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| 17:16 Uhr

Hoyerswerda
Kegler hoffen auf Nachwuchs

 Hoyerswerda: Der Kegelsport in Hoyerswerda fristet ein Mauerblümchendasein, eines, das die SC-Kegler in diesem Jahr mit dem Aufstieg in die Meisterliga ein wenig aufpolierten. Fotos: Rainer Könen
Hoyerswerda: Der Kegelsport in Hoyerswerda fristet ein Mauerblümchendasein, eines, das die SC-Kegler in diesem Jahr mit dem Aufstieg in die Meisterliga ein wenig aufpolierten. Fotos: Rainer Könen FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Kegeln gehört zur Lausitz wie Leinöl und Quark. Doch das Kegeln hat zunehmend ein Nachwuchs-Problem. Ein Beispiel beim SC Hoyerswerda zeigt das leidvoll. Von Rainer Könen

An die Jugend kommen sie nicht heran. „Die haben das Interesse an unserem Sport verloren“, beschreibt es Heidi Kockot. Die 66-Jährige ist Mitglied bei den Keglern des SC Hoyerswerda, hat sich seit zwanzig Jahren einer Sportart verschrieben, die für viele Deutsche einmal zum festen Freizeitprogramm gehörte: das Kegeln.

Zu Vorwendezeiten und auch noch in den ersten Jahren nach der Wende, hüben wie drüben, war Kegeln aus dem Leben vieler kaum wegzudenken. Und heute? Es gibt im Lande zwar immer noch eine Menge Kegelbahnen, von denen aber nicht alle genutzt werden. Die der SC-Kegler, die sich im Vereinshaus des FC Lausitz in der Hoyerswerdaer Neustadt befindet, wird regelmäßig bespielt. Noch. Denn die Hoyerswerdaer Kegelsportler plagt das, was für die meisten Sportvereine in der Region zum Dauerzustand geworden ist: fehlender Nachwuchs.

Bei den SC-Keglern dürfte die Nachwuchsproblematik bald existenziell werden. Nur vier Jugendliche machen mit, der Rest der derzeit rund 30 Mitglieder gehört der Ü-60-Generation an. „Für junge Menschen ist das Kegeln ein Alte-Leute-Sport“, erfährt man dort. Man könnte es auch so beschreiben: In der heutigen Freizeitgesellschaft wirkt Kegeln exotisch. Kegeln scheint out zu sein. Was man auch an den bundesweiten Mitgliederzahlen sehen kann: Der Verband für Kegeln und Bowling hatte in den 1980er-Jahren in Ost und West insgesamt fast 200 000 Mitglieder, mittlerweile sind es nur noch 80 000.

Wie man den Niedergang des seit dem Mittelalter in Deutschland betriebenen Kegelns aufhalten will, da suchen die Verantwortlichen auf Verbands- wie auf Vereinsebene noch Lösungen. Neulich habe man via Facebook auf sich aufmerksam gemacht, erzählt Keglerin Heidi Kockot. Mit Erfolg? Eher nicht. Die Resonanz auf den Aufruf, einmal unverbindlich vorbeizuschauen, sie sei mau gewesen. Dabei sind die SC-Kegler erfolgreich. Drei Seniorenteams habe man, so Kockot. Die 1. Seniorenmannschaft habe in diesem Spieljahr gar den Aufstieg in die Meisterliga geschafft, erzählt der 78-jährige Rainer Wrobel, der seit dem Jahr 2000 Mitglied ist. Von den drei in der Stadt existierenden Kegelvereinen spiele man als einziger Klub in dieser Liga.

Wenn sich Wrobel und Co. wochentags zum Training auf der Bahn treffen, taucht die Frage, wie es mit der Abteilung künftig weitergehen soll, irgendwann immer auf. Weil alle wissen, dass „ohne den Nachwuchs auch bei uns bald die Lichter ausgehen“, so Heidi Kockot. Früher war das Kegeln eine gern genutzte Möglichkeit, Sport mit Geselligkeit zu verbinden. Doch mit der Globalisierung und Digitalisierung hat sich die Welt, haben sich die Ansprüche der Menschen, so die Einschätzung von Freizeitforschern, verändert. In der bisherigen Form bietet der Kegelsport jungen Menschen wenig bis gar keine Anreize.

Im Landkreis Bautzen kann man in über 50 Vereinen dem Kegelsport nachgehen. Beim Bautzener Kreissportbund geht man davon aus, das vor allem Kegelvereine vom demographischen Wandel in der Region betroffen sein werden. Ein wenig besser stellt sich die Situation auf dem Lande dar. Wenn die Hoyerswerdaer Kegler zu Wettkämpfen in der Region unterwegs sind, schauen sie neidisch auf manche Dorfklubs. Ein positives Beispiel sei Großröhrsdorf, sagt Rainer Wrobel: „Die haben 40 Jugendliche, die begeistert kegeln.“

Aber bei den SC-Keglern will man nicht aufgeben. Man werde weiter für „unseren schönen Kegelsport werben“, so Heidi Kockot. Dabei gäbe es sicher Chancen, den Mitgliederschwund ein wenig abzufedern. Wenn Kegelvereine ihr Sportangebot flexibel gestalteten, sich dem Zeitgeist anpassten, ist vom Kreissportbund zu erfahren, hätte auch der Kegelsport in der Region eine Perspektive. Jedoch: Dies dürfte den Keglern, auch den vom SC Hoyerswerda, nicht einfach fallen. Kegeln ist ein konservativer Sport, Veränderungsprozesse sind da schlecht durchzusetzen. Weil vieles auf Tradition ausgerichtet ist. So ist der Blick mehr auf die Gegenwart ausgerichtet. „Ich versuche jedes Training zu genießen“, sagt einer der SC-Kegler. Weil irgendwann alles vorbei sein werde. Mit dem Kegelsport. Und, nun ja, man selbst lebe auch nicht ewig. In dem Sinne: Gut Holz! Solange es geht.