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| 17:10 Uhr

filmspaziergang
Die mythische Stadt im Osten

In der Neustadt sind Filmschnipsel gezeigt worden aus der Altstadt wie vom Bahnhof.
In der Neustadt sind Filmschnipsel gezeigt worden aus der Altstadt wie vom Bahnhof. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Filmschnipsel verbinden Hoyerswerdas Alt- und Neustadt. Von Katrin Demczenko

Am Tag der Deutschen Einheit hat die Kulturfabrik (Kufa) Hoyerswerda zwei Filmcollagen am Lausitzer Platz und an einer Wand der Kufa gezeigt. Viele junge und ältere Menschen waren gekommen, um „die mythische Stadt im Osten“, wie der Kufa-Vorsitzende Jens-Uwe Röhl in seinem Filmkommentar sagt, einmal auf andere Weise zu erleben.

Eine filmische Verbindung zwischen der seit 750 Jahren bestehenden Altstadt und der erst 63-jährigen Neustadt entstand, weil alte Aufnahmen des Bahnhofs oder der Friedrichstraße am Balkon der Lausitzhalle gezeigt wurden. Bilder des Stadtzentrums der Neustadt aus den 1980er-Jahren oder des Brunnens im Wohnkomplex (WK) III flimmerten über eine Wand des Bürgerzentrums Braugasse 1 am Markt. Der Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch sprach davon, „die gefährliche blaue Grenze“ zwischen den Stadtteilen zu überschreiten und über das Zusammengehören der Alt- und der Neustadt nachzudenken. Er erklärte, dass der für Medienprojekte zuständige Kufa-Mitarbeiter Dirk Lienig für die Collagen 16- und 35-mm-Filmschnipsel vom Stadtmuseum im Schloss verwenden durfte, die bisher unbeachtet auf dem Dachboden gelegen hatten.

Dieses Bildmaterial war mit Aufnahmen einer lustigen Rundfahrt von Mitgliedern der Kufa-Tanzcompagnie durch Hoyerswerda im Sommer 2014 verknüpft worden, erinnerte sich Uwe Glietsch. Er ist damals mitgefahren und erfreute sich nun wieder an Kommentaren des „Reiseführers“ Jens-Uwe Röhl, der seine kleine Heimatstadt in der beschaulichen Lausitz mit der Weltstadt New York verglichen hatte. Das I-Tüpfelchen des Sehvergnügens war die musikalische Live-Begleitung durch die Projektband des Kölner Jazz-Gitarristen Hanno Busch. Ein gelungener Kulturaustausch zwischen West und Ost im 28. Jahr der deutsch-deutschen Widervereinigung, hörte Uwe Proksch von Gästen.

„Das Ifa-Haus war der größte Schocker“, sagte der alte Hoyerswerdaer Lutz Bäns, nachdem er Aufnahmen dieses Gebäudes neben der Johanneskirche aus DDR-Zeiten gesehen hatte. Bis heute habe sich viel Positives getan, so sein Fazit. Andere Zuschauer erkannten die Mokka-Milch-Eis-Bar und die Gaststätte „Drei Eichen“ im in den 1980er-Jahren unfertigen Zentrum der Neustadt wieder. Gefeiert wurde dort trotzdem. Auch die Buchhandlung im Gästehaus, heute Bürohaus der Versorgungsbetriebe Hoyerswerda, löste bei manchem ein Ah und Oh des Wiedererkennens aus. Marlies Huck erzählte von den 1970er-Jahren, als ihre Familie im WK IX eine Wohnung hatte und sie mit den Kindern in den Freizeitkomplex Ost zu der alten schwarzen Lok und zum Indianerdorf gegangen ist. Sie wünscht sich mehr Veranstaltungen, die die Verbindung zwischen Neustadt und Altstadt stärken.