Von Katrin Demczenko

„Erbepflege in Hoyerswerda“ heißt die neue Broschüre des Kulturbundes Hoyerswerda. Darin wird die Lange Straße in der Altstadt und ihre Bedeutung als Kulturdenkmal umfassend beschrieben. Fünf Gebäude dieser Straße hatte das Stadtmuseum Anfang der 1980er-Jahre für sein Projekt „Handwerkergasse“ gekauft, erzählt Peter Biernath, Architekt, Denkmalpfleger und Vereinsvorstandmitglied. In diesem und in allen damals verfallenden Häusern sollten Gewerke – vom Böttger über einen Geigenbauer bis zum Schumacher – angesiedelt werden. Schon 1978 stand die komplette Lange Straße als „barockes städtebauliches Ensemble kleiner ein- und zweigeschossiger Handwerkerhäuser“ in der Denkmalliste des Bezirkes Cottbus.

1982 hatte der Kulturbund Hoyerswerda e.V. das Haus mit der Nr. 1 treuhänderisch vom Stadtmuseum zur Verfügung gestellt bekommen und sofort in ehrenamtlicher Arbeit mit seiner Wiederherrichtung begonnen. Der Putz war großflächig abgefallen, die hygienischen Bedingungen mit nur einem Wasserhahn und einem Plumpsklo unzumutbar, und fehlendes Baumaterial gestaltete die Arbeiten schwierig, beschrieb Biernath die Anfänge. Heute ist der eindrucksvolle bauliche Wandel im Haus und in der ganzen Straße auf Fotografien nachzuvollziehen. Das zeigt die Broschüre, deren Druckkosten die Ostsächsische Sparkasse Dresden übernommen hat.

Der Untergang der DDR 1989 beendete das Museumsprojekt „Handwerkergasse“ und die Stadt verkaufte alle Gebäude bis auf das Domizil des Kulturbundes. „Nachdem wir so viel Arbeit in das Haus gesteckt hatten, haben wir uns gegen den Verkauf gewehrt“, erzählte der Denkmalpfleger. 1994 führte Hoyerswerda eine Grundsanierung des Gebäudes durch und bis heute organisiert der Verein dort Veranstaltungen, vor allem über die Architektur der Alt- und Neustadt. Eberhard Strobel betreibt ehrenamtlich die historische Schuhmacherwerkstatt im Erdgeschoss und übernimmt Hausmeisterpflichten, berichtet Paula Strobel vom Vorstand.

Doch der Kulturbund hat 2019 noch andere Dinge vor. Für den Herbst wird die Herausgabe der nächsten Broschüre unter dem Titel „Hoyerswerda im Wandel“ vorbereitet. Darin werden historischen Fotos aktuellen gegenübergestellt, die denselben Standort heute zeigen, sagt Peter Biernath. Der Verein wird seine Angebote während des „Boulevard Kirchstraße“ in der alten Post vorstellen. Die Klöppelgruppe will dies nutzen und selbstgeklöppelte Motive zum Thema Post zeigen.