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| 17:10 Uhr

Die Lausitz und der Klimaschutz
Hoyerswerda hat den grünen Daumen

 Sie war mit Sicherheit die älteste Teilnehmern der Pflanzaktion am Tag der Deutschen Einheit: Sonja Mende (89) aus Hoyerswerda (r.). Begleitet wurde sie am Einheitstag von Karin und Helmut Hänsch aus Weißkollm.
Sie war mit Sicherheit die älteste Teilnehmern der Pflanzaktion am Tag der Deutschen Einheit: Sonja Mende (89) aus Hoyerswerda (r.). Begleitet wurde sie am Einheitstag von Karin und Helmut Hänsch aus Weißkollm. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. „Eine Stadt pflanzt“ – und das richtig: Mehr als 100 Bäume sind auf der neuen Bürgerwiese in Hoyerswerda eingebuddelt worden. Auch RTL war live vor Ort. Von Sascha Klein und Rainer Könen

Freitagmittag, 12.04 Uhr: Finale für das „Einheitsbuddeln“, das in Hoyerswerda „Eine Stadt pflanzt“ heißt. RTL-Reporterin Luisa Graf wird live in die RTL-Sendung „Punkt 12“ geschaltet und zeigt dort Moderatorin Katja Burkard, wie sie den RTL-Einheitsbaum einpflanzt. Es ist ein Apfelbaum. Zwei Minuten später ist die Aktion beendet. Das dreiköpfige Team baut ab und bedankt sich.

Dagmar Steuer, die Initiatorin der Aktion, bleibt. Sie pflanzt parallel zum RTL-Team den Baum ein, den die Stadt Hoyerswerda gestiftet hat – ebenfalls ein zehn Jahre alter Apfelbaum. Wenn sie an den Einheitstag denkt, ist sie zufrieden: „Es war großartig. Es sind etwa 100 Bäume auf dem Gelände gepflanzt worden“, sagt sie. Das ist eine Beteiligung, die sie sich erhofft hatte. „Das Ziel war, Menschen zusammenzubringen“, sagt sie. Das hat sie definitiv erreicht. „Wir reden nicht nur, wir tun auch etwas“, betont sie und schippt Erde in die Pflanzkuhle des Apfelbaums.

 RTL-Reporterin Luisa Graf pflanzt am Freitagmittag während der Sendung „Punkt 12“ einen RTL-Einheitsbaum in Hoyerswerda.
RTL-Reporterin Luisa Graf pflanzt am Freitagmittag während der Sendung „Punkt 12“ einen RTL-Einheitsbaum in Hoyerswerda. FOTO: LR / Sascha Klein

Am 12. Oktober soll es weitergehen mit „Eine Stadt pflanzt“ – dann mit Obstbäumen. Die Hosenaer Kelterei liefert im Rahmen einer Sponsoring-Aktion 40 hochstämmige Bäume an. Sie sollen dann den Saum des Areals an der Hoyerswerdaer Feldstraße bilden.

Mit ein wenig Glück wird auch das Bewässern nicht so schwer wie anderswo. Zum einen sei die Wiese von Hause aus feucht. Zum anderen habe sie Hilfe von einem Hoyerswerdaer Unternehmen, so Dagmar Steuer. Mit Hilfe eines Wasserwagens sollten noch am Freitag alle Bäume erstmals richtig gewässert werden.

Weit mehr los als am Freitagmittag ist auf der Wiese am Tag zuvor gewesen. Deutschlandweit war zum „Einheitsbuddeln“ geladen worden, eine Idee von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Dagmar Steuer hat die Aktion in Hoyerswerda ins Leben gerufen. Um halb zehn Uhr sieht man zahlreiche Menschen auf dem Weg dorthin. Fast jeder zweite hat einen kleinen Baum in der Hand, manche mehrere. „Ich will in meinem Alter noch was Gutes tun“, erzählt die 89-jährige Sonja Mende aus Hoyerswerda. Gemeinsam mit ihrer Tochter Karin und deren Mann Helmut wollen sie nicht nur einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern mit ihrem Flieder ein wenig für die Vielfalt auf der künftigen Bürgerwiese am Rande der Stadt tun.

 Maja Lehmann und ihre Tochter pflanzten einen Apfelbaum ein.
Maja Lehmann und ihre Tochter pflanzten einen Apfelbaum ein. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Um kurz nach zehn hatten sich die Pflanzwilligen in einem Halbkreis um Initiatorin Dagmar Steuer postiert. Was wo an welcher Stelle gepflanzt werden soll, darauf weist die Jogalehrerin hin. Unweit der Eigenheime soll eine Streuobstwiese entstehen, etwas weiter weg, in der Nähe des Bahndammes, Waldbäume eingesetzt werden. Es gibt Tipps, worauf man achten soll, wenn man die Bäumchen einsetzt („Schön tief graben“).

Mit Spaten, Handschuhen und viel Elan verteilen sich wenig später alle auf der Wiese. Für so manchen ist es eine prima Gelegenheit, das eine mit dem anderen zu verbinden. Etwas für die Umwelt zu tun und dabei Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das ist das Motiv von Maja Lehmann, die ihre Tochter mitgebracht hat. Am Vortag haben die beiden in Wittichenau einen Apfelbaum zum Sonderpreis erstanden. 15 Euro habe der nur gekostet, so die junge Frau. Sie hat sich einen Spaten geben lassen. Sekunden später gräbt sie. Viele der an dieser auch als „Pflanz-Party“ bezeichneten Aktion lassen sich im Gegensatz zu den Wald-und Gartenexperten („Vier Spatenstiche, Erde raushebeln, Baum rein, zuschütten, fertig ist alles“) genügend Zeit. Es ist schließlich eine Veranstaltung, bei der auch der Gemeinsinn eine Rolle spielt.

Dagmar Steuer freut sich über diese enorme Beteiligung am Tag der Deutschen Einheit. Sie blickt schon nach vorne, ins nächste Jahr: „Ostern werden wir uns wieder treffen, zum Ostereiersammeln, und“, das betonte sie, „um zu sehen, wie es unseren Bäumen geht.“

Vorher gibt es allerdings zwei weitere Termine, an denen Bäume in die Erde gebracht werden können. Wer am 3. Oktober keine Zeit gehabt hat, kann am 12. Oktober und am 31. Oktober (Reformationstag) bei den Pflanzpartys zwei und drei noch aktiv werden.