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"Hoyerswerda hilft mit Herz" auf Patensuche

Luise Dosch präsentierte die Bürgerbündnis-Neuerungen im King-Haus in Hoyerswerda.
Luise Dosch präsentierte die Bürgerbündnis-Neuerungen im King-Haus in Hoyerswerda. FOTO: ahu
Hoyerswerda. Patenbörse, Nachhilfeunterricht, Fahrradwerkstatt: Das Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz" hat am Dienstagabend über seine neuen Pläne gesprochen. Diskussionsstoff bot besonders die Frage, wie Flüchtlinge, die bereits in Wohnungen leben, weiterhin unterstützt werden können. Anja Hummel

Viele Veranstaltungen sind in nächster Zeit geplant. Für Geflüchtete, für die hiesigen Bürger. Einfach für alle, die Interesse haben. Ein Problem aber bleibt, stellt Pfarrer Jörg Michel beim Bündnis-Treffen am Dienstagabend fest. "Man weiß nicht voneinander." Damit zielt der Bürgerbündnis -Vertreter auf den fehlenden Kontakt zu vielen Geflüchteten ab, die nicht mehr in Heimen untergebracht sind. "Es ist schwierig, die Leute in ihren Wohnungen zu erreichen. Das geht nur über Paten", sagt der evangelische Pfarrer.

Deshalb möchte das Bürgerbündnis zukünftig gezielter auf die Patenbetreuung aufmerksam machen. "Es ist ein sehr wichtiges Integrationshilfsmittel", sagt Luise Dosch, die seit Anfang Juli als Bündnis-Koordinatorin im Einsatz ist. Ohne anderweitige Kontakte würden die Familien sonst oftmals zurückbleiben. "Bei Patenschaften ist es nicht festgelegt, wann und wie oft man sich trifft", erklärt die 27-Jährige. Es solle um kulturellen Austausch und nicht nur um bürokratische Angelegenheiten gehen. Leider sehe das in der Realität oft anders aus, bemerkt Steffi Meyer, die selbst Patin ist. Ihr Vorschlag, um Patenschaften attraktiver zu machen: Im Bündnis müssten sich einige Personen finden, die sich einzig mit dem "Papierkram" beschäftigen. Damit würde der bürokratische Teil die Paten nicht mehr belasten.

Nach aktuellsten Zahlen des Landkreises leben im Raum Hoyerswerda etwa 170 Geflüchtete in Wohnungen. Um aber gezielt den Kontakt zu den dezentral untergebrachten Flüchtlingen aufnehmen zu können, "müssen wir überhaupt erst einmal erfahren, wenn Flüchtlinge das Heim verlassen und in Wohnungen ziehen", kritisiert Bürgerbündnis-Mitglied Carmen Beyer den fehlenden Informationsfluss. Der soll bald automatisiert werden, informiert Jörg Michel. Derzeit werde mit dem Jobcenter ein Formular angefertigt, welches die Datenweitergabe im Falle eines Umzuges an das Bürgerbündnis erlaubt.

Zukünftig will das Bürgerbündnis helfende Hände auch auf dem Online-Weg erreichen. Bald soll ein Flüchtlings-Hilfe-Portal besonders die Leute ansprechen, "die nicht unbedingt Bündnis-Mitglieder werden wollen, aber trotzdem gerne helfen würden", erklärt Luise Dosch. In Leipzig und Potsdam wird dieses Portal bereits genutzt. In der Online-Börse können dann Angebote und Gesuche eingestellt werden - von Sachspenden über gemeinsame Freizeitaktivitäten bis hin zur Wohnungsvermittlung. Außerdem konnte das Bürgerbündnis mithilfe der Arbeiterwohlfahrt Lausitz und dem Nachbarschaftshilfeverein Hoyerswerda eine Selbsthilfewerkstatt in der Müntzer-Straße ins Leben rufen. Bisher konnten Fahrradreparaturen nur sporadisch vom Bürgerbündnis durchgeführt werden. Auch das Sprachenlernen möchte die Initiative in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Sprachschulen weiter voranbringen, betont Luise Dosch. So soll durch Bündnismitglieder ein Nachhilfeunterricht als Zusatz zu den Sprachkursen angeboten werden.

Am 29. November um 19 Uhr kommt das Bürgerbündnis zur nächsten Versammlung im King-Haus zusammen. Wenige Tage vorher, am 26. November, ist ein Sprachcafé von 15 bis 20 Uhr im Jugendclubhaus "Ossi" in Hoyerswerda geplant. Hier können Geflüchtete gemeinsam mit deutschsprachigen Bürgern über verschiedene spielerische Aktivitäten die Sprache lernen.

Wer Interesse an einer Patenschaft, Fragen oder Anregungen hat, erreicht das Bürgerbüro in der Dillinger Straße 1 immer dienstags von 14 bis 16 Uhr unter 03571 6099905 oder via E-Mail unter bb-hoy-hilft@t-online.de.