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| 13:50 Uhr

Bürger sehen sich ungerecht behandet
Heftige Kritik am Glasfaser-Ausbauplan

FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Mit viel Fördergeld wird in Hoyerswerda und der Elsterheide schnelles Internet aufgebaut. Dass nicht alle Bürger davon profitieren, sorgt für Zoff. Von Rita Seyfert

„Mein Nachbar bekommt Glasfaser und ich nicht! Das begreife ich nicht! Ich zahle doch auch Steuern!“ Der Herr in der siebten Reihe in der Aula vom Berufsschulzentrum „Konrad Zuse“ versteht die Welt nicht mehr. Und damit ist er nicht allein. Beim Infoabend zum Breitbandausbau im Bereich Hoyerswerda und Elsterheide machen mehrere Bürger ihrem Ärger Luft.

Landkreis verweist auf Förderrichtline für Breitband-Ausbau

Die beiden Männer der Telekom blicken zu Jens Frühauf, Sachgebietsleiter im Landratsamt Bautzen. Dieser holt tief Luft. Bereits zum zehnten Mal erklärt er an diesem Abend die Förderrichtlinie. „Nur die Haushalte bekommen Glasfaser, die zum Stichtag in 2016 weniger als 30 Megabit zur Verfügung hatten“, sagt er. An diese Vorgabe müssen sich der Landkreis Bautzen als Projektträger und die Telekom als Auftragnehmer halten.

Insgesamt 105 Millionen Euro zahlen Bund und Land fürs laufende Glasfaser-Projekt im Landkreis. Bei der Fördersumme handele es sich um Steuergelder, stellt Landratsamt-Mitarbeiter Frühauf klar. Jede einzelne Rechnung, ob Material oder Tiefbau, werde dokumentiert und protokolliert.

Die Markterkundung im Jahr 2016 basiert auf dem Breitbandatlas der Bundesrepublik. Außerdem mussten die Telekommunikationsanbieter offenlegen, welche Gebiete mit mehr als 30 Megabit versorgt werden. Natürlich können Indifferenzen auftreten, räumt Landratsamt-Mitarbeiter Frühauf ein. Jedes Medium habe Schwächen. „Wir können nicht jedes Haus nachmessen“, sagt er.

Zweifel an den Messdaten für den Breitband-Ausbau

Fakt ist, dass die Signalstärke mit der Länge des Kupferkabels abnimmt. Heißt: Je weiter der Weg vom Verteilerkasten zum Haus, desto geringer die ankommende Geschwindigkeit; oder umgekehrt je näher man dran wohnt, desto höher die Signalstärke. „Haushalte nah am Verteilerkasten haben mitunter bis zu 250 Megabit und sind somit nicht förderfähig, da sie als versorgt gelten“, so Sachgebietsleiter Frühauf. Bei den Nachbarn könne die Versorgung aber schon wieder ganz anders aussehen.

Mitunter liegt die Fehlerquelle aber auch ganz woanders. So behauptet ein Bürger aus dem Finkenweg in Zeißig, dass sein Netz nicht stabil funktioniert. Der ebenfalls anwesende Ortsvorsteher Jens Sarodonik will sogar wissen, dass der Anbieter Doergi-Net nur eine Zuführungsleistung von 200 Megabit für ganz Zeißig zur Verfügung stellt. 30 Megabit pro Haushalt stünden so gut wie nie zur Verfügung, sagt er.

Dieser Fall soll geprüft werden. Landratsamt-Mitarbeiter Frühauf: „Wir suchen das Gespräch mit Doergi-Net und lassen uns unter fachlicher Begleitung die Situation erklären“, sagt er. Falls sich herausstellt, dass der Anbieter das von ihm definierte Gebiet nicht mit 30 Megabit versorgen kann, dann müsse das Fördergebiet neu bewertet werden.

Neues Förderprojekt soll Fehler bei Messdaten ausmerzen

Unklar ist, ob die betreffenden Haushalte noch in der aktuellen Förderperiode berücksichtigt werden können. Ein neues Förderprojekt sei aber schon in Vorbereitung. Bürger mit fehlerhaft bewerteten Netzanschlüssen, aber auch Anwohner von neu gebauten Wohngebieten sollen darin berücksichtigt werden. Wenn es gut läuft, könnte laut Landratsamt-Mitarbeiter Frühauf Ende dieses Jahres die Ausschreibung beginnen.

Als Starttermin für das aktuelle Glasfaser-Projekt in Hoyerswerda ist laut LR-Nachfrage das dritte Quartal wahrscheinlich. Sven Bierend kümmert sich als Projektleiter bei der Telekom um die technische Umsetzung vom Breitbandausbau und weiß Konkretes. „Im Juli wird es soweit sein. Die Vorbereitungen der Tiefbaufirmen laufen“, sagt er.

Zunächst sollen 80 Kilometer lange Gräben in die Gehwege gegraben und Röhrhülsen verlegt werden. „Die Glasfaser-Kabel werden erst später in die Leerrohre eingeblasen“, erklärt er. Im Straßenbild dazu kommen außerdem insgesamt 60 Netzverteiler, also etwa 1,20 Meter hohe, graue Kästen.

Glasfaser wird parallel zu alten Kupfer-Kabeln verlegt

Die alten Kupferkabel bleiben unberührt. Die Glasfaser wird parallel verlegt. „Das ist ein Ausbau-Projekt und kein Rückbau“, stellt Telekom-Mitarbeiter Bierend klar. Beim Glasfaser-Ausbau haben die Hauptzuführungsstränge Priorität. Erst danach werden die Hausanschlüsse verlegt.

Auf seinen Sommerurlaub müsse deswegen aber niemand verzichten, so Bierend. „Der Kern der Arbeit mit dem Hausanschlussgeschäft erfolgt vermutlich erst ab Spätherbst“, sagt er. Dazu melden sich die Tiefbaufirmen rechtzeitig bei den Kunden an, und zwar entweder per Post, persönlich oder im Rahmen einer Infoveranstaltung mit zeitlichem Vorlauf.

Ansonsten passiert erst einmal nicht viel. Der Ausbau endet am Glasfaser-Übergabepunkt im Keller. Dort wird die neue Glasfaser-Box neben dem alten Kasten vom Telefonanschluss aufgehängt. Die Glasfaser-TAE-Box fürs Wohnzimmer bekommt der Kunde erst dann, wenn er das Produkt bucht. Ob bei der Telekom oder einem anderen Wettbewerber, das sei jedem selbst überlassen.

 Der geförderte Breitbandausbau erfasst in Hoyerswerda nicht das ganze Stadtgebiet.Das löst Unmut aus.
Der geförderte Breitbandausbau erfasst in Hoyerswerda nicht das ganze Stadtgebiet.Das löst Unmut aus. FOTO: Peter Radke / dpa / Rvetctor/shutterstock