(skl) Vor fünf Jahren hat sich das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ gegründet. Am kommenden Montag, 19. November, will das Bürgerbündnis ab 15.30 Uhr im Hoyerswerdaer King-Haus feiern und lädt alle Interessierten ein. Gegen 16 Uhr ist eine Diskussionsrunde mit Vertretern des Bündnisses, der Stadtverwaltung und der RAA geplant. Dann steht die Frage im Raum, was in den vergangenen fünf Jahren gut oder schlecht gelaufen ist und wie die Arbeit des Bündnisses in Zukunft aussieht.

Das Bürgerbündnis setzt sich für die Flüchtlinge ein, die in Hoyerswerda eine Zuflucht – oder inzwischen auch ein neues Zuhause – gefunden haben. Hanifa ist eine von ihnen. Sie kommt aus Syrien, ist 39, hat einen Mann und zwei Söhne. Gemeinsam leben sie in einer Wohnung in Hoyerswerda. „Zuerst war es schwierig, weil wir kein Deutsch verstanden haben“, sagt sie. Schneller haben ihre Kinder die Sprache gelernt und auch deutsche Freunde gefunden. Ihre Kinder sind 16 und elf Jahre alt und haben den Eltern mit der Sprache geholfen.

Hanifa und ihre Familie haben erst in Chemnitz in einem Flüchtlingsheim gelebt, dann im Heim in der Hoyerswerdaer Herrmann-Straße. Dort herrscht ein ständiger Lärmpegel. Es seien viele Kinder dort, sagt die zweifache Mutter. Und Kinder seien nun einmal laut. „Ich habe dort immer Beruhigungstabletten genommen“, sagt sie. „Ich konnte nur sehr schlecht schlafen.“ Seit zwei Jahren hat die Familie ihre Wohnung. Seitdem kann auch die 39-Jährige zur Ruhe kommen.

Mariam (28) wohnt ebenfalls mit ihrem Mann und drei Kindern in Hoyerswerda. Sie flohen vor drei Jahren aus Syrien. Sie fühlt sich wohl in der Lausitz. Sie sagt aber auch: Wenn der Krieg in ihrem Heimatland vorüber ist und sie dort wieder sicher leben können und eine Zukunft haben, will sie mit der Familie zurückkehren. Solange möchten sie bleiben. „Wir respektieren die Kultur hier in Deutschland“, sagt sie.

Mariam hat ihren Deutsch-Kurs abgeschlossen und sucht derzeit eine Arbeit. Sie hat in Syrien als Schneiderin gearbeitet. Eines ihrer Probleme: Sie hat keinerlei Unterlagen darüber, was sie einst gelernt hat. „Ich habe erst an meine Kinder und an mein eigenes Leben gedacht. Für Zeugnisse war da keine Zeit“, erzählt sie. Ihr Mann ist Dachdecker und Schmied und inzwischen Schichtarbeiter bei einem größeren Betrieb in der Region.

Für beide Familien hängt das Glück – wie bei den meisten anderen Familien auch – an der Arbeit. Hanifa hat gerade eine Aushilfsstelle bei einer Bäckerei-Kette in Hoyerswerda bekommen. Ihre deutsche Nachbarin hat sie dabei unterstützt. „Wenn mein Mann und ich eine Arbeit haben“, sagt Hanifa, „wollen wir gerne in Hoyerswerda bleiben.“

Das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ hat in Birgit Radeck eine hauptamtliche Koordinatorin. Die Stelle ist gefördert und muss Jahr für Jahr neu beantragt und bewilligt werden. Das Bürgerbündnis ist unter der Telefonnummer 03571 60 999 05 erreichbar. Unterstützer und auch Paten für ausländische Familien werden immer gesucht.

www.hoyerswerda-hilft-mit-herz.de