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| 22:06 Uhr

Landwirtschaft
Hoyerswerda im Erdbeer-Fieber

 Die süßen Früchte gehen weg wie warme Semmeln. Der Bröthener Erdbeer-Bauer Edmund Kubitz (61) bringt den Nachschub mit dem Traktor zum Verkaufsstand.
Die süßen Früchte gehen weg wie warme Semmeln. Der Bröthener Erdbeer-Bauer Edmund Kubitz (61) bringt den Nachschub mit dem Traktor zum Verkaufsstand. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Für Erdbeer-Bauer Edmund Kubitz (61) aus Bröthen lief die Saison gut an. Die Nachfrage nach seinen süßen Früchten ist höher als die Ernte. Von Rita Seyfert

Fast täglich muss Erdbeer-Bauer Edmund Kubitz (61) das „Ausverkauft“-Schild an seinen Verkaufsstand hängen. „Meist ist schon am frühen Nachmittag alles raus“, sagt er. Vor allem die Pfund- und Kilo-Schalen sind gefragt. Von den Zweieinhalb-Kilo-Körbchen verkauft er um die hundert pro Tag.

Ein gutes Erdbeerjahr sei es, so Kubitz: „Wir haben viele Früchte, aber auch einige Verluste“, sagt er. Der Sonnenbrand setze den roten Früchten zu. „Dadurch bekommen die Erdbeeren weiche Stellen.“ Der Saisonauftakt lief daher auch eher mäßig. „Jede zweite Beere war futsch.“

Inzwischen klingelt der Wecker von Erdbeer-Bauer Kubitz bereits morgens um vier Uhr. Eine halbe Stunde später steht er schon auf dem Feld. „Wegen der Hitze pflücken wir nur bis mittags.“ Danach sind die Früchte zu weich und werden matschig.

 Wo im vergangenen Jahr Erdbeeren wuchsen, weiden jetzt Schafe. Die Tiere der englischen Suffolk-Rasse halten die Böden gesund.
Wo im vergangenen Jahr Erdbeeren wuchsen, weiden jetzt Schafe. Die Tiere der englischen Suffolk-Rasse halten die Böden gesund. FOTO: LR / Rita Seyfert

Wenn Edmund Kubitz mit dem Pflücken fertig ist, stellt er den Sprenger an. „Gegen Sonnenbrand hilft nur beregnen“, sagt er. Mittags in der größten Hitze lässt er das kühle Nass auf die 1,3-Hektar-Felder rieseln. Dadurch kühlen die Früchte seiner 50 000 Erdbeerpflanzen etwas ab.

Vom Grauschimmel blieb die Ernte aber bislang komplett verschont. Die eigentliche Hauptkrankheit der Erdbeeren tritt vor allem in regenreichen Jahren auf. Auch Ungeziefer sei dieses Jahr rar. Nur ein Schadinsekt macht den Früchten derzeit etwas zu schaffen.

„Die Erdbeerweichhautmilbe fühlt sich in der aktuellen Hitze und Trockenheit ziemlich wohl“, erklärt Erdbeer-Experte Kubitz. Die Milben befallen vor allem die Blätter. Sie saugen den Pflanzensaft ab. Dadurch wird nicht nur die Photosynthese beeinträchtigt, sondern auch das Wachstum der Früchte. „Die fallen dann kleiner aus.“

Sonst, in anderen Jahren, dauerte die Ernte mindestens acht Wochen. Jetzt, wegen der extremen Hitze, wird die Saison wohl nur halb so lange dauern, spekuliert Kubitz. Anfang Juni ging es los. Die Früchte der frühreifen, französischen Sorte „Darselect“ waren zuerst rot.

„Eine Pflanze trägt etwa drei Wochen“, erklärt der Fachmann. Die verschiedenen Erdbeer-Sorten hat er nach Reifezeiten gestaffelt angepflanzt. In etwa einer Woche dürfte die englische „Florence“ soweit sein. Das Schlusslicht Mitte Juli bildet die deutsche Züchtung „Malwina“.

Jedes Jahr probiert Edmund Kubitz neue Pflanzen aus. Das Karussell der Erdbeer-Sorten drehe sich immer schneller, erzählt er. Inzwischen seien mehr als tausend neue Züchtungen auf dem Markt. „Erstmals seit langem habe ich auch wieder eine Dresdner Sorte dabei“, erzählt er. Die „Renaissance“ aus Pillnitz soll besonders aromatisch schmecken.

Bereits in den 1960er-Jahren haben seine Eltern in Bröthen mit dem Erdbeer-Anbau begonnen. Als Edmund Kubitz elf Jahre alt war, verunglückte sein Vater tödlich. Als 15-Jähriger übernahm er den Erdbeer-Hof. Bis 1985 arbeitete er nebenher noch als Elektriker. Inzwischen kümmert er sich nur noch um die Stauden.

Damit seine Böden nach 50 Jahren mit der Erdbeer-Monokultur gesund bleiben, setzt er auf ein Rotationsprinzip. „Drei Jahre Erdbeeren, fünf Jahre Schafe“, erklärt er. Wo vergangenes Jahr noch Erdbeeren wuchsen, weiden jetzt 20 Fleischschafe der englischen Sorte Suffolk. Durch den Dung werden Mikroorganismen gefördert.

Nach Feierabend ist für den Bröthener aber noch lange nicht Schluss. Gegen 18 Uhr, wenn die letzten Selbstpflücker seine Felder verlassen haben, stellt sich Edmund Kubitz hinter den Kochtopf oder wirft den Dampf-Entsafter an. „Ich produziere auch Marmelade und Erdbeer-Nektar“, sagt er. Allerdings nur für den Verkauf: „Ich selbst mache mir nichts aus Erdbeeren.“ Edmund Kubitz hat sich an den Früchten längst satt gegessen. Nur zum Testen neuer Sorten nascht er mal.