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| 13:03 Uhr

Der Nachwuchs wird flügge
Hoyerswerdas Krokodile ziehen um

Der Nachwuchs zieht aus FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Abschied vom zweiten Kroko-Nachwuchs. Zwei Tiere sind bereits in England, die anderen drei Jungtiere sind jetzt auf die Reise gegangen. Der Zoo-Leiter chauffiert sie persönlich. Von Sascha Klein

Freitag, kurz nach neun Uhr im Tropenhaus des Hoyerswerdaer Zoos: Zoo-Leiter Eugène Bruins schnappt sich die erste Kandidatin. Es ist Jada, die Kleinste aus dem verbliebenen Kubakrokodil-Nachwuchs. Das Wiegen steht an. Jada lässt die Prodezur problemlos über sich ergehen. Das Ergebnis: 362 Gramm. Alles in Ordnung. „Sie hat ein paar Gramm abgenommen. Aber das ist nicht schlimm“, sagt Eugène Bruins. Der Zoo hat bei den jungen Krokos in diesen Tagen bewusst auf das Füttern verzichtet. Denn: Beim Transport sollen sie nicht in ihre eigene Kiste koten. Jadas Geschwister sind jeweils ein wenig größer: Bruder Rudi wiegt 377 Gramm, Schwester Shelly sogar 562.

Bruins hält seinen Finger ans Maul des kleinen Krokodils. Nichts passiert: „Die fressen offenbar keine Holländer“, sagt er und lacht. Apropos Holland: Genau das ist das Ziel der drei Jung-Krokodile aus der Lausitz. Zwei Weibchen und ein Männchen bekommen in Rijswijk eine neue Heimat. Die Gemeinde mit rund 55 000 Einwohnern ist ein Vorort von Den Haag und hat einen besonderen Reptilienzoo. Dort werden Jada, Shelly und Rudi demnächst die kleine Lausitzer Fraktion bilden. „Ich kenne den Chef dort schon seit vielen Jahren“, sagt Zoo-Leiter Bruins. „Die Tiere kommen in gute Hände“. Der Reptilienzoo, der „Serpo“ heißt, sei in den vergangenen Jahren saniert worden. Die Krokodile bekämen dort reichlich Platz. Die beiden anderen Hoyerswerdaer Jungtiere sind bereits vor zwei Wochen ins englische Brize Norton umgezogen. In dem Ort nahe Oxford ist nicht nur die größte Luftwaffenbasis der britischen Royal Air Force, sondern auch der Zoo „Crocodiles of the World“.

 Beißtest: Obwohl die kleinen Krokodile jetzt eine Woche lang nicht gefüttert worden sind, haben sie auf des Zoochefs Finger keinen Appetit.
Beißtest: Obwohl die kleinen Krokodile jetzt eine Woche lang nicht gefüttert worden sind, haben sie auf des Zoochefs Finger keinen Appetit. FOTO: LR / Sascha Klein

Zurück zum Abschied: Sogar Faultier Carlo sagt „Tschüss“. Als Eugène Bruins ihm das kleine Krokodil entgegenstreckt, greift Faultier Carlo mit der Pfote nach ihm. Nur wenige Zentimeter trennen Faultier und Krokodil. „Nee, Carlo“, sagt Bruins, „das ist kein Leckerli für Dich.“ Carlo bleibt bei Paprikastückchen. Jetzt ist tatsächlich Abschied angesagt. Gemeinsam mit Tierpflegerin Carolin Adler wird Jada in einen kleinen Stoffsack gesteckt, dann geht es in eine Plastekiste mit reichlich Luftlöchern. Auf diesem Weg werden alle drei kleinen Krokodile ihren Weg in die Niederlande antreten.

 Tierpflegerin Carolin Adler zeigt Krokodilweibchen Shelly in voller Größe.
Tierpflegerin Carolin Adler zeigt Krokodilweibchen Shelly in voller Größe. FOTO: LR / Sascha Klein

Kurz nach zehn Uhr: Die drei Krokos sind in ihren Kisten verstaut, alle drei sind in einem großen Umzugskarton. Alle Fotos sind gemacht, alle Filmaufnahmen – also geht es jetzt los Richtung Holland. Eugène Bruins chauffiert den Hoyerswerdschen Nachwuchs selbst in die neue Heimat – das ist Ehrensache. Und Bruins wäre nicht Bruins, wenn er für die Fahrt gen Westen nicht auch die passende Musik hätte. „Passt auf, ich hab noch etwas für Euch“, ruft er den Journalisten zu und lacht. Er stellt die Musik an, dreht an der Lautstärke, winkt noch einmal und rollt mit einem echten Ohrwurm vom Hof: „Ich bin Schnappi, das kleine Krokodil“.

 Drei Krokos in der Kiste: Eugène Bruins ist bereit zum Aufbruch. Am Samstag werden die Lausitzer Krokodile in Rijswijk eintreffen.
Drei Krokos in der Kiste: Eugène Bruins ist bereit zum Aufbruch. Am Samstag werden die Lausitzer Krokodile in Rijswijk eintreffen. FOTO: LR / Sascha Klein
 Passende Musik: Eugène Bruins fährt mit einem Hit vom Hof. Aus den Lautsprechern dudelt „Schnappi, das kleine Krokodil“.
Passende Musik: Eugène Bruins fährt mit einem Hit vom Hof. Aus den Lautsprechern dudelt „Schnappi, das kleine Krokodil“. FOTO: LR / Sascha Klein