. Derzeit wird gerade ein neues Depot gesucht. Die Gespräche mit der Stadt laufen.

Doch bei näherer Betrachtung des Speichers kam der Super-Gau. Da die Dachbalken zu DDR-Zeiten offenbar mit dem Holzwurm-Gift Hylotox gestrichen wurden, musste der Dachboden von heute auf morgen gesperrt werden. Boglarka Szücs und ihre Mitarbeiter dürfen jetzt nur noch mit Atemschutz und Ganzkörperanzug da hoch. „Wir sind gerade etwas ratlos, wie es weiter geht.“

Nichtsdestotrotz, Arbeit gebe es genug. Die Museumsbibliothek platzt aus allen Nähten. Die hinterlegte Systematik funktioniert nicht mehr. Alles müsse mal neu geordnet werden, auch der historische Altbestand mit den Statutenbüchern der Fleischer und Bäcker-Zunft ebenso wie den Statuten der Frau von Teschen. „Wir blättern regelmäßig darin“, erzählt sie. Langweilig wird ihr also noch lange nicht.

 Boglarka Ilona Szücs (32), die neue museumswissenschaftliche Leiterin vom Schloss Hoyerswerda, hat sich einiges vorgenommen
Boglarka Ilona Szücs (32), die neue museumswissenschaftliche Leiterin vom Schloss Hoyerswerda, hat sich einiges vorgenommen FOTO: LR / Rita Seyfert