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| 15:17 Uhr

Hoyerswerda
Hoyerswerda hat seine Ortsumgehung

 Die neue Ortsumgehung Hoyerswerda ist freigegeben. Es feiern (v.l.n.r.): Landtagsmitglied Aloysius Mikwauschk (CDU), Bautzens Vize-Landrat Udo Witschas, Doris Drescher (Präsidentin Landesamt für Straßenbau und Verkehr), Staatssekretär Stefan Brangs, Gerhard Rühmkorf (Unterabteilungsleiter Bundesministerium Verkehr und digitale Infrastruktur), Hoyerswerdas OB Stefan Skora sowie Carolin Schreck (Vizepräsidentin Landesdirektion Dresden).
Die neue Ortsumgehung Hoyerswerda ist freigegeben. Es feiern (v.l.n.r.): Landtagsmitglied Aloysius Mikwauschk (CDU), Bautzens Vize-Landrat Udo Witschas, Doris Drescher (Präsidentin Landesamt für Straßenbau und Verkehr), Staatssekretär Stefan Brangs, Gerhard Rühmkorf (Unterabteilungsleiter Bundesministerium Verkehr und digitale Infrastruktur), Hoyerswerdas OB Stefan Skora sowie Carolin Schreck (Vizepräsidentin Landesdirektion Dresden). FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Die Verbindung von der B 96 bei Maukendorf zur B 97 Richtung Cottbus ist fertig. Die B 96 führt damit nicht mehr durch Zeißig. Vize-Landrat Udo Witschas mahnt den weiteren Ausbau der B 97 an. Von Sascha Klein

Donnerstagvormittag, 10.45 Uhr: Thomas Jurk steigt aus seinem Auto. Er geht über den provisorischen Parkplatz und schaut sich die neue Hoyerswerdaer Ortsumgehung an. „Das Projekt hat mich während meiner Amtszeit auch sehr beschäftigt“, sagt er. In seiner Zeit als Sachsens Wirtschaftsminister von 2004 bis 2009 seien sehr viele Probleme zu dieser Straße zu lösen gewesen, betont der Weißkeißeler, der seit 2013 für die SPD im Bundestag sitzt. „Es gab ständig Umplanungen“, sagt Jurk und verzieht leicht gequält das Gesicht. Die Erwartungen seien groß gewesen. „Aber jetzt ist die Straße fertig und dann ist gut“, sagt der 56-jährige Lausitzer gelöst.

Das Projekt hat schon Jurks Vorgänger in den Ministerien beschäftigt. Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es Ideen für eine Hoyerswerdaer Ortsumfahrung. Rund 25 Jahre später wird diese Verbindung Realität. Gerhard Rühmkorf, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, erklärt, warum es so lange gedauert hat: Die Planfeststellung für die Ortsumfahrung habe erst 2013 vorgelegen. Dann sei unklar gewesen, wie das Projekt finanziert wird. Erst im Jahr 2015 habe der Bund mehr Geld für den Straßenbau zur Verfügung gestellt. „Rund 80 Projekte sind danach bundesweit freigegeben worden, unter anderem auch das in Hoyerswerda“, betont Rühmkorf.

 Das ist die neue B 96 (rot). In Zeißig wird der Bahnübergang mit der Freigabe der neuen Straße gesperrt. Einzige Verbindung ist über den Schmiedeweg.
Das ist die neue B 96 (rot). In Zeißig wird der Bahnübergang mit der Freigabe der neuen Straße gesperrt. Einzige Verbindung ist über den Schmiedeweg. FOTO: lr / Ricarda Neumann

Die neue Hoyerswerdaer Ortsumgehung (B 96n), auch Ostumfahrung genannt, ist insgesamt 6,7 Kilometer lang. Sie beginnt kurz hinter Maukendorf, biegt vor dem Hoyerswerdaer Ortsteil Zeißig ab, kreuzt die Ortsverbindung zwischen Hoyerswerda und Lohsa (S 108), führt am Gewerbegebiet Kühnicht vorbei und trifft am neuen Kreisverkehr auf die B 97 (Cottbus – Hoyerswerda). Die neue Teilstrecke hat 19,5 Millionen Euro gekostet, 16,7 Millionen Euro kommen davon vom Bund. Die neue Verbindung kann ab sofort genutzt werden. Seit Donnerstag um 11.30 Uhr rollt der Verkehr.

Rund 10 000 Fahrzeuge täglich sind zurzeit auf der B 96 in der Region unterwegs, sagt Gerhard Rühmkorf. „Das ist nicht unerträglich viel, für eine Ortsdurchfahrt allerdings schon“, betont er. Bislang haben sich die Fahrzeuge, darunter viele Lastwagen, von Maukendorf aus durch Zeißig und die Hoyerswerdaer Neustadt bis zur B 97 gequält. Dann geht es auch auf der B 97 quer durch die Stadt – bis der Abschnitt Richtung Schwarze Pumpe beginnt. Den kompletten Weg durch Hoyerswerda können sich Lastwagen-Fahrer und Pendler künftig sparen.

Extrem von der neuen Straße profitieren soll auch der Ortsteil Zeißig. Dort ist ab sofort keine Bundesstraße mehr. Die alte B 96 wird Gemeindestraße, der alte Bahnübergang gesperrt und in den kommenden Monaten bis Mai 2019 zurückgebaut. Von Zeißig Richtung Hoyerswerda-Neustadt geht es dann nur noch über den Schmiedeweg und den dortigen Bahnübergang. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft hatten die Zeißiger, als vor Kurzem die Anbindung an die neue B 96 nach Spohla gebaut worden ist. Da war Zeißig für einige Tage Sackgasse. Für viele Anwohner sei die plötzliche Ruhe komplett ungewohnt gewesen, sagt Ortsvorsteher Jens Sarodnik. Die Straßenbreite der alten B 96 in Zeißig soll erhalten bleiben, betont Hoyerswerdas Fachbereichsleiter Bau, Dietmar Wolf. In den kommenden drei Jahren sollen 1,5 Millionen Euro in die Straße investiert werden. Das Geld stammt von Bund und Freistaat.

Sachsens Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Brangs (SPD) nennt die neue Ortsumgehung „ein Signal an die Region von Bund und Land“. Im Rahmen der Strukturwandel-Debatte müssten die Behörden zeigen, dass sie bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen, so Brangs weiter. „Wir wollen, dass sich die Wirtschaft weiter entwickelt und der Arbeitsmarkt stabil bleibt.“

Diesen Ball haben der stellvertretende Bautzener Landrat Udo Witschas und Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (beide CDU) dankend aufgenommen. Am Donnerstag haben sie eindringlich dafür plädiert, auch die B 97 von Hoyerswerda nach Dresden auszubauen. Stefan Brangs ist auf RUNDSCHAU-Nachfrage unter bestimmten Bedingungen offen für solch einen Ausbau. Er sagt, sofern der Bund im Rahmen der Strukturwandel-Diskussion zu dem Entschluss kommt, dafür Geld zu investieren und die Bedingungen schafft, Planungen deutlich zu verkürzen und zu vereinfachen, kann sich auch der Freistaat den Ausbau der B 97 von Hoyerswerda nach Dresden vorstellen.