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| 10:38 Uhr

Umfrage des Radfahrerclubs
Hoyerswerda gewinnt Fahrrad-Ranking

 Rinaldo Groß (35) und Sindy Tietzmann (37) aus Hoyerswerda schimpfen auf den Winterdienst und lieben das ausgebaute Wegenetz im Seengebiet.
Rinaldo Groß (35) und Sindy Tietzmann (37) aus Hoyerswerda schimpfen auf den Winterdienst und lieben das ausgebaute Wegenetz im Seengebiet. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Laut Umfrage des Radfahrerclubs ADVC hat Hoyerswerda das beste Fahrradklima in Sachsen. Trotzdem ist der Frust der Radler gewachsen. Von Rita Seyfert

In keiner anderen sächsischen Stadt ist das Fahrradklima so gut wie in Hoyerswerda. Das ist das Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests, den der Verkehrsclub alle zwei Jahre veröffentlicht. Luft nach oben gibt es dennoch. Durchschnittlich bewerteten die Befragten die Situation für Radler in Hoyerswerda nur mit der Schulnote 3,5. Zum Vergleich: Der Mittelwert sachsenweit liegt bei 3,95.

Eine, die ihr Auto abgeschafft hat und aus Überzeugung fast nur noch Fahrrad fährt, ist Maria-Theresia Renner (67) aus Wittichenau. Für die 20 Kilometer von ihrem Wohnort bis in die City von Hoyerswerda wählt sie autofreie, verkehrssichere Wege durch die Natur. Ihre Einkäufe transportiert sie bequem im Körbchen. Einziges Problem: Am Bahnhaltepunkt Neustadt an der Unterführung müsse man das Fahrrad die Treppen runter und wieder hoch tragen. Eine Möglichkeit zum Schieben fehlt.

  Maria-Theresia Renner (67) strampelt sogar von Wittichenau bis Hoyerswerda – und zwar aus Überzeugung.
Maria-Theresia Renner (67) strampelt sogar von Wittichenau bis Hoyerswerda – und zwar aus Überzeugung. FOTO: LR / Rita Seyfert
 Maria-Theresia Renner (67) strampelt sogar von Wittichenau bis Hoyerswerda - und zwar aus Überzeugung.
Maria-Theresia Renner (67) strampelt sogar von Wittichenau bis Hoyerswerda - und zwar aus Überzeugung. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch Cornelia Rathmann (59) aus Hoyerswerda sitzt oft und gerne auf dem ausrangierten DDR-Diamant-Fahrrad ihrer Mutter. „Mein neues Mountainbike wurde aus dem Keller geklaut“, erzählt sie. Wenn sie in die Pedalen tritt, ist ihre zehnjährige Enkelin meist mit von der Partie. „Auf Hoyerswerdas Radwegen fühlen wir uns sicher“, sagt sie.

 Cornelia Rathmann (59) traut sich auch, ihre zehnjährige Enkelin allein mit dem Rad fahren zu lassen.
Cornelia Rathmann (59) traut sich auch, ihre zehnjährige Enkelin allein mit dem Rad fahren zu lassen. FOTO: LR / Rita Seyfert
 Cornelia Rathmann (59) traut sich auch, ihre zehnjährige Enkelin allein mit dem Rad fahren zu lassen.
Cornelia Rathmann (59) traut sich auch, ihre zehnjährige Enkelin allein mit dem Rad fahren zu lassen. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auf der Straße habe sie allerdings etwas Angst. Noch weitere Radwege wünscht sie sich deswegen in der Altstadt, am Bahnhof und rund um den Alten Markt. Auch der Winterdienst könnte besser sein. Da die Fahrradwege nicht beräumt werden, fährt sie bei Schnee vorsichtig unter Einsatz ihrer Klingel auf dem Fußweg. Die beiden persischen Auswanderer Hossein Imani (36) und Mojtaba Akbarshahi (28) sind in Hoyerswerda eigentlich lieber zu Fuß unterwegs. Doch wenn es mal schnell gehen soll, dann schwingen sie sich aufs Rad. Das ausgebaute, saubere Radwegenetz loben sie. Glasscherben sieht man selten.

Ein Problem sehen die beiden Männer in puncto Fahrraddiebstahl. Hossein Imani wurden bereits zwei City-Räder gestohlen. Beim ersten Mal war es nicht angeschlossen, beim zweiten Mal schlugen die Diebe zu, als sein diesmal gesichertes Rad zwei Tage am Bahnhof stand. Inzwischen lässt er sein Fahrrad nur noch maximal zwei Stunden auf der Straße stehen.

 Hossein Imani (36) und Mojtaba Akbarshahi (28) loben die Sauberkeit auf Hoywoys Straßen.
Hossein Imani (36) und Mojtaba Akbarshahi (28) loben die Sauberkeit auf Hoywoys Straßen. FOTO: LR / Rita Seyfert
 Hossein Imani (36) und Mojtaba Akbarshahi (28) loben die Sauberkeit auf Hoywoys Straßen.
Hossein Imani (36) und Mojtaba Akbarshahi (28) loben die Sauberkeit auf Hoywoys Straßen. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch Rinaldo Groß (35) aus Hoyerswerda wurde schon ein Montainbike gestohlen. „Das wurde angeschlossen weggetragen“, erzählt er. Inzwischen schließt er sein Rad samt Rahmen an. Ansonsten ist er voll des Lobes: „Ich fahre gerne Rad, auch mit meiner elfjährigen Tochter. Das funktioniert super“, sagt er.

Ob zum Aldi oder dem Treff-8-Center, nahezu alle Orte in Hoywoy erreicht man sicher per Drahtesel. Nur der Winterdienst sei eine Katastrophe. Allein in diesem Winter hat der Split drei seiner Reifen ruiniert. Freundin Sindy Tietzmann (37) schimpft eher auf das Streusalz. „Das Salz greift den Mantel an und macht den Gummi spröde“, erklärt sie. Zahlreiche Reifen musste sie deswegen schon reparieren lassen.

Wie es sich für eine echte Ritterin der Landstraße gehört, fährt Sindy Tietzmann oft und vor allem weite Strecken kreuz und quer durch die Lausitz. Das Radwegenetz sei dafür ideal. „Allein die Wege rund um die Seen sind der Hammer.“ Problematisch findet sie aber, dass die Fahrradwege oft an den Ortseingängen enden. „Beispielsweise kurz vor Schwarzkollm oder Maukendorf ist plötzlich Pumpe“, sagt sie. Dann müsse sie auf der gefährlichen Hauptstraße neben den Brummis radeln.

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests machen auch auf die Probleme in Hoyerswerda aufmerksam. 82 Prozent sehen den Fahrraddiebstahl als Problem in der Stadt an, während dieser Wert in Sachsen nur bei 77 Prozent liegt. 41 der Hoyerswerdaer fühlen sich auf dem Rad gefährdet. 70 Prozent kritisieren die Wegeführung an Baustellen. Nur elf Prozent empfinden den Winterdienst in der Stadt als fahrradfreundlich.

 Rinaldo Groß (35) und Sindy Tietzmann (37) aus Hoyerswerda schimpfen auf den Winterdienst und lieben das ausgebaute Wegenetz im Seengebiet.
Rinaldo Groß (35) und Sindy Tietzmann (37) aus Hoyerswerda schimpfen auf den Winterdienst und lieben das ausgebaute Wegenetz im Seengebiet. FOTO: LR / Rita Seyfert